Zoo : Tierische Arbeitspause

Bernd Wilhelm und Ajka Beganovic haben mit dem kleinen Zoo tierisch viel zu tun.
Bernd Wilhelm und Ajka Beganovic haben mit dem kleinen Zoo tierisch viel zu tun.

Bernd Wilhelm arbeitet seit 65 Jahren mit Tieren / Doch Corona bringt auch ihn und seine tierischen Freunde im Zoo Nauen in Bedrängnis

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08. Juli 2020, 05:00 Uhr

Die Sonne steht hoch am Himmel, doch davon lässt sich der Hahn mit dem prächtig bunten Gefieder so gar nicht beeindrucken. Er kräht was das Zeug hält, Langschläfer müssten hier am Nauener Ortsrand, in der Nähe des Weinberges, nicht auf einen Hahnenschrei zum Wachwerden verzichten. Um den stolzen Herrn herum tappen seine Hühnchen, Körner suchend. Nur einige Schritte weiter flitzt ein Äffchen durch den Käfig. Eine grüne Meerkatze, oder sagt man hier auch Kater? Denn es ist das Männchen.

Das Weibchen hält sich versteckt. „Sie ist verhaltensauffällig. Wir haben sie aus schlechter Haltung übernommen“, sagt Bernd Wilhelm.

Seit 65 Jahren hegt und pflegt er alles was vier Beine oder ein Gefieder hat. Die Tierliebe begann früh, sagt der 80-Jährige. „Und so ging ich zunächst auf die Tierärztliche Hochschule in Berlin“, erzählt er. In Nauen, im Havelland, ist der Berliner bereits seit zwanzig Jahren ansässig. Zuvor hatte er mit den tierischen Freunden in Berlin-Spandau gelebt. „Dort wurde es uns zu eng“, sagt er. So zog er auf das rund einen Hektar große Grundstück in Nauen, wo er seinen kleinen Zoo unterhält. Ungefähr fünfzig Tiere haben hier ein Zuhause gefunden.

An den Käfigen und Gattern der Weiden gibt es keine erklärenden Schilder. Die Informationen gibt der Chef selbst, erzählt, um welche Tierarten es sich handelt, wo sie herkommen und welche Rollen sie bereits übernahmen. Denn der Zoo Nauen ist zwar klein, doch seine Bewohner erfreuen sich zum Teil einer gewissen Berühmtheit. Standen sie doch schon auf den Brettern, die die Welt bedeuten, in einigen bekannten Berliner Theaterhäusern. Die Berliner Volksbühne gehört dazu und das Maxim Gorki Theater. Das Berliner Ensemble haben sie bereichert. Wilhelm schwärmt von der Zusammenarbeit mit dem Theaterregisseur Christoph Schlingensief, der 2010 verstarb. Ob in der Schneekönigin oder im zerbrochenen Krug, „meine Tiere sind gelassen und cool. Sie haben Vertrauen und kein Problem mit den Auftritten in den großen Schauspielhäusern“, sagt Wilhelm.

Doch mit der Schauspielerei ist es gerade schlecht und auch die Behindertengruppen, die den Zoo regelmäßig besuchen, dürfen wegen der Corona-Schutzmaßnahmen gerade nicht den kleinen Zoo besuchen. „Wir fahren auch mit den Tieren in die Seniorenheime“, sagt Wilhelm. Was aber gerade auch nicht geht. „Für soziale Projekte bin ich immer zu haben“, setzt er hinzu. Dabei arbeitet er selbst auch auf Eigeninitiative, finanziert den Zoo zum Großteil durch Spenden. „Und meine eigene Rente geht hier rein“, sagt Wilhelm.
Esel, Pferde, Ziegen, sie alle sind gerade etwas unterbeschäftigt. Wilhelm würde sich über Besucher im Zoo, besonders über Kinder, freuen. Für die hat er einen Spielplatz auf dem Gelände angelegt. „Denn Menschen, besonders den Kindern, die Natur und die Tiere nahebringen. Das ist hier eines meiner Ziele“, sagt Wilhelm.

Zu diesen Tieren gehören auch zwei Waschbären und im Moment noch besagter Kolkrabe Socke. Der wurde als nacktes Vogelbaby von einem Jäger hier abgegeben, erzählt Wilhelm. Socke wird noch etwas gepäppelt, dann muss er fliegen lernen. Wenn das erledigt ist, soll Socke in die Natur zurückkehren.

Ganz anders verhält es sich mit Boulette und Schnitzel, die beiden Schweine laufen über das Gelände und genießen, wie Wilhelm sagt „Narrenfreiheit“. Die Nasen auf dem Boden suchen sie Futter und als Ajka Beganovic mit einem mit Brötchen gefüllten Eimer kommt, hat sie die volle Aufmerksamkeit der beiden Borstentiere, die Wilhelm einst von Hand aufzog, wie er erzählt. Die 55-Jährige Beganovic ist Wilhelms Lebensgefährtin und hilft bei der Pflege der Tiere.
Wilhelm nimmt keinen Eintritt, dafür steht eine Spendenbox am Eingang, hier kann der Besucher einen Obolus einwerfen. Auch Lebensmittelspenden für die Tiere sind willkommen. Und Besucher, sagt Wilhelm, sowieso.

Der 80-Jährige will seinen Zoo „mit Idealismus durch die Krise bringen“. Leicht ist das nicht, was den Blicken des Besuchers nicht verborgen bleibt. Gerade kauft er die Heuvorräte für den Winter ein. Wilhelm erzählt nicht ohne Stolz, dass er alle Prüfungen des Veterinäramtes besteht und den Vorgaben auch weiter entsprechen will. Den Tieren zuliebe, sagt er.


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