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Nach Diebstahl im Bahnwerk : Streit um Millionen mit Schrottfirma

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Deutschen Bahn fiel vor einem Jahr auf, dass in ihrem Werk in Eberswalde 7200 Radsätze verschwunden sind. Jetzt trifft man sich mit einem Schrotthändler vor Gericht wieder.

svz.de von
erstellt am 06.Sep.2016 | 04:45 Uhr

Im Rechtsstreit um tausende gestohlene Radsätze hat die Deutsche Bahn gestern eine Niederlage erlitten. Das Landgericht Frankfurt (Oder) lehnte im Eilverfahren die beantragte Pfändung von Geschäftsräumen eines anderen Unternehmens ab.

Ein Jahr ist es her, da fiel der Deutschen Bahn auf, dass in ihrem Eberswalder Werk 7200 Radsätze verschwunden sind. Schnell wurde klar, dass ein ehemaliger Lagermeister jene insgesamt 9000 Tonnen Stahl seit 2010 peu à peu illegal an einen Schrotthändler in Finowfurt weitergereicht hat. Die dortige, inzwischen entlassene Niederlassungsleiterin hat gestanden, dass sie und der Bahnwerker an dem kriminellen Geschäft verdienten.

Dennoch steht die juristische Aufarbeitung dieses ungewöhnlichen Falls von gewerbsmäßigem Diebstahl noch am Anfang. Und weil es wohl noch Jahre dauern wird, bis klar ist, wer hier wem Schadenersatz möglicherweise in Millionenhöhe leisten muss, will die DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH jetzt einen Arrestbefehl gegen die TSR Recycling GmbH in Finowfurt. Einen solchen Antrag stellen Firmen, um sich einen möglichen Zahlungsanspruch aus dem späteren Gerichtsverfahren zu sichern. Es wird also Firmenvermögen beschlagnahmt.

Bahn-Anwalt Carsten Schrader begründete den Antrag gestern damit, dass die TSR Recycling „alles versucht, um uns den späteren Zugriff auf Vermögen zu verwehren“. So habe die TSR die Bahn bezüglich des Tatzeitraums und des Umfangs der kriminellen Machenschaften täuschen wollen. Alleiniger Geschädigter sei die Bahn. Der Finowfurter Schrotthändler „hat 9000 Tonnen Stahl eingesackt, dafür nur 500 000 Euro ausgegeben und mit der Weiterverarbeitung Umsätze in Millionenhöhe erwirtschaftet“, unterstellte Schrader. Seine Sorge: Wenn eines Tages feststehen sollte, dass der Bahn Teile des Firmenvermögens zustehen, werde bei der GmbH nichts mehr zu holen sein.

TSR-Anwalt Kim Lars Mehrbrey reagierte wütend. „Die Bahn zieht langjährige Geschäftspartner in den Dreck. Das ist bodenlos“, ärgerte er sich. „Was wir zu zahlen haben, muss erst geklärt werden“, sagte Mehrbrey. Zudem handele es sich bei der TSR-Gruppe um „ein milliardenschweres Unternehmen, bei dem immer was zu holen sein dürfte“. Ein Arrestanspruch sei völlig abwegig, die Pfändung von Geschäftsräumen ein schwerer Eingriff, der für ein Unternehmen dramatische Folgen haben könne.

Es folgten weitere bissige Wortwechsel, bis sich Richterin Maike Imig einschaltete um zu erklären, dass zumindest im Eilverfahren kein Grund für einen Arrestbefehl zu erkennen sei. Entscheidend sei dabei, dass die betreffende Niederlassungsleiterin nicht mehr im Unternehmen tätig ist. Der Arrestbefehl diene dazu, jemanden aufzuhalten, der quasi schon mit dem Geldkoffer am Flughafen steht, erläuterte sie. Eine solche Situation liege hier nicht vor. Die Fortsetzung folgt im Hauptsacheverfahren. Wann es ein Ergebnis gibt, ist ebenso offen wie der Start des Strafverfahrens gegen die beiden Beschuldigten.  

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