Deutsch-polnisches Grenzgebiet : Stopp an der Grenze für Rettungsdienste

Ben Mangelsdorf, Zentraler Wachbereichsleiter der Falck Notfallrettung und Krankentransport GmbH Spree-Neiße, steht an einem Grenzpfeiler. Im deutsch-polnischen Grenzgebiet hakt es m Rettungswesen es noch gewaltig an der Zusammenarbeit beider Länder.
Ben Mangelsdorf, Zentraler Wachbereichsleiter der Falck Notfallrettung und Krankentransport GmbH Spree-Neiße, steht an einem Grenzpfeiler. Im deutsch-polnischen Grenzgebiet hakt es m Rettungswesen es noch gewaltig an der Zusammenarbeit beider Länder.

Fahnder und Polizisten beider Länder arbeiten bereits zusammen, aber im Rettungswesen hakt es gewaltig.

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02. Januar 2019, 05:00 Uhr

Dass eine Staatsgrenze in Zeiten der EU noch ein echtes Hindernis sein kann, hat Ben Mangelsdorf immer wieder erlebt. Das Ganze klingt fast wie eine Posse: Nimmt der Rettungsassistent in Südbrandenburg einen polnischen Patienten auf und fährt Richtung Polen, ist an der Grenze Schluss. Ein polnischer Rettungswagen muss bestellt werden und der Patient umsteigen, wie Mangelsdorf berichtet. Bei der deutsch-polnischen Zusammenarbeit im Rettungswesen ist noch vieles unausgegoren. 2019 soll es etwas besser werden.

Situation seit 2004 etwas verbessert

An der Neiße-Grenzbrücke, die die Kleinstadt Guben (Spree-Neiße) mit dem polnischen Gubin verbindet, wartete Mangelsdorf nach eigenen Angaben häufig auf die polnischen Kollegen. „Manchmal zwanzig Minuten, manchmal eine Stunde.“ In der Nachbarstadt gebe es keinen Rettungswagen, der Anfahrtsweg sei deshalb länger. In seinem Rettungswagen lagen Patienten mit Brüchen oder mit Herz-Kreislauf-Beschwerden. Lebensgefährliche Notfälle seien aber nie darunter gewesen, betont Mangelsdorf als Zentraler Wachbereichsleiter der Falck Notfallrettung und Krankentransport GmbH Spree-Neiße. „Es ist kein Patient in den letzten Jahren zu Schaden gekommen.“ Die Situation habe sich etwas gebessert, nachdem 2004 die Europäische Krankenversicherungskarte eingeführt worden war. So können polnische Patienten leichter auch in hiesigen Krankenhäusern erstversorgt werden, wie Mangelsdorf erläutert.

Doch bei den Transporten heiße es bis heute: Stopp an der Grenze. „Wir fahren nicht rüber.“ Die Fachbereichsleiterin für Ordnung, Sicherheit und Verkehr beim Landkreis Spree-Neiße, Marlies Kulka, bestätigt das. „Das größte Hindernis besteht zur Zeit darin, dass die Rettungsdienste beiderseits der Grenze bei einem medizinischen Notfall nicht in das andere Staatsgebiet zur Rettung fahren dürfen.“ Die rechtliche Basis für die grenzüberschreitende Notfallrettung, die sich je nach Landkreis unterschiedlich darstellt, soll nun verbessert werden. Die Landkreise Märkisch-Oderland, Oder-Spree, Spree-Neiße und die Stadt Frankfurt (Oder) wollen 2019 eine Kooperationsvereinbarung zum grenzüberschreitenden Rettungsdienst mit der Wojewodschaft Lebuser Land abschließen, wie das Innenministerium in Potsdam mitteilt. „Zwischen den Landkreisen Uckermark und auch Märkisch-Oderland ist eine vergleichbare Kooperationsvereinbarung mit der Wojewodschaft Westpommern geplant.“

Es muss einiges getan werden

Aus Sicht polnischer Experten gibt es bei der Verbesserung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit der Rettungsdienste viel zu tun. „Die Frage ist, auf welchem Gebiet es da keine Probleme gibt“, sagt Andrzej Szmit, Leiter der regionalen Rettungsdienststelle in Gorzow Wielkopolski und Berater im Bereich Rettungsdienstwesen der Wojewodschaft Lebus. Bei der Logistik fange es an. So seien die Systeme zur Navigation und Dokumentation der Notfälle in den Fahrzeugen allein auf Polen beschränkt. Das System zeigt auf, wie man an einen Unfallort gelangen kann. Befinden sich die polnischen Helfer auf deutscher Seite, so können sie darauf nichts sehen, wie Szmit erläutert.

Inzwischen seien zwar einige Vorschriften zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit eingeführt worden, allerdings ließen sie viele Fragen offen. Als Beispiel nennt Szmit die Versicherung polnischer Kollegen für die Arbeit jenseits der Grenze. „Es ist unklar, wer sie wie versichert, wenn sie drüben im Einsatz sind.“ Auch Regelungen zur Medikamentenvergabe seien unklar. Rettungsassistenten in Polen hätten weitreichendere Berechtigungen als ihre deutschen Kollegen. Im konkreten Fall wissen sie nicht, ob sie einem Patienten in Deutschland das Medikament geben dürfen, das sie einem Patienten in Polen verabreichen würden, wie Szmit betont.

Das Problem mit der Sprache

Auch Sprachschwierigkeiten im Kontakt mit Kollegen und Patienten im jeweils anderen Land seien ein Problem. Dazu werde nun ein deutsch-polnisches Handbuch erarbeitet, sagt Szmit.

Von Sprachbarrieren spricht auch der Notfallmediziner Konrad Meissner von der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Greifswald. Er leitet das EU-Projekt „Integrierter grenzüberschreitender Rettungsdienst Pomerania/Brandenburg“, das Verbesserung bringen soll. Im Januar beginnen Sprachschulungen für deutsche und polnische Rettungsdienstmitarbeiter mit einem E-Learning-Programm, wie Meissner ankündigt. Im März soll es eine Konferenz zum Thema Luftrettung in Stettin geben. „Die Luftrettung ist zwischen Polen und Deutschland bisher vertraglich noch überhaupt nicht geregelt“, sagt der Mediziner.

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