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Karneval in Brandenburg : Trainieren statt zu feiern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

„Funkenmariechen“ müssen sehr hart trainieren, um zu den besten akrobatischen Tänzerinnen zu gehören

svz.de von
erstellt am 30.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Sprünge, Pirouetten und Spagat in atemberaubendem Tempo - wer Pauline Blankenburg beobachtet, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die 14-Jährige aus Fredersdorf (Märkisch-Oderland) dreht und verbiegt sich mit einer Leichtigkeit, als wäre sie im Zirkus groß geworden. Doch das hübsche Mädchen trägt die glitzernde weiß-rote Uniform des Funkenmariechens, inklusive des dreieckigen, mit Federn besetzten Hutes auf dem zu Zöpfen geflochtenen dunkelblonden Haar.

„Mit Karneval hat das allerdings nichts zu tun“, sagt Mutter Sandra Blankenburg. Es sei klassischer Leistungssport. Ihre Tochter betreibe karnevalistischen Tanzsport, so wie Dutzende andere Mädchen der Märkischen Tanzsportgemeinschaft Strausberg (Märkisch-Oderland), zu der kein Karnevalsverein gehört. Das Besondere an Pauline ist allerdings, dass sie besonders gut ist.

Gerade erst wurde die Gymnasiastin zum dritten Mal in Folge Berlin-Brandenburger Landesmeisterin der Junioren (Altersklasse 11 bis 15 Jahre). „Das Mädchen ist absolute Spitze, konkurrenzlos“, lobt Turniersprecher Matthias Luttmer, Mitglied des Eggersdorfer Karnevalsclubs, der die Meisterschaft in diesem Jahr ausrichtete. Die 14-Jährige habe das gewisse Etwas und gehöre einfach auf die Bühne.

Was auf Brandenburg und Berlin zutrifft, sieht im deutschlandweiten Vergleich etwas anders aus. Bei den norddeutschen Meisterschaften am 18. und 19. März in Hannover muss sich Pauline mit den besten Funkenmariechen aus den Karnevals-Hochburgen rund um Köln und Düsseldorf messen. „Und die sind richtig gut“, sagt die Brandenburgerin anerkennend. Zweimal war sie bereits dabei, doch nur die besten sechs Teilnehmerinnen dürfen weiter zur Deutschen Meisterschaft - Paulines großes Ziel. Bisher war sie nur als Zuschauerin dabei.

„Die Deutsche Meisterin erzielte 454 Punkte, meine Punktzahl lag bei der Landesmeisterschaft bei 438“, erzählt sie. „Das hört sich nicht nach einem großen Unterschied an, aber dazwischen liegen Welten.“ Die 14-Jährige bezeichnet sich selbst als sehr ehrgeizig. „Ich muss mich zum Training nicht zwingen, es macht mir einfach Spaß und ist mein Ausgleich zur Büffelei in der Schule.“ Ein großer Pluspunkt ist ihrer Mutter zufolge, dass die Tochter kein Lampenfieber kenne und Ausstrahlung besitze.

Angefangen mit dieser besonderen Sportart hat Pauline vor gut sieben Jahren. „Ich habe diese Mischung aus Tanz und Akrobatik im Fernsehen geschaut und wollte so etwas auch können“, erinnert sie sich. Die damalige Trainerin der Märkischen Tanzsportgemeinschaft erkannte das Talent des extrem beweglichen Mädchens schnell und förderte es als Solotänzerin.

Inzwischen trainiert sich Pauline selbst, schreibt eigene Choreographien. Gut zwei Minuten lang tanzt, springt und dreht sie sich zu taktbetonter, klassischer Musik. Meist wählt sie Kompositionen von Johann Strauss für ihre Auftritte aus.

Wenn sie vor großen Spiegeln in der Sporthalle trainiert, ist Pauline sehr selbstkritisch. Wenn auch nur der kleine Zeh beim Sprung nicht gestreckt ist oder beim Lächeln die Zähne zwischen den knallrot geschminkten Lippen nicht zu sehen sind, setzt sie erneut an. Denn dazu ist Pauline wettkampferfahren genug. Sie weiss genau, wofür es von der Jury Punktabzug gibt.

Einmal in der Woche trainiert der Teenager eine Fünfjährige, die ebenfalls Funkenmariechen werden will. Zudem ist die 14-Jährige Co-Trainerin bei der Junioren-Funkengarde des Strausberger Vereins.

Paulines Berufswunsch: Sie möchte Lehrerin für Sport und Mathe werden. „Wenn ich mit einer Horde von 14 kleinen Gardemädchen fertigwerde, schaffe ich es später auch als Lehrerin“, meint sie.

Neben dem Sport stehen bei ihr Naturwissenschaften hoch im Kurs. Bis sie 23 Jahre alt ist, möchte Pauline weiter als Funkenmädchen Turniere bestreiten. „Dann habe ich zehn Landesmeistertitel und drei Wanderpokale errungen“, hat sie sich genau ausgerechnet.

Zunächst zeigt sie ihr Können zum wiederholten Mal im RBB-Fernsehen: Für die traditionelle Karnevalssendung „Heut' steppt der Adler“ stand sie an diesem Wochenende vor der Kamera. Ausgestrahlt wird die Sendung am 26. Februar anlässlich des Karnevalsumzugs in Cottbus.  

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