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Kita-Studie : Streit um den Betreuungsschlüssel

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Bertelsmann-Stiftung attestiert Brandenburg schlechte Quote – Regierungslager widerspricht.

svz.de von
erstellt am 29.Aug.2017 | 05:00 Uhr

In Brandenburgs Kindertagesstätten bleibt der Personalschlüssel schlecht. Das zumindest ist der Eindruck, den die Bertelsmann-Stiftung mit ihrem diesjährigen Monitor „Frühkindliche Bildungssysteme“ gestern vermittelte. Der Studie nach kamen im März 2016 auf eine Krippenerzieherin durchschnittlich 6,1 Kinder, die betreut wurden. Bei den über dreijährigen Kindergartenkindern sei das Verhältnis 1 zu 11,3 gewesen. „Damit bietet Brandenburg im Krippenbereich trotz der Verbesserungen nach Sachsen den bundesweit ungünstigsten Personalschlüssel“, erklärte die Stiftung. Besonders schlecht sei der Personalschlüssel in Cottbus gewesen, wo 13,3 Kinder pro Erzieher in der Kindertagesstätte und 7,2 Kinder pro Erzieher in der Krippe betreut werden. Damit sei die kreisfreie Stadt auch bundesweit das Schlusslicht gewesen.

Doch die Daten der Bertelsmann-Stiftung stammen aus dem März 2016. Inzwischen hat die rot-rote Brandenburger Landesregierung beim Thema Kita nachgelegt – zeitweilig konnte man im Land den Eindruck bekommen, dass insbesondere die SPD-Landtagsfraktion gar kein anderes Thema mehr kannte. „Brandenburg investiert so viel wie noch nie in der Geschichte des Landes Brandenburg in die Kita-Betreuung“, sagte die Landtagsabgeordnete Gabriele Theiß gestern in Potsdam. Im Bereich der drei- bis sechsjährigen Kinder habe man unter den ostdeutschen Bundesländern mit einem Fachkraft-Kind-Verhältnis von 1:11,3 den besten Betreuungsschlüssel. „Der von der Bertelsmann-Stiftung kritisierte Betreuungsschlüssel im Krippenbereich ist von uns im Sommer letzten Jahres – also nach Datenerhebung der Bertelsmann-Stiftung – nochmals verbessert worden.“ Neben dem Betreuungsschlüssel unternimmt Brandenburg in diesem Jahr mit der zusätzlichen Leitungsfreistellung und den Kiez-Kitas weitere wichtige Schritte zur Stärkung des Bildungsauftrages von Kitas.

Dagegen sieht der CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann in der Studie nur einen Beleg dafür, dass die „jüngsten Verbesserungen beim Personalschlüssel nicht mehr gewesen seien, als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.“ Die Landesregierung verweise oft zu recht darauf, dass es in Brandenburg mehr Kita-Plätze gebe als in den alten Bundesländern. „Doch die Bertelsmann-Studie zeigt uns einmal mehr, dass die Landesregierung ihr Versprechen guter Kita-Qualität noch immer nicht eingelöst hat“, so der Prignitzer Landtagsabgeordnete. Gerade vor dem Hintergrund des von der Landesregierung geplanten beitragsfreien letzten Kita-Jahres müsse man nun auf Qualität setzen.

Ähnlich äußerte sich die Bildungspolitikerin der Grünen, Marie-Luise von Halem: „Wir erkennen an, dass die Landesregierung sich hier um Verbesserungen bemüht hat, aber die reichen bei Weitem noch nicht aus.“ Weitere Anstrengungen bei der Schlüsselverbesserung seien dringend geboten. „Die schlechte Strukturqualität in den Brandenburger Kitas wird zunehmend zum Hindernis bei der Fachkräftegewinnung“, so von Halem. „Damit sich junge Menschen für diese Ausbildung entscheiden, müssen vor allem die zu betreuenden Gruppen kleiner werden.“ Da das alles Geld koste, trete man dafür ein, von den gut 300 Millionen Euro, die dem Land ab 2020 aus dem neuen Länderfinanzausgleich zusätzlich zustehen, mindestens 200 Millionen Euro in bessere frühkindliche Bildung zu investieren.

 

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