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Ball gefolgt : Ungewollte Bahnfahrt nach Hamburg

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zehnjähriger Junge aus Hennigsdorf folgt seinem Ball bis in die Hansestadt

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Manche Sprichwörter bewahrheiten sich immer wieder. Der zehnjährige Johann Eger aus Hennigsdorf (Oberhavel) kann das anhand des Spruchs „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“ beweisen. Als er am Dienstag endlich am heimischen Tisch saß, hatte er eine weitaus längere Reise als geplant hinter sich.

Eigentlich war alles bestens vorbereitet. Mama und Papa hatten keine Bedenken, dass das pfiffige Bürschchen die Heimreise von den Großeltern in Erfurt nach Berlin allein antritt. Und bis Spandau ging auch alles gut. Sogar bis auf den Bahnsteig. Doch dort merkte Johann, dass er seinen Ball im Zug vergessen hatte. Also stellte er sein Köfferchen auf den Bahnsteig und stieg wieder ein. Doch ehe er den Ball gepackt hatte und wieder ausgestiegen war, hatte sich der ICE schon wieder in Bewegung gesetzt. Nächster Halt: Hamburg Hauptbahnhof.

Eigentlich wäre Johanns Mutter Barbara Eger pünktlich auf dem Bahnhof gewesen und hätte ihren Sohn vielleicht davon abhalten können, noch den Ball zu holen. Doch wie sich die unglücklichen Umstände manchmal verketten, war sie wegen der Handwerker in ihrem Pfarrhaus zu spät losgekommen. Auf dem Weg zum Bahnhof kam per Handy die Nachricht, dass Johanns Koffer in Spandau gelandet sei, der Sohn aber leider nicht. Dabei hatte Barbara Eger noch Glück: Herrenlose Koffer sorgen in diesen von Anschlägen geprägten Zeiten häufig für große Polizeieinsätze und gesperrte Bahnhöfe. Johanns Gepäck aber war bereits sicher bei der Bahnhofssecurity gelandet.

„Den Koffer haben wir schon. Ihr Kind sitzt im ICE nach Hamburg“, erfuhr die verdutzte Mutter. Sie hatte ihrem Sohn extra eingeschärft, in Spandau auszusteigen. Das hatte Johann auch getan. Wäre da nicht dieser Ball im ICE gewesen. Nach einem ersten kräftigen Schreck, bei dem der Junge auch ein paar Tränen vergossen haben soll, fühlte er sich umgeben von lauter tröstenden Mitreisenden schnell wohl, sehr wohl. Von den Erwachsenen rundherum wurde er nicht nur unterhalten, sondern auch mit Essen und Getränken versorgt, darunter auch Cola. „Die bekommt er bei uns zu Hause eher nicht“, fügt die Mutter hinzu.

Auch das Bahnpersonal habe sich vorbildlich um den blinden Passagier gekümmert. Es sorgte dafür, dass Johann in Hamburg in den nächsten Zug Richtung Hauptstadt gesetzt wurde. Der Junge machte es sich, so erzählt seine Mutter, in der 1. Klasse in einem Massagesessel bequem. Und damit die Taschengeld-Kasse nicht ins Minus gerät, wurde für die Rückfahrt auf der längst abgelaufenen Fahrkarte Erfurt-Berlin vermerkt: „Freifahrt. Wir bitten um Kulanz.“

 

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