„Wir wollen es gleichstellen“ : Traugottesdienste auch für gleichgeschlechtliche Paare in Planung

Ein männliches Paar leuchtet jetzt auf einer der neuen Ampel bei grün.
Foto:
Ein männliches Paar leuchtet jetzt auf einer der neuen Ampel bei grün.

Ein Gespräch mit Propst Christian Stäblein.

von
27. März 2016, 10:00 Uhr

Die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz plant die Einführung von Traugottesdiensten in für gleichgeschlechtliche Paare. Benjamin Lassiwe sprach dazu mit Propst Christian Stäblein.

Propst Stäblein, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) will die Trauung für gleichgeschlechtliche Paare einführen. Was ist Ihr Ziel?
Wir wollen das gleichstellen, was wir gleichstellen können: Den Segenszuspruch für Menschen, die ihr Leben als Paar dauerhaft, verlässlich und in Verantwortung unter Gottes Segen stellen wollen – unabhängig davon, welchen Geschlechts sie sind.
Seit 2002 gibt es in der EKBO bereits die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Was wird sich künftig ändern?
Wenn die Landessynode den Antrag beschließen sollte, wird es künftig einen Traugottesdienst geben, auch für eingetragene Lebenspartnerschaften. In seinem Ablauf wird er so aussehen wie ein Gottesdienst zur Eheschließung zwischen Mann und Frau. Das heißt, es wird auch eine Art „Hochzeitsfrage“ geben, sinngemäß etwa: „Willst Du mit diesem Partner, den Gott dir anvertraut, dein ganzes Leben unter Gottes Segen stellen?“. Es wird den Ringtausch geben. Und der Gottesdienst wird durch eine Eintragung ins Kirchenbuch dokumentiert.
Was hat sich seit 2002 denn inhaltlich geändert, dass es nun diese Neuregelung gibt?
Wir haben unser Bibelverständnis an diesem Punkt weiter entwickelt. Wir haben in der Kirche darum gerungen. Theologisch gibt es keine neuen Einsichten, die es 2002 nicht auch schon gegeben hätte. Aber die Übereinstimmung derer, die zur Einführung der Trauung bereit sind, ist gewachsen.
Es gibt Gemeinden, die das nicht akzeptieren. Wie gehen Sie damit um?
Es soll die Möglichkeit geben, von der Regel des Traugottesdienstes für eingetragene Paare eine Ausnahme zu machen. Eine Ausnahme, die Pfarrerinnen und Pfarrer, aber auch die Gemeindekirchenräte als die theologisch für den Gottesdienst Mitverantwortlichen, für sich bei einem solchen Anlass in Anspruch nehmen können. Niemand soll gegen sein Gewissen bzw. seine theologische Überzeugung gezwungen werden, so einen Gottesdienst zu feiern – in diesem Fall würde die Trauung dann in einer anderen Gemeinde durchgeführt.
Was passiert mit Gemeinden, die keine Traugottesdienste feiern wollen?
Die nehmen die Ausnahme für sich in Anspruch, und wir nehmen das als Landeskirche zur Kenntnis. Mehr passiert da nicht.
Tritt die EKBO auch für die Einführung der staatlichen Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ein?
Wir konzentrieren uns auf das, wofür wir zuständig sind. Und das ist in diesem Fall der Traugottesdienst. Und wir stellen das gleich, was wir gleichstellen können, nämlich die Gottesdienste für Ehe und Lebenspartnerschaften. Darüber zu beraten, wie der Staat in Zukunft Lebenspartnerschaften und Ehen rechtlich stellt, ist nicht unsere Aufgabe. Wir werden an dieser Stelle von uns aus jetzt keine Initiative für eine staatliche, rechtliche Veränderung vornehmen.
Dennoch geht von dem geplanten Synodenbeschluss ja ein Signal aus.
Und zu dem Signal, dass wir das regeln wollen, was wir regeln können, stehen wir auch.
Als skandinavische Kirchen entsprechende Traugottesdienste eingeführt haben, hat sich die russisch-orthodoxe Kirche aus der Ökumene mit diesen Kirchen zurückgezogen. Befürchten Sie so etwas auch hierzulande?
Mir ist die Ökumene sehr wichtig. Gleichzeitig gilt auch, dass wir an dieser Stelle das, was wir theologisch für richtig und gut begründet halten, vornehmen – und dann in der Ökumene darum ringen, so wie wir ja auch in der Vielstimmigkeit unserer Kirche nach innen darum ringen. Ich rechne aber nicht damit, dass es nennenswerte ökumenische Verstimmungen geben wird.
Danke für dieses Gespräch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen