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Geschäftsidee aus Frankfurt (Oder) : Trinkwasser selbst gemacht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Adam Jakubik entwickelt eine Aufbereitungsanlage für den Hausgebrauch, sozusagen im Taschen- und Kofferformat.

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Adam Jakubik hat einen Traum. Er will ein kleines Gerät produzieren, mit dem jedermann im Krisenfall Wasser ohne großen Aufwand in Trinkwasser verwandeln kann. Keine Anlage für Tausende Menschen, sondern um eine Familie zu versorgen. Sozusagen eine Wasseraufbereitungsanlage im Taschen- oder Kofferformat. Diese soll ohne zusätzliche Energiezufuhr funktionieren, rein mechanisch betrieben werden. „Weil man davon ausgehen muss, dass in Krisensituationen auch die Energieversorgung nicht funktioniert“, sagt Adam Jakubik. „Sie gehen an einen Fluss oder einen See, pumpen das Wasser ins Gerät, welches es mechanisch aufbereitet. Etwa 30 Liter Trinkwasser gewinnen Sie pro Tag.“

Um sich diesen Lebenstraum erfüllen zu können, hat Adam Jakubik vor dreieinhalb Jahren sein Unternehmen Wasserfilter Germany in Frankfurt gegründet. Über dieses verkauft er Wasserfilter für viele Einsatzbereiche – von Gesundheitswesen bis Haushalt – in alle Welt. Den Großteil der Geräte lässt er exklusiv für seine Marke produzieren. Und der Gewinn, den er mit seinem Unternehmen erzielt, soll ihm vor allem bei der Realisierung seines großen Projektes helfen. Denn: „Das alles kostet Geld, sehr viel Geld. Deshalb habe ich mich selbstständig gemacht.“

Die Entwicklung der Wasseraufbereitungsanlage für den Hausgebrauch ist bereits weit fortgeschritten. „Bis Ende dieses Jahres will ich die Produktionsreife erreicht haben“, erklärt Adam Jakubik. „Produzieren möchte ich das Gerät dann in Frankfurt, in einer eigenen Produktionshalle, die ich 2018/2019 aufbauen will.“ Finanzieren möchte er sie mit Hilfe einer Förderung aus dem Interreg-Va-Programm der EU für deutsch-polnische Projekte.

Die aktuelle Förderperiode endet bereits 2020. Das für die Förderung nötige Eigenkapital will er mit seiner jetzigen Firma erarbeiten. An der Umsetzung seiner Idee arbeitet Adam Jakubik bereits seit mehreren Jahren. Im polnischen Gorzów geboren, war der studierte Wirtschaftsjurist, der aus einer schlesischen Familie stammt, in den 1980er-Jahren als Spätaussiedler in die BRD ausgewandert, nach Hessen. Dort hat er für verschiedene Industriebetriebe gearbeitet, abends und nachts studiert und den Abschluss als Industriekaufmann gemacht.

Ende der 1990er-Jahre ging er in die USA, um dort für einen großen Hersteller von Wasserfilteranlagen zu arbeiten. Nach vier Jahren kam er zurück und baute für seinen amerikanischen Arbeitgeber im polnischen Lodz eine Fabrik auf, die heute 400 Mitarbeiter hat. Dort hätte er bis zum Ruhestand weiterarbeiten können.

„Ich habe wirklich gut verdient“, sagt er. Doch seinen Traum hätte er in ŁLodz nicht verwirklichen können. „Ich hatte mein Projekt dort begonnen und fast zu Ende entwickelt, aber mein Arbeitgeber stoppte die Entwicklung. Sein Argument: Es kommen keine Krisenzeiten, so ein Gerät lässt sich nicht vermarkten.“ Der heute 60-Jährige war und ist aber von seinem Projekt überzeugt. „Ich habe überlegt: Was kann ich machen, um es trotzdem zu realisieren?“

Der Schritt in die Selbstständigkeit fiel ihm nicht schwer. „Ich musste immer selbstständig arbeiten, denken und entscheiden“, erklärt Adam Jakubik. In seinem Unternehmen Wasserfilter Germany macht er auch alles selbst – den Verkauf, die Organisation, alles. Herstellen lässt er die Produkte seiner eigenen Marke in Polen, versandt werden sie von Frankfurt aus. Bis Anfang März bringt er drei neue Haushaltswasserfilter auf den Markt.

Für Frankfurt als Standort hat er sich 2013 wegen der Grenznähe und der möglichen EU-Förderung entschieden. Und weil die Produktionsstätten und Lager in Polen von hier aus gut zu erreichen sind. Außerdem kennt er die Stadt seit den 1970er-Jahren: „Meine erste große Liebe hat hier gelebt“, verrät er. Dieser ersten Liebe ist die Liebe zu seiner jetzigen Frau, mit der er seit mehr als 30 Jahren verheiratet ist und zwei Söhne hat, gefolgt. Seine Familie lebt in Hessen, er hat eine Wohnung in Frankfurt. „Wir haben uns immer nur selten gesehen“, sagt er, „vielleicht sind wir deshalb so glücklich.“

 

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