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Verkehr : Zugverkehr mit Hindernis

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Von den preisgünstigen Schienenangeboten nach Polen profitieren Brandenburger Fahrgäste kaum

svz.de von
erstellt am 18.Dez.2015 | 09:08 Uhr

Der regionale Eisenbahnverkehr nach Polen ist seit Jahren ein Thema, bei dem sich gute und schlechte Nachrichten häufig abwechseln: Auch zum jüngsten Fahrplanwechsel gab es wieder einige Veränderungen.

„Am Runden Tisch Verkehr der Oder-Partnerschaft konnten die Länder Berlin, Brandenburg und Sachsen im Dialog mit den polnischen Akteuren des Bahnverkehrs Erleichterungen durchsetzen.“ Das verkündet die Berliner Senatsverwaltung stolz. So sei die Zahl der umsteigefreien Direktverbindungen von Berlin nach Stettin von zwei auf drei pro Tag und am Wochenende sogar auf vier erhöht worden.

Auch nach Breslau kommt man jetzt ein wenig schneller. Zur Erinnerung: Vor genau einem Jahr waren die Direktzüge aus Berlin in die schlesische Metropole weggefallen. Jetzt muss man entweder in Cottbus und Görlitz zweimal umsteigen oder den Umweg über Posen nehmen. Immerhin wurden in Posen nun die Umsteigeverbindungen mit dem innerpolnischen Intercity Danzig-Posen-Breslau abgestimmt, sodass die gesamte Fahrtzeit in das 350 Kilometer entfernte Breslau von Berlin „nur noch“ etwas mehr als fünf Stunden beträgt.

Betrachtet man die Schienenangebote nach Polen aus Brandenburger Sicht, fällt zudem auf, dass die meisten auf Fahrgäste aus der deutschen Hauptstadt zugeschnitten sind. Dies gilt insbesondere für das preiswerte „Berlin-Stettin-Ticket“, das vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) angeboten wird. Für zehn Euro (ermäßigt 7,50 Euro) kann man von der Spree in die Hauptstadt Pommerns fahren.

Der Haken: An den Fahrkarten-Automaten des VBB in Brandenburg kann man solch ein Ticket nur buchen, wenn man als Startort Berlin eingibt. Aber man muss ja auch erst mal nach Berlin kommen und den Fahrpreis dorthin zusätzlich zahlen. Ein Test etwa im Bahnhof Frankfurt (Oder) ergibt, dass es Tickets nach Stettin am Automaten nur über die Deutsche Bahn, nicht aber über den VBB gibt. Der Preis beträgt 48,10 Euro. Am Schalter erhält man immerhin die Auskunft, dass man auch ein Berlin-Brandenburg-Ticket für 29 Euro kaufen kann. Denn dieses gilt in den Regionalzügen bis in die polnischen Grenzorte Stettin, Küstrin, Slubice und Zasieki.

Besonders krass ist der Unterschied, wenn man in Angermünde (Uckermark) wohnt. Von dort zahlt man nach Stettin 9,50 Euro, obwohl die Entfernung nicht mal halb so lang ist wie von Berlin. Die Sprecherin des VBB, Elke Krokowski, verweist darauf, dass „es immer wieder spezielle Angebote für bestimmte Kundenkreise gibt“. Das preiswerte Berlin-Stettin-Ticket sei vor allem deshalb eingeführt worden, „um unser Angebot auf dieser noch immer nicht voll elektrifizierten Strecke gegenüber den zahlreichen polnischen Kleinbussen konkurrenzfähig zu machen“. Dass dies gelungen sei, zeige sich daran, „dass im vergangenen Jahr 325 000 Fahrgäste diese Linie nutzten, während es 2009 nur 215 000 Fahrgäste waren“.

Weil Breslau im kommenden Jahr Kulturhauptstadt Europas ist, soll es ab dem 30. April an Wochenenden auch dorthin einige durchgehende „Kulturzüge“ aus Berlin geben. Der Fahrpreis in eine Richtung soll 19 Euro betragen, das Projekt wird von Berlin und Brandenburg unterstützt. Die Züge werden auch in Cottbus und Forst halten. Was die Tickets von dort aus kosten werden, ist derzeit noch unklar.

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