Akute Finanznot : Tierheime senden Notsignale

Eine Katze sieht im Tierheim Frankfurt (Oder) durch ein Gitter.
Eine Katze sieht im Tierheim Frankfurt (Oder) durch ein Gitter.

Vereine beklagen ausbleibende Erstattungen der Kommunen und fehlende Fördermittel des Landes.

svz.de von
27. August 2016, 04:45 Uhr

Die Hälfte der Brandenburger Tierheime steckt in einer finanziellen Notlage. Die Einrichtungen fordern mehr Geld von den Kommunen und mehr Unterstützung der Landesregierung. Bislang fließen Fördergelder nur spärlich.

Die Freude über eine neue Quarantänestation für Katzen währte bei den Tierschützern in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) nur kurz. Nach einer Förderzusage des damaligen Verbraucherschutzministers Helmuth Markov (Linke) begann der Verein, der ein Tierheim in der Speckgürtelgemeinde betreibt, im vergangenen Jahr mit dem Bau. Allerdings fehlte zu dem Zeitpunkt noch der endgültige Bescheid. Die Folge: Jetzt steht nur ein Rohbau, da Gelder des Landes letztlich nicht flossen. „Wir haben Jahre versucht, Fördergelder zu bekommen“, berichtet die Vereinsvorsitzende Beate Almiks. „Und jetzt gibt es ein weiteres Problem.“ Denn dem Verein fehlen Eigenmittel, um das Gebäude zu vollenden. Sämtliche Gespräche mit dem Ministerium, Landespolitikern oder der Kreisverwaltung brachten keinen Erfolg. Immerhin wurden jetzt in Potsdam Fördergelder für zwei Holzhäuser und eine Krankenstation in Aussicht gestellt. „Uns fehlt Platz“, verdeutlicht die Tierschützerin. Rund 100 Fundkatzen haben sie und die ehrenamtlichen Mitarbeiter in Obhut genommen. Doch nicht nur Investitionen in die altersschwachen Baracken müssen aufgeschoben werden – Kommunen zahlen aus ihrer Sicht zu wenig für die Dienstleistung, Fundtiere zu versorgen.

„Die Politik ruht sich wieder einmal auf dem Ehrenamt aus.“ Der Landestierschutzverband prangert ebenfalls eine fehlende Unterstützung an. Die Hälfte der 15 Brandenburger Tierheime, die unter dem Dach des Verbandes stehen, sei von Insolvenz bedroht, erklärt die Vorsitzende Renate Seidel. „Die Vereine leben von der Hand in den Mund, müssen aber Futter, Veterinäre und Personal bezahlen.“ Nach ihrer Aussage beträgt die jährliche Förderung des Landes für Tierheim-Projekte nicht mehr als 150 000 Euro – die Gelder stammen aus Lotto-Einnahmen. Hierbei verweist Seidel auf Mecklenburg-Vorpommern. Dort würden dieses Jahr 600 000 Euro zur Verfügung gestellt. Hauptschuldige der Misere sind aus ihrer Sicht jedoch Kommunen: Diese würden mit „sämtlichen Tricks“ operieren, um die rechtlich festgeschriebenen Kosten nicht erstatten zu müssen. Nach einer Umfrage des Verbandes werden maximal 30 Prozent der Ausgaben für Fundtiere bezahlt, so Seidel.

Daher setzt der Tierschutzverein auf neue Pauschalverträge mit Kommunen. Im Tierheim Wesendahl (Märkisch-Oderland) wurden Vereinbarungen mit 20 Gemeinden neu justiert, nachdem die Existenz bedroht war. Dagegen finanzieren sich manche Tierheime fast nur über Spenden – etwa das Tierheim Verlorenwasser in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark), das 2007 kurz vor der Pleite stand. „Wir haben sämtliche Verträge mit den Kommunen gekündigt“, sagt der Vereinsvorsitzende Wolfgang Aland. Die Fundtierbetreuung sei nie auskömmlich bezahlt worden. Nach seiner Ansicht könnten die Tierheime nur mit Hilfe des Gesetzgebers zukunftssicher gemacht werden: „Wir fordern, dass die Einnahmen aus der Hundesteuer in den Tierschutz fließen.“  

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