Brandenburg : Unter der Erde liegt die Zukunft

Gestalten den Tempelgarten entscheidend mit: Archäologen wie Ralf Scherrer (vorn) suchen in der Wolfsschlucht und an anderen Stellen nach der ursprünglichen Beschaffenheit des Parks. Die Anlage wird bis zum Ende des Jahres neu gestaltet.
Gestalten den Tempelgarten entscheidend mit: Archäologen wie Ralf Scherrer (vorn) suchen in der Wolfsschlucht und an anderen Stellen nach der ursprünglichen Beschaffenheit des Parks. Die Anlage wird bis zum Ende des Jahres neu gestaltet.

Neugestaltung des Tempelgartens in Neuruppin beginnt / Letzte Umgestaltung 1985 enthielt viele Fehler

svz.de von
02. August 2016, 10:00 Uhr

Darauf hat der Tempelgartenverein zehn Jahre lang gewartet: Kürzlich hat endlich die Neugestaltung der Parkanlage begonnen, für die der Verein so lange Geld gesammelt hat. So ähnlich, wie sie im 18. Jahrhundert unter Kronprinz Friedrich und im 19. Jahrhundert unter der Familie Gentz war, soll sie wieder werden. Das Spannende: Wie genau der Garten aussah, das weiß keiner.

Ein „Tag der Freude“ nennt der Vorsitzende des Vereins, Peter Neiß, den Baustart und spricht den zahlreich erschienenen, gut gelaunten Mitgliedern aus der Seele. Mit dem Umbau der Parkanlage startet der augenfälligste, wichtigste und kostenintensivste Schritt der bereits seit Jahren laufenden Sanierung. Am Ende wird sie 3,5 Millionen Euro verschlungen haben. 80 Prozent davon stammen aus der Städtebauförderung.

Als Neuruppin über Jahre immer wieder nicht genug Geld für den nötigen Eigenanteil aufbrachte, weil andere Projekte Vorrang hatten, löste der kleine Kulturverein die Mammutaufgabe. Die Mitglieder warben 55  000 Euro, also die Hälfte des städtischen Eigenanteils, ein. Die Idee stammte von Steuerberaterin Jutta Sand. Zahlreiche Neuruppiner Unternehmer und Einzelpersonen, darunter für Neiß auffallend viele Ärzte, außerdem die Stiftung der Raiffeisenbank, sprangen ein.

Dank der großzügigen Geber ändert sich einiges. 59 Bäume werden neu gepflanzt, sodass vor allem im hinteren Teil eine waldartigere Kulisse entsteht. Nur zwei müssen gefällt werden. Auf 2  270 Quadratmetern werden Wege neu geplant, 4  600 Quadratmeter Rasenflächen neu angelegt, 800 Quadratmeter an Hecken und Gehölzflächen umgestaltet. Die Blumenrabatten werden mit neuen Stahlbändern eingefasst. Bänke, Abfallbehälter, Fahrradbügel und Trinkwasserleitungen gilt es zu ersetzen. Zwei große hoch eingeastete Ulmen finden am Eingangstor einen neuen Platz. Die Urheber des Parkes wollten, dass die Bäume an Palmen erinnern. Die sogenannte Wolfsschlucht im hinteren Teil wird mindestens zwei Meter tiefer. Sie ist ein Ausläufer der Wallanlagen. Als i-Tüpfelchen ist geplant, zum Schluss noch einen jetzt verschütteten Durchlass zum Wall hin wieder freizulegen.

In der Wolfsschlucht starteten am Montag bereits die Forscher vom Archäologiebüro Dressler. Sie sind diesmal von elementarer Bedeutung. „Wir erhoffen uns wichtigste Erkenntnisse durch die Bodenarchäologie“, so die Landschaftsarchitektin Brigitte Gehrke. Denn: Die Neugestaltungspläne fußen zwar auf einigen alten Karten aus dem 18. und 19. Jahrhundert und einer großen Sammlung an Fotos. Eine komplette Übersicht, wie der Park einmal aussah, gibt es aber nicht. „Unser Plan, wie wir vorgehen wollen, ist zu 80 Prozent vollständig“, macht Neuruppins Baudezernent Arne Krohn deutlich. Der Rest, also wo Wege lang führten, wie tief die Schluchten sind, oder etwa welche Form das Mittelrondell hat, soll erst noch festgestellt werden. „Bei der letzten Umgestaltung 1985 zu DDR-Zeiten wurde nicht alles richtig erhalten“, so die Architektin.

Geschafft werden soll all das bis Ende 2016. In den ersten Wochen der Bauarbeiten ist der fordere Teil des Tempelgartens für die Neuruppiner zwar noch begehbar. Abgesperrte Bereiche dürfen aber nicht mehr betreten werden. Das Restaurant ist natürlich geöffnet.

Kulturveranstaltungen, mit denen der Tempelgartenverein die Anlage seit Jahren erfolgreich belebt, wird es in diesem Sommer also vorerst nicht geben. Zum Tag des offenen Denkmals am 11. September darf die Öffentlichkeit die Baustelle besichtigen.

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