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Befährungsstrafe : Vater betrügt behinderte Tochter um ihr Geld

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Weder Mord noch Totschlag spielt in diesem Fall eine Rolle. Dennoch steht er einem spannenden Krimi in nichts nach. Es geht um viel Geld, Ärztepfusch, eine behinderte Tochter, eine gescheiterte Ehe und einen Vater, der ungeheuerliche Schuld auf sich geladen hat.

Weder Mord noch Totschlag spielt in diesem Fall eine Rolle. Dennoch steht er einem spannenden Krimi in nichts nach. Es geht um viel Geld, Ärztepfusch, eine behinderte Tochter, eine gescheiterte Ehe und einen Vater, der ungeheuerliche Schuld auf sich geladen hat. Am Mittwoch nun findet sich Karsten R. als Angeklagter vor dem Amtsgericht Potsdam wieder. Der Vorwurf lautet Untreue.

Das Schicksal hat es nicht nur gut gemeint mit dem Ehepaar R. Zwar sind die jungen Leute aus Werder (Potsdam-Mittelmark) finanziell abgesichert. Beide haben einen gut bezahlten Job. Doch mit der Geburt der zweiten Tochter Anfang 2001 wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Die kleine Lilly leidet an einer Gelbsucht, wird von den Ärzten falsch behandelt. Sie bleibt körperlich schwerstbehindert, kann nicht sprechen, ihre Hände nicht bewegen, sitzt im Rollstuhl und wird vermutlich ihr Leben lang auf Hilfe angewiesen sein. Die Eltern klagen erfolgreich gegen die Ärzte. Schließlich zahlt ihnen die Versicherung fast 750 000 Euro – unter anderem für den behindertengerechten Ausbau ihres Hauses und für Unkosten, die ihnen durch die Pflege ihres Kindes entstehen. Knapp 350 000 Euro hingegen sind allein für Lilly gedacht: Die Eltern wissen, dass sie das Schmerzensgeld für ihre Tochter anlegen müssen. Ab dem 18. Geburtstag soll sie frei darüber verfügen können.

Die Eheleute eröffnen im Frühjahr 2007 zwei Konten für ihr behindertes Kind. Doch als sich das Paar anderthalb Jahre später trennt, bemerkt R.s heutige Ex-Frau, dass die Konten leer sind. Um die Geldgeschäfte hatte sich immer ihr Mann gekümmert. Wo das Geld geblieben ist, kann er ihr aber nicht plausibel erklären, berichtet sie nun als Zeugin. Sie zeigt ihn an. Zunächst taucht R. unter. Zwei Jahre später stellt er sich. Vor Gericht legt er ein Geständnis ab, zeigt sich reumütig.

Allerdings kann der 43-Jährige auch der Richterin nicht plausibel erklären, wo das Geld geblieben ist. Er habe sich ein teures Auto gekauft, hohe Anwaltskosten im Streit mit den Ärzten zahlen müssen. Den Rest habe er in das Haus gesteckt, das er sich gemeinsam mit seiner Ex-Frau Ende 2004 gekauft hatte. Behindertengerechte Bäder, rollstuhlgerechte Zimmer, selbst das Pflaster habe er den Bedürfnissen seiner jüngsten Tochter angepasst, berichtet R. „Irgendwann habe ich den Überblick verloren.“ Die Richterin glaubt ihm nicht, dass so viel Geld in das Haus geflossen ist. Zumal die Eheleute für den Kauf der Immobilie auch einen Kredit in Höhe von 200 000 Euro aufgenommen hatten und R. ebenso viel geerbt hatte. „Wo das Geld im Detail geblieben ist, lässt sich nicht mehr klären“, muss die Vorsitzende am Ende feststellen.

Und das Haus? R. hat es seiner Frau überschrieben, sie hat es verkauft. Nach Abzug der Kreditschuld sind ihr 63 000 Euro geblieben. Ihr Ex-Mann wird zu zwei Jahren Freiheitsentzug verurteilt – ausgesetzt zu drei Jahren Bewährung. Auf diese Weise könne er Geld verdienen und seine Tochter unterstützen, gibt ihm die Richterin mit auf den Weg. „Dazu sind Sie schließlich nicht nur gesetzlich, sondern auch moralisch verpflichtet.“

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erstellt am 08.Jan.2014 | 23:31 Uhr

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