„Unglaubliche Provokation“

Respektlosigkeit gegen das Naturschutzrecht in Brandenburg stoppen / NABU erhebt Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Landesförster

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08. März 2018, 05:00 Uhr

Um Holz leichter aus dem Wald holen zu können, macht der Landesforst aus Waldwegen Schotterpisten. Und das im Naturschutzgebiet. In den Augen des Nabu Brandenburg ein klarer Rechtsbruch und „eine unglaubliche Provokation“.

Mehr als drei Kilometer ist jene Schotterpiste lang, die neuerdings durch das zum Schlaubetal gehörende Naturschutzgebiet „Pinnower Läuche und Tauersche Eichen“ führt. Lauch kommt aus dem Sorbischen und heißt so viel wie Gras-Sumpf. Das Gebiet ist bekannt für seltene Tier- und Pflanzenarten sowie schöne Wanderwege. Es handelt sich um eine Endmoränenlandschaft, geprägt von Kesselmooren und eiszeitlichen Sandablagerungen sowie einem eingelagerten Flachsee.

Das Erscheinungsbild einiger Waldwege hat sich nun durch eine 60 Zentimeter dicke Schotterschicht stark gewandelt, um es neutral zu formulieren. Der Landesforstbetrieb hatte das so beantragt, um im Wald leichter Holz abbauen zu können. Gegen den Zulassungsbescheid der Unteren Naturschutzbehörde hat der Nabu Brandenburg Klage beim Verwaltungsgericht Cottbus erhoben. „Sie hat aufschiebende Wirkung, weshalb vor einer Entscheidung des Gerichts der Landesforstbetrieb nicht bauen darf“, sagt der Nabu-Vorsitzende Friedhelm Schmitz-Jersch.

Trotzdem hat der zuständige Landesförster Tatsachen geschaffen. „Das ist ein unverantwortlicher Rechtsbruch, eine unglaubliche Provokation nicht nur gegenüber uns, sondern auch gegenüber dem Gericht“, ärgert sich Schmitz-Jersch. „Förster dürfen nicht denken, dass der Wald ihnen gehört.“

Der Nabu hat beim Umweltministerium Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Förster eingelegt. Das soll es nicht gewesen sein. „Ein Anwalt prüft für uns, ob eine Strafanzeige und Klage auf Rückbau möglich sind“, betont der Nabu-Vorsitzende.
Landesweit würden Jahr für Jahr hunderte Kilometer Schotterpisten in Wäldern angelegt, „um mit 44 Tonnen schweren Lastwagen und Tempo 40 bei jeder Witterung Holz aus dem Wald holen zu können“. In einem Naturschutzgebiet sei das nicht hinnehmbar, findet der Nabu. „Hier ist zwar Holzwirtschaft erlaubt, aber sie muss behutsam erfolgen. Schutzgebiete sollen die Eigenart und Schönheit der Natur erhalten“, erklärt der Landes-Vorsitzende.

Das Ministerium hat den Eingang der Beschwerde bestätigt, will sich zu dem Fall aber nicht äußern.

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