zur Navigation springen

Keine Ruhe über dem Bombodrom : Tiefflüge in rechtlicher Grauzone

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bundeswehr übt weiter auf dem Truppenübungsplatz Wittstock

svz.de von
erstellt am 14.Jan.2017 | 07:00 Uhr

Über dem Bombodrom im Landkreis Ostprignitz-Ruppin finden immer noch Tiefflüge der Bundeswehr statt. Dabei hat sich die Luftwaffe nach langem Rechtsstreit eigentlich von dem Truppenübungsplatz zurückgezogen. Möglich ist das durch die Einrichtung einer Sonderflugzone. 2016 stieg die Zahl der Einsätze sogar. Registriert wurden von Januar bis September 831 Überflüge. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 521. Die Zahlen stammen von einer Anfrage der Bundestagsabgeordneten Kirsten Tackmann ( Linke) an das Bundesverteidigungsministerium.

Seit die Bundeswehr 2009 auf das 120 Quadratkilometer große Areal verzichtet hat, gelten dort die allgemeinen Regularien für den Luftraum, in dem militärische und zivile Flüge erlaubt sind. Jedoch wurde 2014 über einem Teil von Mecklenburg-Vorpommern eine Sonderflugzone eingerichtet. Das fand ohne öffentliche Beteiligung statt, sagte Tackmann gestern. Während der zivilen Luftfahrt Planfeststellungsverfahren unter Einbeziehung vieler öffentlicher Interessenträger vorgeschaltet sind, existiert bei militärischen Nutzungen kein solches Verfahren.

In der Sonderflugzone sind Tiefflüge erlaubt. Die Auswirkungen auf die Region und ihre Bewohner werden staatlicherseits nicht bewertet. „Es existiert nicht einmal eine Rechtsgrundlage zur Messung der Lärmbelastung“, moniert die Linken-Abgeordnete. Erst am Donnerstag dokumentierten Kritiker mehrfache militärische Überflüge mit massiver Lärmbelastung in einem Korridor von Fürstenberg (Oberhavel) bis Putlitz (Prignitz). Den Flugdaten zufolge waren besonders Rheinsberg und Wittstock betroffen.

Hier wird geübt. Man sieht die Zielmarkierung und Bombentrichter auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz, genannt Bombodrom.
Hier wird geübt. Man sieht die Zielmarkierung und Bombentrichter auf dem Truppenübungsplatz, genannt Bombodrom. Foto: Bernd Settnik
 

„Die Region hat nicht die militärische Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide verhindert, um über eine Sonderflugzone Belastungen durch militärische Tiefflüge hinzunehmen“, sagte Tackmann. Gegen den geplanten Ausbau des Truppenübungsplatzes protestierten nach der Wende Bevölkerung, Tourismusbranche und antimilitaristische Gruppen. Viele Anwohner waren der Ansicht, dass Bombodrom zerstöre Chancen auf Wirtschaftswachstum durch Tourismus. So positionierten sich auch der Kreistag Ostprignitz-Ruppin sowie die Landtage Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen