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Brandenburg

16. Dezember 2017 | 02:46 Uhr

Bombodrom : Totempfähle des Friedens

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vor 25 Jahren ist die Bürgerinitiative „Freie Heide“ gegründet worden. Ausstellung in Zempow erinnert an Mahnsäulen der Proteste.

svz.de von
erstellt am 26.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Sie hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Und sie hat Geschichte geschrieben. Die Bürgerinitiative „Freie Heide“, die vor genau einem Vierteljahrhundert gegründet wurde, trug durch ihren langjährigen Kampf dazu bei, dass der Bund auf den Bombodrom genannten Truppenübungsplatz verzichtet hat.

Der Zempower Verein Friedensscheune hält die Erinnerung an die Bürgerbewegung wach. Der 25. Geburtstag war daher Anlass für etwas Besonderes: eine erste Ausstellung über die Bürgerbewegung in der Zempower Friedensscheune.

In den Mittelpunkt hat Kuratorin Ulrike Laubenthal die Mahnsäulen gestellt. „Sie sind programmatisch“, sagt sie. Buchstäblich herausragend, aus dem Erdboden nämlich, sind sie einerseits Sinnbild für die Anstrengungen, der Friedensbewegung unermüdlich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Andererseits stehen sie auch für die drohende Vergänglichkeit des Erinnerns. Denn viele Säulen sind verfallen oder sogar zerstört worden.

Das Verschwinden droht auch den noch stehenden Stelen. Dass sie erhalten bleiben müssen, ist für Ulrike Laubenthal selbstverständlich: „Die Leute wollen etwas über die Geschichte der Bewegung wissen.“ Das spüre sie in Gesprächen immer wieder. „Die Mahnsäulen sind Bezugspunkte, um den Menschen die Geschichte der ‚Freien Heide‘ näherzubringen“, sagt sie. Wie die Landschaft der Heide haben sie damit auch touristischen Wert.

Für das Berliner Vereinsmitglied Ulrich Christ sind die Säulen „Totempfähle von universeller Aussagekraft“. Und er weiß, wie schwierig der Erhalt ist. Da gibt es das Kunstwerk, das an der L 15 kurz vor Schweinrich ins Auge fällt: Eine Rakete steckt in einem Baumstamm und versinnbildlicht damit radikal die Zerstörungskraft des Krieges, den der Bund in der Kyritz-Ruppiner Heide üben wollte. „Ich möchte mich gern um die Schweinricher Säule kümmern und den Pinsel für den Rostschutz schwingen“, sagt Christ. „Aber sie steht auf Privatbesitz.“ Es gebe kein Rankommen – das Grundstück müsse über kurz oder lang in öffentliche Hand kommen, um die Säule erhalten zu können, so Ulrich Christ.

Das ist am Mittwochabend auch an richtiger Stelle angekommen: Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann (parteilos) und Vize-Landrat Werner Nüse gehörten zu den 18 Gästen der Ausstellungseröffnung. Der Rathauschef betonte, dass die Erinnerung an eine Friedensbewegung an Bedeutung gewonnen habe. Heutige Generationen kennen Krieg und seine Folgen nicht mehr aus eigenem Erleben. Säbelrasseln an anderen Enden der Welt beweist aber, wie bedeutsam der Kampf gegen Krieg geblieben ist. „Über die ‚Freie Heide‘ kann man sich über den Begriff Frieden in vielfältiger Art und Weise auseinandersetzen“, sagt Gehrmann.

Auch deswegen werden die Mahnsäulen als touristische Angebote zu verstehen sein. Nüse erinnerte daran, dass der Ausbau des Fremdenverkehrs mit der Errichtung eines Aussichtsturms neue Fahrt aufnehmen wird. „Er ist ein wichtiger Meilenstein, um die touristische Wertschätzung der Heide voranzubringen“, sagte er. Das wäre ohne das Engagement der „Freien Heide“ und des Ex-Landrats Christian Gilde (SPD) kaum vorstellbar gewesen. Ein guter Teil der Mahnsäulen stehe ebenfalls noch. Da sei es wert, sie in der Ausstellung in den Fokus zu rücken, so Nüse. Tatsächlich stehen sogar zwei im Original in der Scheune. Die meisten sind aber auf Stoffbannern fotografisch ausgestellt. Laubenthal hat sich die Mühe gemacht, zu jeder Säule ein Faltblatt mit Lichtbildern – zumeist der 90er-Jahre – und Texten anzufertigen. Die kleinen Blätter mit den Überblick-Informationen kann sich jeder sogar mitnehmen. Möglich macht das auch eine Förderung der Brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung. Den Eigenanteil zur Finanzierung der ersten Ausstellung der Friedensscheune hat der Verein über Spenden zusammenbringen können, erzählt Ulrike Laubenthal.

Die Ausstellung in der Zempower Friedensscheune, Dorfstraße 40, ist täglich außer montags von 10 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Telefonischer Kontakt ist unter 033923 715071 möglich.

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