Streit unter Brandenburger Imkern : Täter aus den eigenen Reihen

Der Diebstahl von Bienenvölkern nimmt in Brandenburg zu.
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Der Diebstahl von Bienenvölkern nimmt in Brandenburg zu.

In Brandenburg werden immer mehr Bienenvölker gestohlen. Diebe gehen meist professionell vor.

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16. Juni 2016, 05:00 Uhr

Brandenburger Imker werden immer häufiger von Dieben heimgesucht. Vor allem in schlechten Jahren, wenn die Honigproduzenten hohe Winterverluste beklagen, verschwinden die Bienenvölker gleich reihenweise. Der Imkerverband ist sich sicher, dass die Täter in den eigenen Reihen zu suchen sind.

Julie Gaworski fühlt sich ausgeplündert. Erneut haben unbekannte Täter die Standorte der Berufsimkerin heimgesucht und gleich 14 Bienenvölker abtransportiert. Im vergangenen Jahr, wiederum im Februar, verschwanden 30 Kisten, in denen die Honigsammler überwintern. „Die sind professionell vorgegangen und wussten genau, wo sie meine Bienen finden“, sagt Gaworski, die eine Bio-Imkerei in Möglin (Märkisch-Oderland) betreibt. Den wirtschaftlichen Schaden schätzt sie auf mehrere 10 000 Euro. Das Schlimmste für sie ist jedoch: Es gibt häufig Hinweise auf den Verbleib der Bienen, die Verdächtigen sind in Imkerkreisen bekannt. „Aber die Diebe erhalten nur selten eine Strafe, weil sie gegenüber der Polizei behaupten, sie hätten die Bienenkästen rein zufällig gefunden. Dreister geht es nicht“, meint sie. Aus ihrer Sicht kommt nur eine Tätergruppe infrage: „Hobby-Imker älterer Jahrgänge, die ihre eigenen Verluste auf illegale Weise kompensieren wollen.“

Die Verluste waren gerade im vergangenen Winter hoch. Durch die milde Witterung hat die Varroa-Milbe den Bienen in Brandenburg besonders stark zugesetzt. Ein Drittel der Völker sei im Durchschnitt eingegangen, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren, sagt Holger Ackermann vom Landesimkerverband. Die Entwicklung führe dazu, dass Imker sich gegenseitig bestehlen. Angesichts der deutlich gestiegenen Diebstähle rät der Verband seinen Mitgliedern, Kooperationen mit Bauern und Jägern einzugehen. „Man passt gegenseitig auf sich auf“, so Ackermann. Die meisten Imker freilich wählen einen anderen Weg: Sie rüsten technisch mit Kameras oder GPS-Sendern auf. So wurden selbst im Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf (Oberhavel) wertvolle Bienenvölker mit Sendern ausgestattet. Dadurch sei ein schwerer Diebstahl schnell aufgeklärt worden, berichtet Institutsdirektor Kaspar Bienefeld. In einem anderen Fall wurde der Täter von der Polizei noch während der Flucht gefasst. Die Bienen, die zumeist für eine Zucht bestimmt sind, wurden gerettet. „Einer der beiden Täter wollte die Brut als Vogelfutter verwenden – eine völlig abstruse Idee“, berichtet Bienefeld. Er wurde letztlich von einem Gericht verurteilt.

Doch nicht immer enden die Verfahren für die Betroffenen zufriedenstellend. Ansgar Westerhoff, Chef einer Bio-Imkerei mit 20 Mitarbeitern aus Worin (Märkisch-Oderland), hatte der Polizei zwar Beweise geliefert, dass seine Bienenvölker plötzlich im Garten eines Kollegen standen. Das Verfahren wurde vor dem Amtsgericht Frankfurt (Oder) jedoch eingestellt. „Das ist absolut frustrierend“, beklagt Westerhoff. Vier Mal wurde er in den vergangenen Jahren bestohlen, die Verluste sind immens. Allein für ein neues Bienenvolk muss er mittlerweile bis zu 250 Euro bezahlen. „Schwarze Schafe gibt es überall, aber Berufsimker machen so etwas nicht.“

Die Hobby-Imker weisen die Verdächtigungen vehement zurück. „Das sind alte Grabenkämpfe“, sagt Maik Zehm, Vorsitzender des Vereins Bienenfreunde Frankfurt (Oder). Aus seiner Sicht besteht die Herausforderung darin, dass sich die Honigerzeuger untereinander wieder solidarischer zeigen. „Es bringt nichts, sich gegenseitig mit Vorwürfen zu überfrachten.“ Ebenso beklagt Ackermann einen „Futterneid“ in der Branche. „Es geht um die besten Stellplätze für die Bienen, viele fühlen sich immer wieder benachteiligt“, so der Verbandsvertreter.

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