„Katerfrühstück“ : Stipendium gegen Lehrermangel

Landlehrerstipendium, beitragsfreies Kitajahr und Strukturwandel in der Lausitz: Die Linken-Fraktion mit ihrem Chef Ralf Christoffers gab einen Ausblick auf 2018.
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Landlehrerstipendium, beitragsfreies Kitajahr und Strukturwandel in der Lausitz: Die Linken-Fraktion mit ihrem Chef Ralf Christoffers gab einen Ausblick auf 2018.

Die Linke unterstützt Studenten, die einen Lehramtsstudiengang belegen und sich anschließend verpflichten, auf dem Land zu unterrichten

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05. Januar 2018, 05:00 Uhr

Brandenburgs Linksfraktion will mit einem Stipendium den Lehrermangel auf dem Land bekämpfen: Studenten, die einen Lehramtsstudiengang belegen und sich verpflichten, anschließend drei bis fünf Jahre an einer Schule im ländlichen Raum zu arbeiten, sollen während ihres Masterstudiums 500 Euro pro Monat als Anreiz erhalten. Das kündigte die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Kathrin Dannenberg, beim traditionellen „Katerfrühstück“ der Fraktion für Journalisten gestern in Potsdam an. Zudem solle ein Runder Tisch zur Bildung geschaffen werden, an dem Vertreter der beteiligten Ministerien und der Landkreise über ein „Willkommensmanagement für Lehrkräfte“ beraten sollen.

Einen ähnlichen Vorschlag hatten 2016 bereits CDU und Grüne in den Landtag eingebracht. Ihr „Landlehrerstipendium“ ging damals von 300 Euro pro Monat aus. Der Landtag lehnte den Antrag ab, beschloss aber, das Thema prüfen zu lassen. In einer ersten Reaktion zeigte sich der CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann überrascht. „Da kann ich nur sagen, Opposition wirkt“, so Hoffmann gegenüber dem „Prignitzer“. „Wir unterstützen die Sache und freuen uns, dass da nun Bewegung hineinkommt.“ Allerdings müsse man auch festhalten, dass heute schon die ersten Studenten von dem Stipendium profitieren könnten, wenn die rot-rote Regierungskoalition diesen Vorschlag nicht aus „alten Ritualen“ abgelehnt hätte.

Auch der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Günther Fuchs, begrüßte den Ansatz der Linken. „Es ist ein Mosaiksteinchen, um Lehrkräfte zu gewinnen“, sagte Fuchs. Allerdings sollte man davon ausgehen, dass es einige Jahre dauern werde, bis eine Wirkung dieses Konzepts erkennbar werde. „Aber ich begrüße natürlich, wenn die Koalition nun auf einen Vorschlag der GEW einschwenkt.“ Doch damit die Koalition einschwenken kann, braucht es mehr als nur einen Partner. „Der Bildungsausschuss wird sich Mitte Januar mit einem Zwischenbericht des Bildungsministeriums zur Gewinnung von Lehrkräften in ländlichen Räumen, Strategien zur Beseitigung des Mangels an Fachlehrkräften in der Fläche und einer fachlichen Bewertung des Landlehrerstipendiums befassen“, sagte die SPD-Bildungsexpertin Simona Koß. „Wichtiger als alle anderen Maßnahmen ist aber, dass alle Bundesländer ihre Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte erhöhen.“ Nur so könne langfristig der bundesweit existierende Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern gedeckt werden. „Sonst wird es zum einem Hase-und-Igel-Spiel bei der Lehrereinstellung kommen, das so keiner wollen kann.“ Die SPD werde aber alle „Maßnahmen und Vorschläge prüfen, die verlässlich und dauerhaft mehr Lehrerinnen und Lehrer an unsere Schulen bringen.“

Ein grobes Konzept stellten die Linken auch für den Einstieg in das beitragsfreie letzte Kitajahr vor. Mit 15 Millionen Euro im Doppelhaushalt 17/18 und weiteren zehn Millionen Euro in dem im Frühjahr zu verabschiedenden Nachtragshaushalt ist der Einstieg in die Beitragsfreiheit im Prinzip umgesetzt – die Frage ist nun, wie das praktisch realisiert werden soll. Denn in Brandenburg gibt es nach Angaben des Fraktionsvorsitzenden Ralf Christoffers rund 750 unterschiedliche Kita-Satzungen mit entsprechend verschiedenen Beitragshöhen. „Es wird keine Lösung geben, die alle zufriedenstellt“, machte Christoffers deutlich. Man werde vermutlich einen Durchschnittswert aus den Kita-Kosten aller Kitas bilden, der dann erstattet werde. Was im Klartext heißt: Wer sein Kind an den teuersten Kitas des Landes hat, erhält möglicherweise nicht alles erstattet. Für „spezielle Situationen“ solle es allerdings eine Härtefallklausel geben.



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