„Tweed Ride“ in Müllrose : Stilvoll und gemütlich radeln

Robert Heinrichs (l.) und Reno Hölzke mit Fahrrädern aus den 1920er-Jahren vor dem Schützenhaus Müllrose.
Foto:
Robert Heinrichs (l.) und Reno Hölzke mit Fahrrädern aus den 1920er-Jahren vor dem Schützenhaus Müllrose.

Der Trend aus England erobert auch Festland-Europa. In Müllrose findet nun am 20. Mai der erste „Tweed Ride“ statt

svz.de von
14. Mai 2018, 12:00 Uhr

„Manchmal ist das Leben ganz schön leicht, zwei Räder und ein Lenker, und das reicht.“ So besingt Max Raabe im gleichnamigen Song das „Fahrrad fahr’n“. Das Lied wird am Pfingstsonntag vor dem Schützenhaus in Müllrose erklingen, genauso wie die eine oder andere Weise von Hildegard Knef. Denn am 20. Mai gibt es eine Zeitreise der besonderen Art: Möglichst schick gekleidet auf möglichst alten Fahrrädern durch das Schlaubetal. Oben herum elegant, untenrum weite Knickerbocker-Hosen, das ist der alte englische Stil beim Radfahren.

Aber alles kann, nichts muss, beruhigt Veranstalter Reno Hölzke mit Blick auf das Equipment. „Wer bei Opa im Schuppen kein altes Rad findet, ist trotzdem willkommen.“ Ein gemütliches Beisammensein, darum geht es beim ersten Müllrose Tweed Ride. „Auch E-Bikes werden geduldet.“

Reno Hölzke ist als Fan der englischen Lebensart in London auf den Trend aufmerksam geworden. Nostalgisch anmutende Radtouren im Stile der 1920er-Jahre erfreuen sich inzwischen nicht nur dort immer größerer Beliebtheit. Viele deutsche Städte haben nachgezogen. „Das passt auch hervorragend zu Müllrose“, ist Hölzke aufgefallen. „Wir haben tolle Radwege und eine Radsporttradition.“ Er will aber auch zeigen, dass leidenschaftliches Radfahren mehr ist als die Jagd nach Geschwindigkeit auf immer moderneren und leichteren Rädern.

Also hat er sich an die Organisation eines historischen Radtreffens gemacht. Eine professionell gestaltete Internetseite wirbt schon seit einigen Wochen für das Spektakel. Mit dem Schützenhaus gibt es eine gute Adresse, bei der die 15 Kilometer lange Tour um 11 Uhr anfängt und dann auch endet, um anschließend bei Speisen und Getränken zum noch gemütlicheren Teil des Tages überzugehen. Pausen unterwegs gibt es unter anderem an der Ragower Mühle.

Für zehn Euro Startgebühr können Rad-Fans ohne Voranmeldung dabei sein. „Jeder bekommt eine Startnummer und ein schönes Tuch“, erklärt Hölzke. Die Einnahmen des Veranstalters werden für soziale Projekte in Müllrose gespendet, auch das in guter, englischer Tradition. Preise gibt es im Anschluss an die Tour für den schönsten Bart, die am besten gekleideten Damen und Herren sowie für den Besitzer des ältesten Fahrrads im Peleton.

Außer Konkurrenz tritt dabei ein Mann an, dessen Geschäft der Handel mit besonders alten Drahteseln ist. Robert Heinrichs hat in seinem Laden „Histokrad“ in Teltow 120 historisch wertvolle Räder im Angebot. Für den Müllrose Tweed Ride bringt er 40 von ihnen mit ins Schützenhaus, aber nur als Ausstellungsstücke. Knapp 1000 Euro kostet in seinem Laden ein fahrtüchtiges Tourenrad von anno 1926 – nur original mit Karbidlampe, Stempelbremse und Sturmklingel, die über ein Rädchen zum Läuten gebracht wird, das am Reifen Schwung holt.

Technische Schmankerl, längst ausgestorben, aber zum Tweed Ride geraten sie wieder in den Blickpunkt. Gelegenheit für Rad-Liebhaber zum Fachsimpeln. Reno Hölzke betont: „Wichtiger als die Radtour selbst ist das Davor und Danach.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen