Falsche Warnungen : Typisches Internet-Phänomen

Sinnvoll: Die Warnungen vor falschen Kontrolleuren sind übertrieben, der Einbau von Rauchmeldern keineswegs.
Sinnvoll: Die Warnungen vor falschen Kontrolleuren sind übertrieben, der Einbau von Rauchmeldern keineswegs.

Per E-Mail und WhatsApp kursieren in Brandenburg Warnungen vor falschen Rauchmelder-Kontrolleuren / Polizei ist kein Fall bekannt

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20. Januar 2016, 17:56 Uhr

Per E-Mail und WhatsApp kursieren derzeit auch in Brandenburg Warnungen vor falschen Rauchmelder-Kontrolleuren. „Sie wollen sich Zutritt in die Wohnungen verschaffen“, heißt es in den verbreiteten Nachrichten unter Berufung auf die Feuerwehr. „Nicht reinlassen! Es handelt sich um eine organisierte Verbrecherbande. Bitte gebt die Info weiter.“ Genau das haben in den vergangenen Tagen offenbar zigtausende Bürger gemacht – und zwar ohne konkreten Grund.

Der Brandenburger Polizei sei bislang kein Fall bekannt, in dem falsche Kontrolleure versucht hätten, sich mit Verweis auf eine angeblich seit Januar geltende Rauchmelderpflicht Zugang zu Wohnungen zu verschaffen, hieß es gestern auf Nachfrage. Stattdessen handelt es sich wohl um übertriebene Panikmache und ein typisches Internet-Phänomen, dass nämlich Neuigkeiten bereitwillig aufgegriffen und ungeprüft weiterverbreitet werden. Immerhin: Im Juni 2015 sollen Diebe in Lüneburg nach Angaben der dortigen Polizei mit der Masche tatsächlich einmal erfolgreich gewesen sein und eine 84-Jährige um Bankunterlagen und Schmuck erleichtert haben. Aus Bremen ist sogar ein aktueller Fall überliefert.

Aber deshalb bundesweit Alarm zu schlagen, nervt zum Beispiel die Polizei im baden-württembergischen Aalen. „Jeder teilt, jeder warnt, aber keiner weiß, wo tatsächlich etwas passiert ist“, klagen die Beamten in einer Mitteilung.

Hintergrund für das Sendungsbewusstsein vieler Bürger dürfte auch die eigene Unsicherheit rund um das Thema Rauchmelder sein.


Erst ab 2020 für bestehende Wohnungen


Während sie in einigen Bundesländern längst Pflicht sind, sind sie anderswo seit Januar obligatorisch, in Brandenburg voraussichtlich ab Juli. Und zwar zunächst nur für neue Häuser, ab 2020 dann auch für bestehende Wohnungen.

In Berlin gibt es noch keinen Zeitplan für die Einführung. Bei einem Neubau liegt die Verantwortung beim Bauherren. In bestehenden Wohnungen ist der Eigentümer, also der Vermieter, verantwortlich, nicht der Mieter. Bußgelder drohen im Falle eines Verstoßes gegen die Rauchmelderpflicht nicht. Und auch die Befürchtung, dass die Versicherung ohne Melder im Brandfall die Leistung kürzt, ist offenbar unbegründet.

Ein Rauchmelder solle in erster Linie Leben retten und keine Sachwerte schützen, sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Auch wird in der Regel nicht überprüft, ob in Privatwohnungen Rauchmelder installiert wurden: „Kontrollen sind derzeit nicht geplant“, sagt Hermann Schreck, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes.

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