Deichbau ist Generationsaufgabe : Studie: Hochwasserrisiko steigt

Auch an der Gnevsdorfer Wehranlage wird der Hochwasserschutz verstärkt.
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Auch an der Gnevsdorfer Wehranlage wird der Hochwasserschutz verstärkt.

Potsdamer Institut sieht infolge des Klimawandels eine Verachtfachung der Zahl der betroffenen Brandenburger

svz.de von
12. Januar 2018, 05:00 Uhr

Durch den Klimawandel sind immer mehr Menschen von Hochwasser bedroht – auch in Brandenburg. Das ist das Ergebnis einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Der Hochwasserschutz müsse deshalb deutlich aufgestockt werden.

Ohne weiteren Deichausbau, veränderte Baustandards und Siedlungsverlagerungen werde die Zahl der von Hochwasser und Überschwemmungen Betroffenen bis in die 2040er-Jahre erheblich steigen, berichten PIK-Forscher im Fachblatt „Science Advances“. Für Deutschland könnte sich die Zahl der Menschen, die von den stärksten Hochwasserereignissen betroffen sind, auf 700 000 versiebenfachen. Brandenburg wäre noch deutlicher betroffen, hier könne die Zahl der Betroffenen von 2035 bis 2044 um das Achtfache ansteigen. Anders gesagt: In Brandenburg muss das Schutzniveau, etwa durch den Ausbau von Deichen, auf das Achtfache gesteigert werden, wenn sich die Zahl der Betroffenen nicht erhöhen soll.

Dem Potsdamer Umweltministerium waren gestern die Zahlen, Fakten und Schlussfolgerungen der Studie noch nicht bekannt. „Wir werden die Studie aber beschaffen und auswerten“, sagte der Abteilungsleiter Wasser, Kurt Augustin, auf Anfrage des „Prignitzers“. „Hochwasserschutz und Deichbau sind Generationenaufgaben, in die ständig neue Fakten einfließen“, betonte Augustin. Er verwies auf die acht Projekte des Nationalen Hochwasserschutzprogramms im Land. Dazu zähle die Senkung des Hochwasserscheitels der Elbe sowie der Schutz der Karthane-Niederung und der Lenzer Wische. Hinzu komme die Erneuerung der Ufermauern in Wittenberge.

Bisher sind dem Hochwasser nach Angaben der Landesregierung an der Oder und ihren Nebenflüssen in Brandenburg 34 400 Menschen direkt ausgesetzt, an der Elbe und den Nebenflüssen seien es 26 000 Bürger.

In Deutschland ist das Risiko laut PIK am höchsten in Baden-Württemberg mit einem Anstieg um das Vierzehnfache. Hier sind heute etwa 90 Prozent der Städte und Gemeinden laut der Landesregierung potenziell von Hochwasser betroffen.

Die Forscher, deren Ergebnisse auf umfassenden Computersimulationen beruhen, zeigen sich dabei überrascht, dass „selbst in hoch entwickelten Ländern mit guter Infrastruktur der Anpassungsbedarf so groß ist“, sagt Mit-Autor Anders Levermann. Außer in Mitteleuropa sei der Druck in Amerika, Teilen Indiens und Afrikas sowie in Indonesien am größten.

Die Ergebnisse der Studie „sollten eine Warnung für die Entscheidungsträger sein“, betont Anders Levermann. Die Probleme zu ignorieren, führe zu gravierenden Folgen. „Wir müssen jetzt beides tun: Anpassung an den bereits verursachten Klimawandel und Begrenzung zukünftiger Erwärmung“, fordert der Forscher: „Nichtstun wäre gefährlich.“

Um welche Dimensionen es geht, machen schon die bisherigen Brandenburger Zahlen klar: Seit dem großen Oderhochwasser 1997 sind 267 Kilometer Deiche erweitert, neu gebaut oder zurückverlegt worden. Dafür wurden fast 490 Millionen Euro ausgegeben. In diesem Jahr werden laut Umweltministerium rund 40 Millionen für den Hochwasserschutz investiert, zehn Millionen mehr als 2017. Minister Jörg Vogelsänger (SPD) übergibt heute in Schwedt einen neuen Deichabschnitt, der 6,5 Millionen Euro kostete.


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