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Brandenburg

25. September 2017 | 20:59 Uhr

Tageshospiz für Kinder

vom

svz.de von
erstellt am 05.Nov.2011 | 12:55 Uhr

Liana Drunk behütet ihre jüngste Tochter sehr. Juliane ist zwar schon 14 Jahre alt, doch das blonde Mädchen wirkt weitaus kindlicher. Juliane leidet an Tuberöser Sklerose, einer unheilbaren genetischen Erkrankung. Sie hat Tumore im ganzen Körper, im Kopf, im Herzen und in den Nieren. Das Mädchen ist von seiner geistigen Entwicklung her auf dem Stand einer Siebenjährigen, bekommt schwere epileptische Anfälle. "Wenn sie nicht gerade in der Förderschule ist, kann ich Juliane nicht aus den Augen lassen", sagt ihre Mutter.

Vor allem in den Ferien sei das sehr anstrengend, erzählt die 43-jährige Frankfurterin, die nach Schlaganfall und Bandscheibenvorfall seit anderthalb Jahren selbst im Rollstuhl sitzt. Ab und zu wünscht sich die dreifache Mutter eine Verschnaufpause, Zeit für ihren Ehemann oder ihre beiden erwachsenen Kinder. Dieser Wunsch geht für Drunk und Eltern anderer schwerkranker Kinder bald in Erfüllung. In einem leerstehenden Gebäude des alten Frankfurter Krankenhauses richtet die Berliner Björn-Schulz-Stiftung das erste Tageshospiz in der Region Berlin-Brandenburg für unheilbar oder todkranke Kinder ein. Es soll am 10. Dezember offiziell eröffnet werden.

Die Kinder werden dort tagsüber von Pflegepersonal betreut. "Das bringt den Eltern zumindest stundenweise etwas Entlastung", sagt Stiftungsgründer Jürgen Schulz, der weiß, dass die Angehörigen sonst rund um die Uhr mit der Betreuung ihrer Kinder zu tun haben. Sein Sohn Björn starb 1982 mit sieben Jahren an Leukämie.

Die von ihm begründete Stiftung betreibt seit 2002 das stationäre Kinderhospiz "Sonnenhof" in Berlin, das erste seiner Art in Deutschland. Dort werden schwerkranke Mädchen und Jungen für eine gewisse Zeit Tag und Nacht betreut. Nicht immer geht es dabei um dringend benötigte Zeit der Eltern für sich selbst. "Oft gibt es in den Familien noch weitere Kinder, die im Schatten ihrer kranken Geschwister stehen, weil diese sämtliche Aufmerksamkeit und Zuwendung von Vater und Mutter beanspruchen", erzählt Claudia Wirtz von der Björn-Schulz-Stiftung.

Wirtz hat derzeit Kontakt zu rund 20 betroffenen Familien in der Oderregion.

Das neue Tageshospiz wird durch Spenden finanziert, die die Björn-Schulz-Stiftung erhält. Gesammelt wurden dafür bisher rund 70 000 Euro, die Umbauarbeiten begannen vor einem Jahr. Insgesamt würden inklusive der ersten Personalkosten für das Pflegepersonal etwa 250 000 Euro benötigt, berichtet Frauke Frodl, Sprecherin der Stiftung.

Im 210 Quadratmeter großen Tageshospiz gibt es mehrere Räume für bettlägerige kleine Patienten. "Wir können bis zu acht Kinder und Jugendliche gleichzeitig aufnehmen", sagt Sozialbetreuerin Wirtz. Das Alter der jungen Patienten sei dabei egal. "Wir kümmern uns um Kinder unter drei Jahren, die noch nicht die Kita besuchen, aber auch um Schüler, beispielsweise wenn sie aufgrund ihrer Krankheit gar nicht mehr in den Unterricht gehen können, betreuen sie aber auch in der Ferienzeit", sagt Wirtz.

Liana Drunk freut sich auf das Tageshospiz und die Begegnung mit gleichermaßen betroffenen Familien.

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