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Flüchtlinge in Brandenburg : Stuhlkreis mit Justizminister

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Rechte Hetze in sozialen Medien, fremdenfeindliche Pegida-Demos und die Zuwanderung von Flüchtlingen sind Themen auch in Schulen.

„Wir müssen auch mal klar sagen, dass wir es nicht schaffen, noch mehr Flüchtlinge aufzunehmen“, sagt der Zehntklässler Paul, der in dem Schulraum gerade den Stuhl und damit die Rolle von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) eingenommen hat. „Und dann müssen wir die EU-Außengrenzen schließen.“ Sein Klassenkamerad Nico sieht das ganz anders. „Wir haben hier das Glück, dass wir finanziell gut da stehen, und ich finde, wir kriegen das gut hin“, entgegnet er.

Eigentlich will Maas an diesem Vormittag mit der zehnten Klasse des Bertha von Suttner-Gymansiums in Potsdam-Babelsberg über die Gefahren des Rechtsextremismus reden. Als Redner in der Reihe „Störungsmelder on tour“ des Vereins „Gesicht Zeigen“. Und angesichts der Demonstrationen eines fremdenfeindlichen Pegida-Ablegers in der Landeshauptstadt fällt dies auch auf fruchtbaren Boden. Etwa ein Drittel der 20 Schüler war schon selbst bei den Gegendemonstrationen, „Pogida geht gar nicht“ ist die einhellige Meinung.

Der Justizminister überrascht mit klammheimlicher Zustimmung zu einer Sitzblockade von Bürgern, die eine Woche zuvor den fremdenfeindlichen Marsch wenige hundert Meter von dem Gymnasium entfernt gestoppt hatte. „Ich darf als Minister die Sitzblockade ja nicht gutheißen - aber cool war das schon“, meint der Minister, der seit einiger Zeit selbst in Babelsberg wohnt.

Doch wie können Bürger gegen die Asylpolitik der Bundesregierung protestieren, ohne direkt in die rechte Ecke gestellt zu werden?, möchte Nico wissen. Das sei schwierig, denn im Moment gebe es nur zwei Möglichkeiten, räumte der Minister ein. „Man tritt auf und läuft Gefahr, dass Pegida draus wird - oder man tritt auf für ein weltoffenes Deutschland“, sagt er. „Dazwischen ist wenig möglich, weil die Diskussion so aufgeheizt ist.“

Schnell beißt sich die Diskussion an den Themen Zuwanderung und Integration fest. „Ich finde, wir ziehen mit der Aufnahme der syrischen Flüchtlinge auch viele Ärzte und Lehrer aus dem Land raus“, meint Lina. „Wir denken, wir helfen den Leuten, aber helfen wir damit Syrien?“

Dies sei schon ein sehr wichtiger Aspekt, räumt Maas ein. Aber nicht alle Flüchtlinge blieben dauerhaft in Deutschland, gibt er zu bedenken. „Nach dem Ende des Balkankriegs ist auch die Hälfte der Flüchtlinge wieder in ihr Land zurückgegangen.“

Für die Bewältigung der Flüchtlingskrise haben die Schüler einige Vorschläge. Freiwillige Helfer könnten doch auch in Schnellkursen ausgebildet werden, um über den Berg der Asylanträge zu entscheiden, meint ein Zehntklässler. Syrische Ärzte könnten in speziellen syrischen Krankenhäusern ihre Landsleute behandeln, die kein Deutsch sprechen, meint ein anderer. „Und wenn die syrischen Ärzte dann mit der Zeit Deutsch gelernt haben, dann wären sie auch für die deutsche Bevölkerung da“, meint Fabian.

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