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Insekten in Brandenburg : Tagfalter sind stark bedroht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Artenvielfalt besonders bei Insekten gefährdet. Naturschutzverbände sehen Landwirtschaft in der Pflicht

svz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Brandenburgs Schmetterlingsforscher schlagen Alarm: Intensive Landnutzung und hoher Chemieeinsatz verdrängen zunehmend angestammte Arten wie die Tagfalter. „Die zusammengetragenen Daten zeigen die ernüchternde Tatsache, dass in den letzten 120 Jahren der Artenbestand um 18 Prozent schrumpfte“, teilte der Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg mit. Zudem würden mehr als ein Drittel der Tagfalterarten weiter sinkende Bestände aufweisen. Zurückgeführt wird dies unter anderem auf die Überdüngung von Weiden und Wiesen mit Stickstoff, den Einsatz von Insektiziden, aber auch Herbiziden wie Glyphosat, die die Nahrungspflanzen vieler Tagfalter vernichten. „Aber auch das Verschwinden von Strukturen wie Hecken und Feldraine, verbunden mit dem Anbau von Monokulturen, wie zum Beispiel Mais und Raps, sind Ursachen für den Rückgang der Insekten insgesamt und mit ihnen der Tagfalter“, analysiert Jörg Gelbrecht, einer der Autoren der „Tagfalterfaune“. Einziger Lichtblick seien für manche Arten die in Brandenburg großflächig vorkommenden Truppenübungsplätze und Bergbaufolgelandschaften im Süden.

Erste Aufzeichnungen zur Tagfalterfauna in der damaligen Mark Brandenburg reichen etwa 250 Jahre zurück. In den vergangenen 130 Jahren wurde die Suche nach Schmetterlingsarten intensiviert. So konnten für Berlin und Brandenburg 118 Arten mit Sicherheit nachgewiesen werden.

Der Bauernbund Brandenburg hat die vom NABU aufgrund einer  Studie erhobenen Vorwürfe, die Menge der Fluginsekten sei durch eine angebliche Intensivierung der Landwirtschaft in den vergangenen 25 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen, zurückgewiesen. „Die einzigen landwirtschaftlichen Kulturen, auf denen aus gutem Grund in nennenswertem Umfang Insektenbekämpfungsmittel ausgebracht werden, sind Raps und Kartoffeln, diese machen nicht mal fünf Prozent der Fläche in Deutschland aus“, argumentiert Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel, Ackerbauer aus Barsikow im Ruppiner Land. „Und in den vergangenen 25 Jahren hat hier weder in der Düngung noch beim Pflanzenschutz eine Steigerung der Intensität stattgefunden.“ Selbst wenn es einen dramatischen Rückgang der Insektenpopulation gäbe, was der Bauernbund bezweifelt, könne die Landwirtschaft kaum dafür verantwortlich sein. Statt stumpfsinnig immer nur die Bauern für alles Übel verantwortlich zu machen, sollte sich der NABU verstärkt mit Umweltthemen auseinandersetzen, empfiehlt Kiesel: „Für die Insekten war es bestimmt nicht von Vorteil, dass in den vergangenen 25 Jahren fast 800000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche mit Häusern und Straßen zugebaut und unzählige schöne Obst- und Gemüsegärten in englischen Rasen verwandelt wurden.“

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