37 Sportbootunfälle : Ton an den Schleusen wird rauer

Ein Boot der brandenburgischen Wasserschutzpolizei auf Kontrollfahrt.
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Ein Boot der brandenburgischen Wasserschutzpolizei auf Kontrollfahrt.

Wasserschutzpolizei der Polizeidirektion Nord stellt Bilanz für 2016 vor / 1022 Verstöße im Bereich der Sportbootschifffahrt

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07. April 2017, 05:00 Uhr

37 Sportbootunfälle mit drei Verletzten hat die Wasserschutzpolizei der Polizeidirektion Nord in Neuruppin im vergangenen Jahr auf den Flüssen und Seen in ihrem Revier in Nordwestbrandenburg registriert. Die Polizei spricht von einem normalen Wert. Der zunehmende Charterbootverkehr sei in der Statistik nicht nennenswert zu spüren. Nur der Ton an den Schleusen werde rauer.

Im Spätsommer vergangenen Jahres beklagte der Fürstenberger Wirt Michael Wittke das frevelhafte Verhalten von Hausboot- und Floßkapitänen auf den Gewässern rund um seine Heimatstadt. Sie würden überall wild anlegen, auf Natur und Ruhesuchende keine Rücksicht nehmen. Kaum war die Klage im Netz, meldeten sich andere Schiffskapitäne, die den Touristen mangelnde Fahrfähigkeiten und rüpelhaftes Verhalten vorwarfen und von teilweise chaotischen Situationen in Schleusen berichteten.

Eine Einschätzung, der der neue Leiter der Wasserschutzpolizei bei der Polizeidirektion , Andreas Pompetzki, bei seiner Bilanzpressekonferenz für das vergangene Jahr gestern in Oranienburg so nicht teilen wollte: „Es gibt keinen spürbaren Abstieg.“ Aus den Zahlen sei zu erkennen, dass Charterbootführer nicht mehr Ordnungswidrigkeiten begehen und Unfälle verüben als Freizeitkapitäne mit Schifffahrtslizenz. Von den 1022 Verstößen im Bereich der Sportbootschifffahrt gingen nur 233 auf das Konto von führerscheinfreien Sportbootkapitänen. Weitere 200 Verstöße betrafen Charterboote. Beim Verursachen von Unfällen halten sich Profis und Laien die Waage. Beim gewerblichen Schiffsverkehr gab es zehn Unfälle. „Es ist aber zu erkennen, dass die früher gelebte Gemeinschaft auf dem Wasser nicht mehr richtig funktioniert“, so Pompetzki. So werde an Schleusen vorgedrängelt, gemeckert, an automatischen Wehren das Tor zu früh geschlossen. „Wir brauchen wieder mehr Kameradschaft und Rücksichtnahme auf dem Wasser“, findet Pompetzki. Schließlich seien die meisten in ihrer Freizeit unterwegs. „Jeder will doch entspannt seinen Urlaub verbringen.“

Toralf Reinhardt, Sprecher der Polizeidirektion Nord in Neuruppin sagt, im Vergleich zum Straßenverkehr gehe es auf den Gewässern noch sehr friedlich zu.

Fehlverhalten zeigen auch die Profis auf dem Wasser genug. So sank im Mai vergangenen Jahres an einer Wasserbaustelle in Fürstenberg beinahe ein Arbeitsprahm, weil die Bauarbeiter offenbar schnell Feierabend machen wollten und das Schiff gegen alle Regeln der Kunst beluden. Am Ende musste ein Drehkran den Prahm wieder ins Gleichgewicht bringen. Schon 2015, berichtet Pompetzki, geriet ein Flusskreuzfahrt in der Lehnitzschleuse in arge Not, weil die Seile an den Befestigungsstangen vertäut wurden. Ein klassischer Anfängerfehler. „In dem Fall haben ihn erfahrene Leute gemacht“, so Pompetzki. Das Problem in dem Fall. Während der Wasserspiegel in der Schleuse sank, hielten die Seile das Schiff oben. Es geriet in Schieflage. Der Schleusengang musste gestoppt, die Kammer wieder aufgefüllt werden. Im März senkten Frachtschiffkapitäne unter der niedrigen Bücke auf dem Oder-Havel-Kanal ihre Fahrerkabine zu spät. Sie blieb an der Brücke hängen und wurde zerstört. Die Schiffsführer blieben unversehrt. Sie waren angetrunken gewesen.

Fahren unter Alkoholeinfluss ist ansonsten aber ein untergeordnetes Problem auf dem Wasser. Nur fünf Sportbootführer wurden vergangenes Jahr angetrunken erwischt, bei den beruflichen Binnenschiffern waren es drei.

Die 39 Beamten der Wasserschutzpolizei der Polizeidirektion Nord sind für 300 Kilometer schiffbare Wasserstraßen zuständig, davon 171 km Bundes- und 129 km Landeswasserstraßen – dazu gehören auch 70 Kilometer Elbe. Eine Besonderheit sind die für das Fahren ohne Führerschein freigegebenen Wasserstraßen um Neuruppin sowie Rheinsberg im Landkreis Ostprignitz-Ruppin und entlang der Havel von Fürstenberg bis Oranienburg (Oberhavel) sowie –neu- auf dem Langen Trödel bis Zerpenschleuse im Landkreis Barnim.

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