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Spreewald-Destille : Und plötzlich Brennmeister

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eigentlich wollten Bastian Heuser und seine Kompagnons nur ein Fass Whisky kaufen und kamen mit einer Brennerei nach Hause.

Die Geschichte beginnt mit einem Fass – keinem bestimmten, aber einem Fass Whisky. Das wollten sie kaufen – und zwar für die Weihnachtsfeier, die sie damals für einen ihrer Kunden planten. Die Männer hatten schon eine ganz bestimmte Destille in der Uckermark im Sinn. Doch dort bekamen sie ihr Fass Whisky dann doch nicht – dafür aber einen guten Tipp von der Chefin. Und der führte die drei Berliner schließlich nach Schlepzig in den Unterspreewald.

In dem malerischen Dorf hatte der gebürtige Bremer Torsten Römer gleich nach der Wende ein neues Zuhause gefunden. Eigentlich war der ehemalige Arzt auf der Suche nach einem Ferienhaus, doch dann verliebte er sich in einen traditionsreichen Gasthof und kaufte das einigermaßen heruntergekommene Gebäude. Römer ließ den Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ restaurieren – und um ein eigenes Brauhaus samt Brenngerät erweitern, denn er wollte seinen Gästen auch selbst gemachte Biere und Obstbrände anbieten.

Seine Produkte kamen bei der Kundschaft gut an, und irgendwann stand die Idee im Raum, auch einen Whisky herzustellen. Nur ein paar Schritte von seinem Gasthaus entfernt, hatte Römer noch einen alten Bauernhof gekauft, den er nun ebenfalls aufwendig sanieren ließ. Dort hatte er genug Platz, um sich ein neues Brennhaus mit einem leistungsfähigeren Destillator einzurichten, seine großen Fässer zu lagern und seine erlesenen Destillate abgefüllt in Flaschen im eigenen Hofladen samt Verkostungstisch anzubieten.

„Wir haben uns auf Anhieb in den fantastischen Hof verliebt“, erinnert sich Bastian Heuser, einer der drei Berliner, deren Suche nach einem Fass Whisky bei Römer endete. Der Spreewald-Wirt – inzwischen im Rentenalter – hatte sein Gasthaus zu jener Zeit bereits verkauft und sich gänzlich auf seinen Brenne-reihof zurückgezogen. „Bei dem Treffen hat er uns gesagt, dass er auch seine Brennerei verkaufen will. Ob wir nicht jemanden wüssten, der interessiert sein könnte. Kurzum: Wir wollten eigentlich ein Fass Whisky kaufen und kamen mit einer ganzen Destille nach Hause.“

Heuser und seine beiden Kompagnons hatten schon länger mit der Idee von einer eigenen Spirituosen-Manufaktur geliebäugelt. Die Männer sind vom Fach. Steffen Lohr, früher Barkeeper, arbeitete jahrelang als Markenbotschafter für den Spirituosenhersteller Bacardi, bevor er sich gemeinsam mit Heuser und Sebastian Brack mit der Agentur „Small Big Brands“ selbstständig machte. Brack wiederum erfand die Bitterlimonadenmarke „Thomas Henry“ und ist Mitgründer von „Belsazar“-Vermouth. Heuser als Dritter im Bunde war früher ebenfalls Barkeeper und ist einer der Mitgründer des „Bar Convent Berlin“, der europäischen Leitmesse für die Bar- und Getränkeindustrie.

Die schicksalhafte Begegnung mit Römer ist jetzt über anderthalb Jahre her und die Manufaktur seit gut acht Monaten in der Hand der Spreewood Distillers. Über den Kaufpreis will Heuser nichts sagen. Er erzählt aber, dass das Trio bisher eine größere sechsstellige Summe in den Umbau der Anlage gesteckt hat. Unter anderem haben die Mittvierziger das dazugehörige Café komplett neu eingerichtet. Und sie wollen weiterhin investieren, um die Produktionsmengen deutlich zu erhöhen. Dafür soll zum Beispiel die von Römer übernommene 650-Liter-Brennblase um eine 1000 Liter fassende ergänzt werden.

Inzwischen hat das Trio auch eine eigene Whisky-Marke namens Stork Club auf den Weg gebracht, die einen Single Malt aus Gerstenmalz und einen Straight Rye Whiskey aus Roggen und Roggenmalz umfasst. Das nötige Getreide wächst quasi direkt vor der Haustür – auf Brandenburger Feldern. „Sogar amerikanische Produzenten vertrauen auf die Qualität des märkischen Roggens“, erzählt Bastian Heuser.

Was die Lagerung des edlen Tropfens angeht, vertrauen die neuen Brennerei-Inhaber wiederum voll und ganz auf das gute Händchen von Vorbesitzer Torsten Römer, von dem sie 200 Eichenfässer übernommen haben. Römer hatte vor allem auf gebrauchte Barriques geschworen, die sich bereits mit dem Aroma eines deutschen Qualitäts-Weißweins vollgesaugt haben. Der Erfolg gab ihm recht. 2010 wurde sein Whisky international durch „Jim Murray’s Whisky Bible“ mit stolzen 94 Punkten von möglichen 100 prämiert. Seine Nachfolger probieren jetzt aus, ob sich die Reifung in Bourbon- und Sherry-Fässern ebenso bewährt.

Seit Neuestem brennt das Trio auch Rum unter dem Namen „Butterbird“ – ein altes englisches Wort für Schmetterling und auf Jamaika eine umgangssprachliche Bezeichnung für dieses Getränk. Römer hatte dem Trio einen gewaltigen Vorrat an Zuckerrohrmelasse überlassen, die den Grundstein ihrer Produktion bildet. Die besteht aus dem sogenannten Weißling, einem ungelagerten Rum, der fruchtig-frisch schmeckt und sich deshalb gut für Cocktails wie Daiquiri eignet, wie Heuser empfiehlt. Der Feuerfalter hingegen ist ein gereifter, brauner Rum – und „geblendet“. Bei dieser traditionellen Methode werden verschiedene Sorten miteinander vermengt. „Im Fall des Feuerfalters wird der Weißling mit einer Auswahl an karibischen Rums kombiniert, die noch im Keller der Brennerei lagerten und damit eine mindestens dreijährige Reifezeit vorweisen können.“  

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erstellt am 20.Jun.2017 | 05:00 Uhr

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