Viele Stunden nicht erteilt : Unterrichtsausfall an den Schulen bleibt sehr hoch

In vielen Schulen werden die Stühle häufig vorzeitig wegen Unterrichtsausfalls hochgestellt.
In vielen Schulen werden die Stühle häufig vorzeitig wegen Unterrichtsausfalls hochgestellt.

An einigen Schulen fiel ein Zehntel des Unterrichts im vergangenen Schuljahr aus

svz.de von
13. Juni 2018, 05:00 Uhr

Durchschnittlich sind Brandenburg 2,1 Prozent der Unterrichtsstunden ersatzlos ausgefallen. Ein Statistik des Bildungsministeriums legt erstmals die Dramatik offen, die sich hinter diesen Zahlen verbirgt: An manchen Schulen fallen zehn Prozent und mehr komplett aus.

Die Zahlen stammen vom vergangenen Schuljahr und können sich im konkreten Fall schon wieder geändert haben – so viel vornweg. Erschreckend sind sie trotzdem: An 57 von 515 öffentlichen Grundschulen fielen 2016/17 mehr als drei Prozent des Unterrichts aus. Spitzenreiter war eine Förderschule in Werder (Havel), wo 10,6 Prozent des zu erteilenden Unterrichts nicht stattfanden.

In der Altersstufe zwischen der 7. und 10. Klassen fielen an 27 von 260 Schulen zwischen vier und fünf Prozent des Stundensolls ersatzlos aus, an 31 weiteren  Schulen sogar ein höherer Prozentsatz. Den meisten Ausfall gab es demnach an der Oberschule „Ulrich von Hutten“ in Frankfurt (Oder) mit 14,2 Prozent.

In der gymnasialen Oberstufe fanden an 29 von 114 Schulen mehr als drei Prozent des vorgesehenen Unterrichts nicht statt. Für das Oberstufenzentrum Barnim I in Bernau wird ein Ausfall von zwölf Prozent des Stundensolls aufgeführt.

Besonders viel Ausfall scheint es bei Förderschulen zu geben. Bei den Grundschulen, die die Statistik als besonders problematisch aufführt, ist jede vierte eine Förderschule, bei den weiterführenden sogar jede dritte. Auffällig ist der hohe Anteil von Seiteneinsteigern, der in gerade Förderschulen eingesetzt wird. In vier, davon drei mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt „geistige Entwicklung“, gilt mehr als die Hälfte der Lehrer als Seiteneinsteiger. Die höchst Quote erreicht ein Förderchule in Rathenow mit 58 Prozent Seiteneinsteigern.

Das Bildungsministerium verwies auf Nachfrage darauf, dass es sich zum Teil um Sozialarbeiter mit sonderpädagogischer Ausbildung handelt.

Erstmals veröffentlicht wurde auch ein Blick auf die Fächer Latein und Informatik, für die seit Jahren besonders dringend Lehrer gesucht werden. An 35 von 114 Schulen mit gymnasialer Oberstufe ist es demnach zur Zeit nicht möglich, das Latinum, das beispielsweise für medizinische Berufe benötigt wird, abzulegen. An fast jeder dritten von 233 weiterführenden Schulen existiert das Fach Informatik nicht oder nur als Arbeitsgemeinschaft.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU, Gordon Hoffmann, der die Kleine Anfrage gestellt hatte, sprach am Montag von erschreckenden Zahlen. Es räche sich, dass jahrelang zu wenig Fachpersonal eingestellt wurde. Die derzeitigen Ausfälle werden sich über Jahre hinweg kaum verringern lassen, schätzte der Christdemokrat ein. Es werde immer schwerer junge Lehrer in ländliche Regionen zu vermitteln. Auch Städte wie Frankfurt (Oder) hätten bereits jetzt Lücken, die kaum noch zu schließen seien.

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