Übergriffe in Nauen : Terrorverdacht gegen Neonazis

dpa_1490c400a079e13b

Die Bundesanwaltschaft prüft die Übernahme der Ermittlungen zu den Übergriffen in Nauen

svz.de von
05. März 2016, 08:00 Uhr

Hinter den rechtsextremistischen Anschlägen, die im vergangenen Halbjahr das havelländische Nauen erschütterten, steckte nach bisherigen Ermittlungen eine fünfköpfige Gruppe. Laut dem Leitenden Oberstaatsanwalt Heinrich Junker könnte es sich um eine terroristische Vereinigung handeln.

Derzeit prüfe die Karlsruher Bundesanwaltschaft, ob sie die Ermittlungen an sich ziehe, sagte Junker in Potsdam. Bei Terrorverdacht wären die Karlsruher Ermittler zuständig. Nach Aussagen des Brandenburger Polizeipräsidenten Hans-Jürgen Mörke war der bereits inhaftierte NPD-Politiker Maik Schneider der Kopf der Bande. Gestern konnte auch sein Komplize Dennis W. in Nauen verhaftet werden. Laut Polizei wurde ein weiterer NPD-Mitgliedsausweis sichergestellt und so ein Beleg für die Gefährlichkeit der Partei erbracht.

Der Gruppe war zunächst vorgeworfen worden, das Auto eines polnischen Bürgers angezündet zu haben. Inzwischen geht die Polizei davon aus, dass sie auch den Brandanschlag auf eine Nauener Turnhalle im August 2015 Schneider und seiner Truppe nachweisen kann. In der ausgebrannten Halle sollten Asylbewerber untergebracht werden. Die Tat hatte bundesweites Aufsehen erregt.

Zur Last gelegt werden ihnen auch die Sprengung eines Unterstandes an einem Supermarkt im Juni 2015 in Nauen und mehrere Angriffe auf Parteibüros von Linken-Politikern und Sachbeschädigungen. Ob es einen Zusammenhang zu Flugblättern mit Anleitungen zum Bau von Bomben vom Februar dieses Jahres gibt, wird noch geprüft. Laut Junker gehen die Ermittler zur Zeit davon aus, dass fünf Personen der Gruppe angehörten.

Polizeipräsident Mörke erklärte, dass wegen weiterer Straftaten ermittelt werde. „Es sieht gut aus“, sagte er mit Blick auf mögliche Ermittlungserfolge. Auch der Anschlag auf eine Begegnungsstätte für Flüchtlinge im Stadtzentrum von Jüterbog und andere Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund werden erneut geprüft.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) lobte die langwierige Ermittlungsarbeit: „Die Polizei hat nie locker gelassen, und die Ausdauer hat sich gelohnt.“ Angesichts zunehmender politischer Spannungen seien derartige Ermittlungserfolge um so wichtiger, so Schröter.

Ulrich Thiessen

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen