Thermobecher statt Einweg-Pappe : Umweltbewusst Kaffee trinken

Franziska Malinowski von der Bäckerei Wiese mit einem Mehrweg-Becher.
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Franziska Malinowski von der Bäckerei Wiese mit einem Mehrweg-Becher.

Statt mit Papp-Bechern für den „Kaffee to go“ Müll zu produzieren, sollen die Eberswalder aus Mehrweggefäßen mit Pfand trinken

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03. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Zahl klingt beeindruckend: In den beiden Mensen der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) werden jährlich etwa 50 000 Wegwerf-Pappbecher mit Kaffee gefüllt, die nach dem Austrinken im Müll landen. Für eine Hochschule, die sich als umweltorientiert und grün bezeichnet, ist das ein echter Minuspunkt, dachte sich der HNE-Klimamanager Henning Golüke. Im Juni 2017 initiierte er deshalb das in Brandenburg bisher einmalige Projekt „Nachfüllbar Eberswalde“ (Barnim).

Das Prinzip ist einfach: Statt Pappbecher gibt es nunmehr Mehrweggefäße aus
Bioplastik, die industriell kompostierbar sind. „Du bezahlst 2,50 Euro Pfand für den Becher, kannst ihn nach dem Benutzen wieder abgeben und bekommst das Geld zurück“, erklärt Golüke.

Um der Bequemlichkeit der potenziellen Nutzer entgegen zu kommen, sollen die Pfandbecher nicht nur in den beiden HNE-Mensen, sondern auch in Eberswalder Geschäften erhältlich sein und zurückgenommen werden. „Je mehr mitmachen, desto komfortabler“, sagt der Hochschulklimamanager. Doch bisher sind es nicht einmal eine Handvoll Läden, die sich beteiligen.

Zu den ersten Mitstreitern in Eberswalde gehörte die Bäckerei Wiese in unmittelbarer Nähe der Hochschule. Der Mehrwegbecher mit dem Hinweis „Nachfüllbar Eberswalde“ steht nebst einiger Erläuterungen gut sichtbar auf dem Tresen. Doch nur wenige Kaffeetrinker nutzen das Angebot. Meist sind das Studenten, hat Verkäuferin Franziska Malinowski beobachtet.

„Wir haben bisher keinen großen Abverkauf unter den Eberswaldern“, sagt die junge Frau, die selbst das Projekt sinnvoll findet und mitmacht. Zumal jeder seinen Becher noch mit einem farbigen Silikon-Deckel und einer Filz-Manschette individuell aufpimpen kann. Beides kostet jeweils 1,50 Euro und ist nicht Teil des Pfandsystems.

Zu Beginn des Projektes habe es unter der Bäckerei-Kundschaft schon Neugierde gegeben und sie habe viel erklären müssen, sagt Malinowski. „Inzwischen kennen die Eberswalder das Projekt, wollen es aber nicht nutzen. Viele haben ihre eigene Tasse, meist aus Porzellan, die sie mitbringen. Andere trinken den Kaffee gleich hier im Laden und nicht unterwegs auf der Straße“, sagt die Bäckereiverkäuferin.

Die Initiative sei sinnvoll, meint ein junger Mann, der vor dem Tresen in der Schlange steht und interessiert den Aufsteller liest. „Zum Kaffeetrinken sollte man sich Zeit nehmen, um zu genießen. Und nicht quasi im Vorbeigehen in sich hinein kippen“, mahnt hingegen eine ältere Frau hinter ihm.

Der HNE-Klimamanager will trotz der bisher dürftigen Resonanz nicht aufgeben. „Wir müssen von umweltbewussten Überzeugungsträgern, die mit gutem Beispiel vorangegangen sind, zu einer breiten Nutzung in der Stadt kommen“, sagt Golüke.

Insgesamt 1000 Pfandbecher sind nach seinen Angaben in Eberswalde inzwischen im Umlauf, für die Barnim-Kreisstadt mit immerhin rund 40 000 Einwohnern viel zu wenig. „Am besten wäre es, wenn es gar keine Wegwerf-Becher mehr gäbe, ähnlich den Plastik-Tüten, oder wenn für ihre Nutzung eine Gebühr erhoben würde“, meint Golüke.

An der Nutzung von Mehrwegbechern für den „Kaffee to go“ hat auch das Studentenwerk Frankfurt (Oder) Interesse, dass die Mensen in Eberwalde, Frankfurt (Oder) und Cottbus betreibt. „Ob das Pfandsystem dafür aber der richtige Weg ist, wissen wir momentan nicht“, sagt Geschäftsführerin Monique Möbus-Zweig.

Um das Problem zu analysieren, bevor Mehrwegbecher auch in den Mensen in Cottbus und Frankfurt(Oder) Einzug halten, will das Studentenwerk Statistiken erstellen: Wie viele Pappbecher werden tatsächlich benutzt? Wohin gelangen sie nach dem Austrinken? Werden „normale“ Tassen einfach aus der Mensa mitgenommen und auch wieder zurück gebracht? Gibt es da ein spezielles Klientel? „Wir sehen uns als Partner der Hochschule und wollen da schon unterstützen, auch den Mehrwegbecher mehr bewerben“, sagt die Studentenwerk-Chefin.

Der HNE-Klima-Manager, der zugibt, „gewisse Hürden unterschätzt zu haben“, wünscht sich mehr Partner für den Mehrweg-Pfandbecher in der Stadt und auch mehr Unterstützung aus dem Rathaus. Die Stadtverwaltung habe ein Interesse daran, dass sich Eberswalde als grüne Kommune beweise, das Projekt deshalb mit 850 Euro gefördert und Unterstützung beim Finden weiterer Partner angeboten, sagt Stadtsprecherin Nancy Kersten. „Um die Nutzung der Pfandbecher zu verbessern, müssten sie optisch aufgepeppt werden. Das Design sollte mit Eberswalde in Verbindung stehen - mit einem Eber wie im Stadtwappen oder einer Silhouette der Stadt“, regt sie an.

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