Stadtentwicklung : Teltow legt im Rekordtempo zu

Ein Neubauprojekt in der Potsdamer Straße in Teltow
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Ein Neubauprojekt in der Potsdamer Straße in Teltow

Der Ort wächst so schnell wie keine andere Stadt in Deutschland und will mehr sein als ein Schlafort

svz.de von
16. August 2016, 05:00 Uhr

An einem sonnigen Samstagnachmittag herrscht in der Altstadt der am schnellsten wachsenden deutschen Stadt schläfrige Stille. Die von Blumenampeln gesäumten Sträßchen mit bonbonfarbenen Fassaden sind leer. Eine Handvoll Touristen sitzt im Café vor dem Rathaus. Der junge Kellner zuckt die Schultern. „Ansonsten ist hier ja auch nichts“, sagt er.

Die „Boomtown“ boomt auf den ersten Blick ziemlich leise. „Es ist natürlich keine Großstadt, meine Güte“, wiegelt Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) ab. Aber ein reiner Wohnvorort will die Stadt nicht sein. Teltow ist einer der am dichtesten besiedelten Orte des Berliner Umlands. Das frühere Industriezentrum stand nach der Wende kurz vor der Pleite, ist aber heute ein gefragter Standort für Dienstleister.

Der Zuzug von Großstädtern mit Sehnsucht nach Natur mit S-Bahn-Anschluss führte dazu, dass die kleine Stadt das mit Abstand steilste Wachstum aller deutschen Städte hinlegte. Demnächst wird sie ihren 26 000. Einwohner begrüßen - 16 000 waren es vor 20 Jahren.

Der Düsseldorfer Martin Jacoby zog vor acht Jahren zur Familiengründung nach Teltow. „Wir wollten das Kind in einer Umgebung aufwachsen lassen, in der es sich frei bewegen kann“, erzählt der Grafiker. In der Doppelhaus-Nachbarschaft leben Familien aus Sachsen-Anhalt, der Schweiz und Sri Lanka. Wie der Großteil der Arbeitnehmer pendeln Jacobys Frau und die Nachbarn nach Berlin. Weniger als ein Fünftel der Teltower Arbeitnehmer arbeitet in Teltow.

Doch die Züge und Autobahnen sind in beide Richtungen voll: Mehr Pendler, als Teltow jeden Morgen verlassen, kommen umgekehrt aus Berlin und Brandenburg zum Arbeiten in die Stadt. Auch der 23 Jahre alte Kellner im Restaurant am Rathaus lebt als gebürtiger Teltower inzwischen in Berlin. Als Attraktion von Teltow fällt ihm neben dem Heimatmuseum nur der Open-Air-Kinoabend ein - einer von zwei Abenden im Sommer. Wer öfter ins Kino möchte, muss in den Nachbarort fahren. Ein Kino gibt es seit 2005 nicht mehr.

Manches lohne sich für eine Speckgürtel-Stadt nicht, so der Bürgermeister. „Jemand, der ins Theater will, wird immer nach Berlin oder nach Potsdam reinfahren. Da müssen wir nichts aufbauen, was im nahen Umfeld vorhanden ist“, sagt Schmidt. Wichtiger seien Straßen, Schulen, Kitas. „All die Dinge, die zum Leben dazugehören, verbinden sich letztlich auch bei uns in Teltow.“

Inzwischen erreichen die Mieten Rekordwerte. Wohnblocks mit Eigentumswohnungen wachsen in den Himmel, daneben stehen Läden leer. Die Entwicklung sei auf die Klientel ausgerichtet, die auch der Sportboothafen anlocken soll, sagt Jacobowitz. Der Bau der Marina am Teltowkanal ruft Stolz und Ärger hervor. Schon bevor die Kosten von 5,5 Millionen Euro auf fast 15 Millionen Euro explodierten, war das Projekt umstritten. Die 39 Bootsliegeplätze sehen Befürworter als Magnet für Touristen und ein beflügeltes Stadtleben. Gegner sprechen von lebensfernem Luxus und plädieren für ein Schwimmbad.

Das Land führte für Orte wie Teltow eine Mietpreisbremse ein. Neuvermietungen dürfen maximal zehn Prozent teurer sein als ortsübliche Vergleichsmieten. Auf Hilfe vom Land hofft man auch für die zwei Dutzend Sozialwohnungen, die bis 2018 gebaut werden sollen.

Bei 30 000 Einwohnern soll mit dem Boom Schluss sein. „Dann sind wir bei der Zielzahl angekommen“, sagt der Bürgermeister. „Etwas Grün soll ja auch noch da sein.“ Der nächste Spagat für Teltow.  

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