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Dinner-Theater : Unterwegs in der Heimat

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vor sechs Jahren gründete ein Artistenpaar Deutschlands einziges bewegliches Dinner-Theater

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Sabrina Bienas hat viel von der Welt gesehen. Schon zu DDR-Zeiten durfte die gebürtige Eggersdorferin (Märkisch-Oderland) regelmäßig in den Westen reisen – gemeinsam mit ihren Eltern, denen sie in den Job als Zirkus-Artist gefolgt ist. „Eigentlich wollte ich gar nicht Artistin werden“, erinnert sich die 55-Jährige. „Doch das war die einzige Möglichkeit, mit meinen Eltern zusammen zu sein.“

Zuvor sei sie oft von ihnen getrennt gewesen. „Wenn meine Eltern Auftritte im kapitalistischen Ausland hatten, musste ich sozusagen als Pfand zurückbleiben.“ Die Luftakrobatik hat die 55-Jährige inzwischen aufgegeben. „Irgendwann macht der Körper die Strapazen nicht mehr mit.“ Geblieben sind die Erinnerungen an eine sehr spannende und abwechslungsreiche Zeit. „Man ist viel unterwegs. Wenn man jung ist, ist das okay“, sagt Bienas. Heute aber sei sie froh, dass sie öfter zu Hause sein kann. „Dass ich überhaupt ein Heim habe.“

Erst seit zwei Jahren hat sie nun wieder ein richtiges Zuhause. Sie wohnt in Werneuchen (Barnim) – gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, der ebenfalls Artist ist und ein bekannter BMX-Fahrer. Vor 17 Jahren haben sich die beiden beim Zirkus Sarrasani kennengelernt. Danach sind sie jahrelang gemeinsam durch ganz Europa getourt, waren als selbstständiges Artistenpaar mal hier, mal dort engagiert und haben sozusagen aus dem Koffer gelebt. „Ein eigenes Zuhause genießt man dann natürlich ganz anders“, sagt Bienas.

Dass sie und ihr Lebenspartner inzwischen sesshaft werden konnten, verdanken sie einer mutigen Idee, die sie vor sechs Jahren in die Tat umsetzten. „Wir wollten schon immer etwas alleine machen“, erzählt die 55-Jährige. Während eines Engagements in der Schweiz lernten sie schließlich ein Familiengeschäft kennen, das ihrer Idee von Unabhängigkeit sehr nahe kam. Dieses Beispiel vor Augen gründeten Sabine Bienas und ihr Lebensgefährte Dave Blundell ihr „Dinner for fun“. Sechs Jahre ist es nun her, dass sie mit ihrem „gemütlichen Verzehrtheater“ Premiere in Eggersdorf feierten. Inzwischen treten sie auch in Wildau, Potsdam und Oranienburg auf. Immer im selben Haus, das laut Bienas das einzige reisende Verzehrtheater in ganz Deutschland ist. „Bei uns ist alles beweglich.“

Allerdings soll es über die Grenzen Brandenburgs hinaus nicht gehen, auch wenn es bereits Anfragen gab. „Wir sind stolz darauf, dass wir nur in Brandenburg unterwegs sind“, begründet Sabrina Bienas die Entscheidung. „Wir wollen heimatverbunden sein, und die Gäste sind froh, dass sie uns ganz für sich alleine haben.“

Das Geschäft hat sie gemeinsam mit ihrem Partner in kompletter Eigeninitiative aus dem Boden gestampft. Dazu gehörte auch der Kauf der gesamten Ausstattung. Zelte, Wohnwagen für die Künstler, ein Toilettenwagen, Duschen, ein voll eingerichteter Küchenwagen, ein Zugfahrzeug mit Auflieger, zig Stühle, Fußboden und Deko wurden zum Beispiel benötigt. Entsprechend groß war das finanzielle Risiko, das Bienas und Blundell eingingen. Doch ihr Mut wurde belohnt. Das „Dinner for fun“ hat sich etabliert, wird sehr gut angenommen. „Das Vier-Gänge-Menü und die Show sind von guter Qualität“, schwört Bienas. Dennoch sei der Preis erschwinglich.

Immer von September bis Anfang Februar hat das Theater geöffnet. In der laufenden Saison kümmern sich 17 Mitarbeiter mittwochs bis sonntags um die bis zu 100 Gäste, die pro Vorstellung dabei sein können. Sabrina Bienas führt durch den Abend, leitet das Servicepersonal an und verwaltet die Kasse. Ihr Lebensgefährte steht als Comedian und BMX-Fahrer selbst auf der Bühne – neben ihm Magier, Musiker und Akrobaten.

Wenn die Saison zu Ende geht, kommen Bienas und Blundell wieder nach Hause. Dort wird dann die nächste Tour vorbereitet. Neue Künstler werden verpflichtet, die Verträge für die Spielstandorte gemacht. Außerdem stehen Reparaturen und viel Büroarbeit an. Manchmal sei ihr Job schon sehr anstrengend, sagt Bienas. Doch aus den vielen positiven Resonanzen könne sie Kraft ziehen. „Jeder sollte seinen Platz haben. Und wir haben unseren gefunden, sind dort, wo wir hingehören.“

 

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