Wahlsdorf : Trick: Dörfler wohnen nur noch in einer Straße

Die alten Straßennamen in Wahlsdorf (Teltow-Fläming) sind durchgestrichen. Neue Schilder weisen den Weg zu den nummerierten Häusern.
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Die alten Straßennamen in Wahlsdorf (Teltow-Fläming) sind durchgestrichen. Neue Schilder weisen den Weg zu den nummerierten Häusern.

Indem die Wahlsdorfer alle Straßennamen opfern, retten sie den Namen des Ortes vor dem Verschwinden

svz.de von
30. März 2016, 05:00 Uhr

Im 330-Einwohner-Ort Wahlsdorf (Teltow-Fläming) gibt es künftig nur noch einen Straßennamen. Im Sommer werde eine Übergangsfrist auslaufen, berichtete der parteilose Ortsvorsteher Thomas März. Statt rund einem Dutzend Bezeichnungen für Straßen und Wege wird es dann nur noch eine einzige geben: Wahlsdorf. Die Adressen der Menschen unterscheiden sich von da an lediglich durch die Hausnummer. Was sie damit bezwecken? Indem die Wahlsdorfer alle Straßennamen opfern, retten sie den Namen des Ortes vor dem Verschwinden. „Wir haben die Flucht nach vorn angetreten“, sagte Thomas März. Wahlsdorf bekam mit der Eingemeindung im Jahr 2003 die neue Postleitzahl 15936 und sollte dann auch den Ortsnamen Dahme/Mark übernehmen. „Unser Heimatort wäre dann verschwunden“, sagt Ortsvorsteher März.

Wahlsdorf ist aber bei Touristen bekannt, weil es direkt an der Teltow-Fläming-Skate-Route liegt. Zudem waren einige Straßenbezeichnungen im Amtsbereich doppelt vorhanden – wie „Dorfstraße“ oder „Hauptstraße“. Experten etwa beim Städte- und Gemeindebund warnen, dass solche Dopplungen Notärzten das Leben schwer machen und entscheidende Augenblicke kosten können.

Die Einwohner entschieden sich in einer Befragung mehrheitlich kurz und knapp: „Wahlsdorf“ bleibt als neuer und einziger Straßenname. „Und alle Häuser wurden neu durchnummeriert: Von 1 bis zur 136“, sagt März.

Doch warum verging seit 2003 so viel Zeit, bis die Dörfler handeln mussten? Die Eingemeindung konnte lange nicht in Kraft treten, weil ein Bürger gegen den Schritt geklagt hatte. Dann starb er. Offiziell wurde die Eingemeindung zu Beginn des vorigen Jahres abgeschlossen.

Inzwischen läuft die Übergangszeit. „In allen Sortierprogrammen der bundesweit 82 Briefzentren der Deutschen Post sind die neuen Adressen bereits hinterlegt“, erläutert eine Post-Sprecherin. Etwa einige Hundert derartige Änderungen durch Eingemeindungen müssen pro Jahr bei der Post erfasst werden.

Nach Angaben des Ortsvorstehers kommt bereits 90 Prozent der Post mit richtiger Anschrift an. „Nutzt ein Briefeschreiber die alte Anschrift, dauert es in der Regel jedoch eine Woche länger“, sagt er.

Auch die meisten Navigationsgeräte lassen sich nicht beirren. In Wahlsdorf gab es einst etwa zehn Straßen. Die Schilder mit den alten Bezeichnungen – jedoch groß durchgestrichen – hängen noch an den Straßenmasten. Darunter sind die neuen mit der Aufschrift „Wahlsdorf“ befestigt. Die alten werden im Sommer abmontiert, sagt März. Die Kosten für die Schilder hat die Kommune Dahme/Mark übernommen.

März denkt schon an die nächste Verwaltungs- und Strukturreform. „Dann könnten sich weitere Änderungen ergeben“, meint er.

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