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Brandenburg

18. November 2017 | 05:46 Uhr

Altwustrow : Stunk im Bilderbuch-Dorf

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Folgen der neuen EU-Düngeverordnung: Bürger von Altwustrow laufen gegen Pläne für Gärrestbehälter Sturm

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Die neue EU-Düngeverordnung zwingt Landwirte, Gärreste länger zu lagern. Die benötigten Behälter stoßen vielerorts bei den Bürgern auf Widerstand. Sie fürchten dauerhafte Geruchsbelästigung. So auch im historischen Ortskern von Altwustrow im Oderbruch.

Sechs Meter hoch soll der Behälter sein mit 40 Metern Durchmesser und nur einen Steinwurf vom unter Denkmalschutz stehenden Dorfzentrum entfernt. Und auch noch westlich vom Ort, so dass der Wind wohl oft den Gestank von Gärresten und Gülle herübertragen wird.

Das ist zu viel für die Leute im Dorf. Sie sind fassungslos, wie so etwas genehmigt wurde. „Hier sind alle in heller Aufregung“, sagt Udo Schagen, ein Betroffener, der in den Vormonaten einige Bürgerversammlungen initiierte, um zu retten, was noch zu retten ist. „Momentan bin ich recht pessimistisch“, räumt er ein. „Aber der Protest darf nicht aufhören. Vielleicht geschieht ja ein Wunder.“ Wie viele andere im Ort sieht Udo Schagen Politik und Verwaltung vor Ort in der Pflicht, Unheil abzuwenden, dass sie heraufbeschworen hätten.

Wobei die Probleme mit der neuen EU-Düngeverordnung anfangen. Um Böden und Grundwasser zu schonen, dürfen Bauern organische Abfälle nur noch zu bestimmten Zeiten aufs Feld bringen. In der Zwischenzeit müssen die Abfälle gelagert werden, wofür vielerorts große Behälter errichtet werden.

Aber wo genau? Welche Regeln sind zu beachten? Wie sind die Anlagen immissionsschutzrechtlich zu behandeln? Die Verwaltung des Amtes Barnim-Oderbruch machte sich darüber wohl vor zwei Jahren wenig Gedanken und gab einem Landwirt grünes Licht für Altwustrow. Ohne Gemeindevertreter und Bürger in die Planungen einzubeziehen.

Ein Skandal, finden die aufgebrachten Einwohner, die ihr Dorf nach der Wende in unermüdlichem Einsatz verschönten. Längst gibt sich auch die Amtsverwaltung kleinlaut. In einem Brief von Ende Mai fragt der Amtsdirektor das Bauordnungsamt des Landkreises Märkisch-Oderland, ob man sich die Genehmigung in Sachen Immissionsschutz zum Wohle der Bürger nicht doch noch einmal anschauen müsse.

Landrat Gernot Schmidt (SPD) sieht dafür keine Handhabe. „Der Landwirt hat jetzt einen Rechtsanspruch“, sagt er. Für künftige Fälle könne er nur dringend empfehlen, Gemeindevertretungen und Bürger an den Verfahren zu beteiligen. „Und nicht einfach durchwinken, sondern wirklich prüfen“, ergänzt Schmidt.

Den verärgerten Bürgern könne er lediglich raten, sich mit dem Landwirt an einen Tisch zu setzen und auf seine Gutwilligkeit zu hoffen, den Behälter möglicherweise an einer anderen Stelle zu bauen. Sicherlich seien ihm dann auf die eine oder andere Art mögliche Kosten zu ersetzen.

Landwirt Twan van Leeuwen scheut nicht die Diskussion mit den Bürgern. „Er war auf einer unserer Versammlungen. Das rechne ich ihm hoch an“, so Udo Schagen. Auf einen gemeinsamen Nenner sei man dabei nicht gekommen. Wann der Bau des Gärrestbehälters beginnt, ist offen. Auf Nachfrage sagte die Familie des Bauern, dass Twan van Leeuwen gern Stellung nehme, er aber dieser Tage alle Hände voll mit der Ernte zu tun habe.

Brandenburgs Bauernpräsident Henrik Wendorff bittet um Verständnis für die Lage der Landwirte. „Wir sind mit der Düngeverordnung nicht glücklich, müssen uns aber danach richten.“ So werde es in der Mark wohl oder übel mehrere Gärrestbehälter geben. Die Standortwahl dürfte oft nicht einfach sein, fürchtet Wendorff. Eines könne er aber zusichern: „Unangenehmer Geruch entsteht nur bei der Befüllung und bei der Entnahme von Dünger.“ Die Behälter seien abgedeckt. In der Zeit der Lagerung entstehe kein Geruch, so Wendorff.

Zudem feilten die Bauern an der Technik für das Ausbringen des Düngers. „Das geht immer schneller. Wir wollen die Nährstoffe ja nicht in der Luft haben. Das, was so stinkt, soll in den Boden.“

Die Bürger in Altwustrow überzeugt das nicht. Sie fürchten die fortlaufende Befüllung der Anlage und damit eine häufige Geruchsbelästigung.  

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