Cottbus : Sternmarsch gegen Gewalt

Viele Cottbuser demonstrierten für Toleranz und eingewaltfreies Miteinander.
Viele Cottbuser demonstrierten für Toleranz und eingewaltfreies Miteinander.

Cottbuser Bürger setzen ein Zeichen für friedliches Miteinander und die Integration von Flüchtlingen – Weitere Aktionen angekündigt

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16. Februar 2018, 05:00 Uhr

Mehrere Tausend Menschen haben gestern mit einem Sternmarsch in Cottbus ein Zeichen für Frieden nach der Gewalt zwischen Deutschen und Flüchtlingen in der Stadt gesetzt. Aus verschiedenen Richtungen kamen Gruppen zur Oberkirche in der Innenstadt. Aufgerufen hatte der Verein „Cottbuser Aufbruch“. Auch vielee Landespolitiker beteiligten sich, darunter Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), Finanzminister und Linken-Chef Christian Görke, Sozialministerin Diana Golze (Linke) und Brandenburgs CDU-Chef Ingo Senftleben.

Bei einer Kundgebung auf dem Vorplatz der Kirche betonte der evangelische Bischof Markus Dröge, dass es in Cottbus ein großes Engagement bei der Integration von Flüchtlingen gebe. Der Oberbürgermeister der Stadt, Holger Kelch (CDU), sagte mit Blick auf die gewalttätigen Auseinandersetzungen: „Wir sind nicht gespalten, wir sind vereint.“ Er sei überzeugt, dass die eingeleiteten Maßnahmen erfolgreich sein werden, so Kelch.

Nachdem in den vergangenen Monaten wiederholt Angriffe auf Flüchtlinge und Angriffe von Flüchtlingen für Aufsehen gesorgt hatten, wurde die Polizeipräsenz in Cottbus verstärkt. Zudem soll es mehr Sozialarbeiter in der Stadt geben.

Viele Menschen in Cottbus fürchten, dass das Image der Stadt dauerhaft leiden könnte. Mit dem Sternmarsch am Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg sollte ein Zeichen des friedlichen Miteinanders gesetzt werden.

Seit Jahren wird am 15. Februar mit einer Demonstration an den Jahrestag der Bombardierung erinnert. Diese war vor Jahren als Gegenpol zu rechten Aufmärschen initiiert worden.

Ingo Senftleben dankte dem Verein Cottbuser Aufbruch und allen Beteiligten für die Organisation des jährlichen Sternmarsches und den Teilnehmern für ihr Erscheinen. „Wir stehen alle in der Pflicht, uns immer wieder für ein friedliches und soziales Zusammenleben aller Menschen in Brandenburg einzusetzen. Die Organisatoren und Teilnehmer des Sternmarsches gehen da mit gutem Beispiel voran.“

Der Zusammenschluss wichtiger Institutionen in Cottbus für eine weltoffene Stadt soll dauerhaft bestehen. Unter dem Motto „Cottbus ist bunt“ soll es in den nächsten Monaten weitere Aktionen und Begegnungen geben, kündigte der Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, Jörg Steinbach an. Ziel sei, ein anderes Gesicht von Cottbus zu zeigen. Am Dienstag hatte es ein erstes Fußball-Freundschaftsspiel mit Studenten und dem Nachwuchs des Regionalligisten FC Energie Cottbus gegeben. 300 Zuschauer und Fans kamen.

Am Bündnis sind unter anderen das Staatstheater, das Carl-Thiem-Klinikum, der Tagebaubetreiber Leag und das Stadtmarketing beteiligt.

Brandenburgs früherer Regierungschef Manfred Stolpe (SPD) hat angesichts von Protesten gegen Flüchtlinge in Cottbus Sorgen, dass positive Entwicklungen nicht wahrgenommen werden. „Viele Menschen fühlen sich benachteiligt, aber auch in Cottbus ist sehr viel Gutes geschehen. Die Stadt hat mehr Geflüchtete aufgenommen, als sie nach den Vorgaben hätte aufnehmen müssen. Das war ein starkes Stück Solidarität“, so Stolpe. Das müsse organisiert werden und erfordere von allen Beteiligten höchste Anstrengungen.

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