Pelziges Findelkind in Tempelfelde : Tiger Diego wird erwachsen

Tiger Diego in seinem etwa 150 Quadratmeter großen Gehege im Wildkatzenzentrum Felidae in Sydower Fließ.
Tiger Diego in seinem etwa 150 Quadratmeter großen Gehege im Wildkatzenzentrum Felidae in Sydower Fließ.

Das ausgesetzte Tigerbaby hat Schlagzeilen gemacht. Im einem Wildkatzenzentrum fand er ein Zuhause, doch er braucht mehr Platz

svz.de von
08. Juni 2016, 05:00 Uhr

Vom süßen Kuscheltier hat Diego nicht mehr viel. Der Findel-Tiger, der im Vorjahr im Alter von nur wenigen Wochen vor einer Tierarztpraxis in Bernau (Barnim) ausgesetzt wurde, ist ein eindrucksvoller „Halbstarker“. Wenn sich das fast 90 Kilogramm schwere und über zwei Meter große Raubtier gegen die Gitter seines Geheges wirft, bekommt auch der letzte Fan Respekt.

Gemeinsam mit dem weißen Tigermädchen Heike lebt Diego in einem etwa 150 Quadratmeter großen Gehege im Wildkatzenzentrum „Felidae“ in Tempelfelde (Barnim). „Für eine artgerechte Haltung ist das natürlich viel zu wenig“, sagt „Felidae“-Chef Renato Rafael, der den vermutlich aus einem Wanderzirkus stammenden Findel-Tiger im Herbst aufnahm. Der Tierarzt hat auf mehr als 6000 Quadratmetern seit 1998 Gehege für 40 Wildkatzen von 16 Arten aufgebaut. Der Artenschutz stehe im Vordergrund, betont er.

Tiger gehörten bisher nicht zu dem aus Spenden und Eintrittsgeldern finanzierten, deutschlandweit einmaligen Wildkatzenzentrum. Sie artgerecht zu halten, war für „Felidae“ eine Nummer zu groß. Für Diego gingen in den vergangenen Monaten viele Spenden ein. Der Tiger, der täglich etwa fünf Kilogramm Fleisch verputzt, hat sogar eine eigene Webseite. Nun stellt das Land Brandenburg 250 000 Euro aus Lotto-Mitteln bereit, damit Diego und Heike ein etwa 1100 Quadratmeter großes, Tiger-gerechtes Zuhause bekommen.

Das Engagement des Landes kommt nicht von ungefähr. Da der Tiger in Bernau gefunden wurde, ist Brandenburg für das Tier verantwortlich.

Ein Zoo oder Tierpark, der Diego hätte aufnehmen können, habe sich aufgrund strenger Quarantänevorschriften und Überpopulationen gerade bei Raubkatzen nicht gefunden, erläutert Umweltministeriums-Sprecher Jens-Uwe Schade. Die Unterbringung im Wildkatzenzentrum war die einzige Rettung, sonst hätte der Findling wohl eingeschläfert werden müssen.

Rafael hat für das neue Gehege Land dazugekauft, der Antrag auf eine Baugenehmigung ist fertig. Rund 40 000 Euro hat der Verein bereits in Planungen und Architektenleistungen investiert. Doch der Tierarzt befürchtet, die Tiger könnten ihm längst über den Kopf gewachsen sein, bis das neue Gehege endlich fertig ist. Zudem reiche das Geld zwar für ein sicheres Gehege, nicht aber für artenschutzrechtlich vorgeschriebenes Inventar wie Baumstämme und Bäume zum Klettern oder einen Teich zum Abkühlen.

Im Winter braucht vor allem Heike einen warmen Unterschlupf, wie Tierpfleger Carlo Kantwerk erzählt. „Weiße Tiger sind in der Regel aus Indien stammende Bengaltiger. Die vertragen keine europäischen Winter und brauchen eine warme Behausung.“ Der zehn Monate alte Diego sei robuster, mit dicker Unterwolle und einem kürzeren Schwanz, was auf eine Abstammung von sibirischen Amur-Tigern deute. „Mit Sicherheit kann man das erst sagen, wenn er etwa anderthalb Jahre alt ist und die typischen Merkmale der Tigerart sichtbar werden.“

Das Ministerium hoffe, dass mit dem Tigergehege auch ein zusätzlicher Anziehungspunkt für das Wildkatzenzentrum entsteht. „Denn es werden schon für die Verpflegung der Tiger weitere Spenden nötig sein“, macht Schade deutlich. Das finanzielle Engagement des Landes für Diego findet allerdings nicht nur Zustimmung. „250 000 Euro für einen Tiger sind unverhältnismäßig“, kritisiert Tierarzt Andreas Valentin aus Melchow (Barnim). Gemeinsam mit einem Verein betrieb er über Jahre eine Station für die Pflege verletzter, heimischer Wildtiere. Aus finanziellen Gründen musste sie Ende 2015 schließen.  

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