Familientradition an der Viadrina : Urahn war schon 1513 der Rektor

Die neue Viadrina-Präsidentin Julia von Blumenthal.
Die neue Viadrina-Präsidentin Julia von Blumenthal.

Die künftige Viadrina-Präsidentin stammt aus einem alten märkischen Adelsgeschlecht, hat aber das moderne Europa fest im Blick

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14. Mai 2018, 05:00 Uhr

Die Politikwissenschaftlerin Julia von Blumenthal wird ab Herbst als Präsidentin die Frankfurter Europa-Uni leiten. Einer ihrer Vorfahren war schon vor rund 500 Jahren Rektor an der Vorgänger-Universität Viadrina.

„Ach, Sie haben es herausgefunden!“ Julia von Blumenthal wirkt etwas überrumpelt, als die Rede auf ihren Urahn Georg von Blumenthal kommt. Der war 1513 als damaliger Domdekan des Bistums Lebus zugleich auch Rektor der Universität in Frankfurt (Oder), die überhaupt erst sieben Jahre zuvor als Brandenburgische Landesuniversität gegründet worden war.

„Ja, wir stammen aus dem gleichen Geschlecht der von Blumenthals, das sein Stammhaus bei Kyritz in der Prignitz hat“, bestätigt die 47-Jährige, die am Mittwoch vom Senat der heutigen Europa-Uni zur künftigen Präsidentin gewählt worden ist. Dass ihr Urahn ein halbes Jahrtausend zuvor an gleicher Stelle Rektor war, habe sie – die 1970 im hessischen Marburg geboren wurde – „aber auch erst vor kurzem erfahren“. Dafür zeigt sie den kleinen Ring mit dem Wappen ihres Geschlechts, der von ihrer Oma stammt und den sie als Glücksbringer für die Wahl mitgebracht hatte.

Dass diese Wahl einstimmig ausfiel, dürfte aber weder an dem Urahn, noch an dem Ring und auch nicht nur daran gelegen haben, dass die Stiftungsrat der Viadrina in der ersten Stufe des Wahlverfahrens schon alle weiteren Bewerber ausgesiebt hatte. „Mit Frau Professor von Blumenthal haben wir eine ausgezeichnete Kandidatin gewählt, die uns sowohl durch ihre Vita, wie auch durch ihre überzeugenden Vorstellungen beeindruckt hat.  Ich bin sicher, dass das Ruder der Europa-Universität bei ihr in guten Händen liegt.“ Dieses Kompliment stammt vom früheren Präsidenten der Universität Jena, Klaus Dickel, der seit kurzem den Stiftungsrat der Viadrina leitet.

Die künftige Präsidentin freut sich „vor allem auf das Europäische und das Deutsch-Polnische in Frankfurt“. Denn als Jugendliche habe sie noch die Teilung Europas gekannt, aber durch Besuche in der DDR und Polen auch „das Leben auf der anderen Seite des geteilten Kontinents“. Gleichzeitig wisse sie um die heutige Skepsis vieler Menschen gegenüber den europäischen Institutionen und ist davon überzeugt, „dass der europäische Gedanke erneuert werden muss“. Darin sei sich mit dem französischen Präsident Emmanuel Macron einig, laut dem „Wissen und Bildung Europa zusammenhalten“.

Und schließlich habe sie sich auch noch vorgenommen, „das Bild von den Blumenthals in Frankfurt (Oder) nach 500 Jahren endlich zu korrigieren“. Denn ihr Urahn habe – nachdem er 1524 letzter katholischer Bischof von Lebus geworden war – noch eifrig gegen Martin Luther gekämpft und der Viadrina mit Geldentzug gedroht, falls sie dessen „irrwitzigen und ketzerischen Gedanken verbreite“.







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