Verdächtigen gefasst : Terrorpläne in Gerswalde?

Ein Polizeiwagen steht vor dem Jugendheim in Gerswalde. Die Polizei bekam einen Tipp und griff zu.
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Ein Polizeiwagen steht vor dem Jugendheim in Gerswalde. Die Polizei bekam einen Tipp und griff zu.

Dünn besiedelt, touristisch attraktiv und nur 80 Kilometer von Berlin entfernt. Jugendlichen Flüchtling aus Heim in der Uckermark in Gewahrsam genommen.

svz.de von
31. Mai 2017, 05:00 Uhr

Die Gemeinde Gerswalde liegt idyllisch in der Uckermark. Die warme Mai-Sonne trocknet am Dienstag letzte Pfützen eines Gewitters. Doch an diesem Tag stehen vor dem Jugendheim große Einsatzfahrzeuge der Polizei. Beamte versperren den Weg. Hat ein 17-jähriger syrischer Flüchtling hier einen Terroranschlag geplant? Anne O. besucht gerade ihre 82 Jahre Mutter in der Senioren-WG direkt nebenan. Als die Polizei am Morgen anrückte, habe ihre Mutter gedacht, vielleicht sei eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. „Meine Mutter hätte das nie in Verbindung mit Terror gebracht“, sagt die Uckermärkerin.

Auch Amtsdirektor Andreas Rutter war überrascht. „Wir haben davon nicht viel mitbekommen, wir sind von der Polizei auch nicht über den Einsatz informiert worden.“ Es habe Anfragen von Anwohnern gegeben.

Nicht alle schauen heute auf das Jugendheim, in dem überwiegend deutsche Jugendliche und einige junge Flüchtlinge leben. Sie hätten heute mehr mit dem Gewitter zu tun gehabt, meint ein Anwohner.

Ein junger Mann aus dem Heim erregt an diesem Tag bundesweit Aufsehen. Per WhatsApp soll er seiner Mutter mitgeteilt haben, er gehe in den Dschihad, wie Islamisten ihren „heiligen Krieg“ nennen. Bei den Behörden schrillen die Alarmglocken. Spezialeinsatzkräfte der Polizei rücken an und nehmen den jungen Mann in Gewahrsam. Doch auch Stunden später bleibt vieles offen. Drei Handys und ein Tablet-Computer wurden sichergestellt. 

Auch Hinweise auf den Islamischen Staat (IS), Hetzschriften oder Anleitungen zum Bombenbau werden zunächst nicht gefunden.  Ein Mitarbeiter der Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge berichtet der „Märkischen Oderzeitung“: Der junge Mann sei wie andere Jugendliche, die dort betreut werden, völlig unauffällig gewesen. „Sie haben uns keine Sorgen bereitet.“ Vor dem Jugendheim herrscht am Abend wieder Ruhe.

Die Polizei arbeitet derweil mit Hochdruck an der Auswertung der Handydaten und des Tablet-Computers. Dann soll auch erst entschieden werden, ob die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl beantragt.

Aus dem Bundesinnenministerium heißt es zur Festnahme in der Uckermark: „Die Behörden haben schnell und frühzeitig reagiert, um ein Risiko für die Bevölkerung auszuschließen.“ Derzeit gebe es aber keine Anhaltspunkte dafür, dass ein Anschlag unmittelbar bevorgestanden hätte.

Erst am Montag hatten sich in Berlin die Chefs von Polizei und Geheimdiensten aus Deutschland und anderen Staaten versammelt, um über die Bedrohungen durch den islamistischen Terror zu diskutieren. Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen mahnte dort, die Gefahr bleibe auf hohem Niveau und nehme eher noch zu. Deutschland sei in der Priorität der Terrormiliz IS nach oben gerückt.

 
 

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