Terroralarm in Eisenhüttenstadt

27-Jähriger Deutscher festgenommen – Anschlagspläne nicht bestätigt

svz.de von
17. August 2016, 18:45 Uhr

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hat gestern in Eisenhüttenstadt einen 27-Jährigen festgenommen. Der Mann stand unter Verdacht, einen Sprengstoffanschlag auf das Stadtfest geplant zu haben. Ermittler konnten dafür keine Beweise finden.

Gegen 13 Uhr erfolgte der Zugriff im Zentrum von Eisenhüttenstadt. Der Verdächtige ließ sich ohne Widerstand in seiner Wohnung in der Poststraße festnehmen. Während er zum Verhör nach Frankfurt (Oder) gebracht wurde, riegelten Beamte mehrere Straßen rund um das Mehrfamilienhaus ab. Nachbarn mussten die Wohnungen verlassen. Es folgten mehrstündige Untersuchungen mit Sprengstoffexperten und Spürhunden.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte kurz nach der Festnahme, dass wegen eines „geplanten terroristischen Akts“ mit islamistischem Hintergrund ermittelt werde. Die Polizei ging demnach Bürgerhinweisen nach. „Wir haben kurzfristig einen Tipp erhalten“, sagte ein Polizeisprecher. Offenbar war darin davon die Rede, dass der Verdächtige in seiner Wohnung Sprengstoff lagere und einen Anschlag auf das in einer Woche stattfindende Stadtfest plane. Bei dem Mann handelt es sich laut Polizei um einen zum Islam konvertierten gebürtigen Eisenhüttenstädter.

Nach der Durchsuchung der Wohnung und des Gartengrundstücks der Familie gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am Nachmittag Entwarnung. Nach Angaben eines Sprechers wurden nur geringe Mengen Silvesterknaller ausländischer Fabrikation gefunden. Auch wenn es grundsätzlich möglich ist, aus solchen Böllern Bomben zu basteln, sahen die Behörden den Verdacht auf einen geplanten Anschlag nicht bestätigt. Auch Hinweise auf eine Verbindung des Mannes zu Terrororganisationen gebe es zunächst nicht. Man habe außerdem kein extremistisches Propagandamaterial gefunden. Aber die Ermittlungen auch im Umfeld des Mannes würden weitergehen, betonte ein Sprecher.

Der Verdächtige ist den Behörden in der Vergangenheit unter anderem durch Drogendelikte aufgefallen. Laut Polizei ist er „psychisch nicht gefestigt“. Vor etwa drei Jahren soll er sich dem Islam zugewandt und dies auch durch seine Kleidung nach ­außen dokumentiert haben.

Nachbarn zeichneten ein uneinheitliches Bild. Manche beschrieben den jungen Mann als komischen Typen, der habe durchblicken lassen, dass er islamistische Terroranschläge gut finde. Andere nannten ihn nett, freundlich und unscheinbar.

 
 

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