Brandenburger Schlössergesellschaft : Ungewissheit für alte Gemäuer

Auch die weitere Nutzung des Barockschlosses Groß Rietz ist ungewiss.
Auch die weitere Nutzung des Barockschlosses Groß Rietz ist ungewiss.

Land verhandelt zur Zukunft der Schlössergesellschaft – alles bis zum Verkauf ist möglich

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15. März 2018, 05:00 Uhr

Im vergangenen Sommer verkündete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, dass sie sich aus der Brandenburgischen Schlössergesellschaft zurückziehen möchte. Seitdem laufen Verhandlungen mit dem Land. Bis Ende des Jahres will das Kulturministerium Einzelkonzepte für die Zukunft der Häuser erarbeiten.

Zehn Schlösser und Herrenhäuser hat die Gesellschaft in Brandenburg im Laufe der Zeit übernommen. Sieben davon sind weitgehend fertig restauriert, drei davon werden als Hotel genutzt. Für fünf weitere Schlösser laufen Sanierungsverträge mit den jeweiligen Kommunen, die als Eigentümer fungieren.

Ursprünglich hatte sich auch das Land finanziell an der Aufgabe beteiligt, stieg aber 2005 aus der hälftigen Finanzierung (2,5 Millionen Euro) aus. Seitdem ging es mit den Eigenmitteln der Stiftung nur noch schleppend voran. Aber: Alle Häuser sind vor dem Verfall gerettet worden.

Aktuell sendet die Landesregierung widersprüchliche Signale zur Zukunft der Schlösser aus. Finanzminister Christian Görke (Linke) erklärte, dass sein Haus bereit sei, sich wieder mit jährlichen Zuschüssen zu beteiligen. Die Summe soll schon im Entwurf des Doppelhaushaltes 2019/20 berücksichtigt worden sein. Görke hofft offenbar, dass damit die Arbeit der Gesellschaft, an der das Land immerhin fünf Prozent hält, fortgesetzt werden kann. Über weitere Fördergelder zur Sanierung einzelner Schlösser könne man reden.

Kulturministerin Martina Münch (SPD) geht indes davon aus, dass die Stiftung Denkmalschutz die Gesellschaft so oder so nicht fortsetzen will. Die Stiftung selbst äußert sich dazu nicht und verweist auf laufende Gespräche. Laut Münch wurde inzwischen eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die bis zum Ende des Jahres Konzepte für jedes einzelne Haus erstellen wird. Veräußerungen schließt die Ministerin nicht aus. Im Berliner Umland habe sich die Immobiliensituation verändert, hier könne man eventuell mit Interessenten rechnen. Ansonsten wäre es wünschenswert, wenn sich die Kommunen als Träger engagieren würden.

Ob heutige Nutzer, auch wenn sie das Vorkaufsrecht haben, die alten Gemäuer erwerben, steht in den Sternen. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen keine Angebote vor und entsprechend gibt es auch keine Äußerungen dazu.

Schloss Großkmehlen gehört zu den noch nicht fertiggestellten Häusern. Das prächtige dreigeschossige Renaissanceschloss liegt im äußersten Süden des Landes. Kersten Sickert, Amtsdirektor von Ortrand, zeigt sich trotz allem gelassen. Ihm wurde versichert, dass unfertige Häuser erst fertiggestellt werden. „Wir sind nicht von der Abstoßwelle betroffen“, formuliert er.

Der erste Stock des Schlosses ist bereits fertig und wird von der Gemeinde, einer Schule, einer Restaurierungsfirma und der Musikschule genutzt. Bis die oberen zwei Stockwerke fertig sind, wird es dauern. Wie die Nutzung aussehen wird, ist noch unklar. Das Amt Ortrand will sie jedenfalls nicht übernehmen, sagt der Amtsdirektor. „Dann wären wir morgen pleite!“, formuliert er. Beim Landkreis Oberspreewald-Lausitz sehe das nicht anders aus.

Immerhin scheint es in der Lausitz schon Gespräche gegeben zu haben. In Groß Rietz (Oder-Spree) offenbar nicht. Olaf Klempert, Bürgermeister von Rietz-Neuendorf, wurde bislang nicht in eventuelle Überlegungen einbezogen. Auch Landrat Rolf Lindemann (SPD) zeigt sich pikiert. Der Kreis reagiere sensibel, wenn es um die Erhaltung des Kulturerbes in Groß Rietz oder in Steinhöfel (das ebenfalls zur Schlössergesellschaft gehört) gehe, hieß es in einer Stellungnahme. Der Landrat erwartet, auf jeden Fall eingebunden zu werden, wenn es um die Zukunft der beiden Schlösser geht.

Bürgermeister Klempert verweist darauf, dass die Gemeinde, als sie das Gebäude an die Schlössergesellschaft verkaufte, eine öffentliche Nutzung des Parks und von Teilen des Gebäudes festgeschrieben hat. Das stehe so im Vertrag. Mit der jetzigen Nutzerin sei man nicht zufrieden, sagt der Bürgermeister, da sie nur selten die Türen des Hauses öffne. Klempert hätte gern im Erdgeschoss einen Saal als Trauzimmer genutzt, eine gastronomische Nutzung oder zumindest Ausstellungen wären wünschenswert. Er könnte sich auch vorstellen, dass die Ersatzmaßnahmen für die Errichtung von Windparks nicht in den Naturschutz, sondern in eine kleine Kulturstiftung fließen. Auf jeden Fall sollte das Barockschloss nicht einfach verkauft und die Türen dicht gemacht werden.

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