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Bildung : Universitäten wollen Ethik überprüfen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wie wird geforscht? Was passiert mitden Ergebnissen? Bildungseinrichtungen nehmen wissenschaftliche Methoden unter die Lupe

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Wenn Wissenschaftler bei ihren Forschungen Neuland betreten, sind die dabei eingesetzten Methoden nicht immer unumstritten: Die bekanntesten Beispiele dafür sind die Tierversuche, bei denen Hunderte Mäuse, Meerschweinchen oder auch Kaninchen leiden müssen, weil neue, für den Menschen gedachte Medikamente an ihnen getestet werden. Oder die gentechnische Veränderung von Pflanzen, mit deren Hilfe höhere Erträge erzielt werden sollen.

Zwar gibt es in Brandenburg bisher keine medizinischen Hochschulen oder pharmazeutischen Institute, an denen solche Experimente durchgeführt werden. Dennoch verpflichtet das vor zwei Jahren verabschiedete Hochschulgesetz sämtliche Einrichtungen jetzt zur Einrichtung von Ethikkommissionen. Damit wird in Brandenburg etwas nachgeholt, was es in anderen Bundesländern zum Teil schon seit Jahrzehnten gibt.

Jüngstes Beispiel ist die Fachhochschule Potsdam, an der sich eine solche Kommission nun konstituiert hat. „Damit beginnt ein Lernprozess, der die Hochschule befähigen kann, noch differenziertere Urteile über ihre Projekte und Ergebnisse zu fällen und auf diese Weise einen relevanten Beitrag zu Problemlösungen zu leisten“, sagt der Präsident der FH, Eckehard Binas, dazu. Die Kommission soll sich auf Antrag der für ein Forschungsvorhaben verantwortlichen Personen mit der ethischen Vertretbarkeit der Ziele beschäftigen und auch externe Experten zu Rate ziehen. Wofür machen wir das eigentlich? Wem nutzt das? Was machen unsere Partner mit den Ergebnissen? Über solche Fragen soll laut Binas noch intensiver nachgedacht werden.

An der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (Barnim) besteht die Kommission zwar bereits seit Ende 2014. Bisher hat sie aber noch nicht getagt, weil zwei der vorgesehenen externen Mitglieder noch nicht gefunden wurden. „Im Laufe des Sommersemesters sollen sie berufen werden“, sagt die Hochschulsprecherin Stefanie Schulze.

Auch über mögliche Plagiate – etwa in Dissertationen – über die in jüngster Zeit prominente Politiker wie die frühere Wissenschaftsministerin Annette Schavan gestolpert sind, sollen in den Kommissionen zur Sprache gebracht werden. Laut Hochschulgesetz sollen sich die Gremien zudem mit dem „möglichen Einsatz von Forschungsergebnissen für nicht friedliche Zwecke“ beschäftigen. Dazu gab es in jüngster Zeit ein Beispiel an der Universität Potsdam, wo die Einrichtung des militärhistorisch geprägten Studiengangs „War and Conflict Studies” (Krieg- und Konfliktstudien) auf die Kritik des Allgemeinen Studentischen Ausschusses (AStA) stieß. Der Studiengang wird in Kooperation mit der Bundeswehr angeboten. Der akademische Senat der Universität wies die Bedenken jedoch zurück und entschied mehrheitlich zugunsten des Programms.

 

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