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Tierquälerei : Stellas Leid dauerte mehr als zwei Jahre

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Anke Drohla musste schon viele Tiere leiden sehen. In den zehn Jahren, in denen sich die 43-Jährige nun schon beim Potsdamer Tierschutzverein engagiert, hatte sie es fast täglich mit irgendeiner Art von Tierquälerei zu tun.

Anke Drohla musste schon viele Tiere leiden sehen. In den zehn Jahren, in denen sich die 43-Jährige nun schon beim Potsdamer Tierschutzverein engagiert, hatte sie es fast täglich mit irgendeiner Art von Tierquälerei zu tun. Dabei sind ihr manche Schicksale besonders in Erinnerung geblieben – auch das der Mischlingshündin Stella, das nun ein juristisches Nachspiel erlebte. Gestern musste sich nun der einstige Halter der Hündin wegen Misshandlung des Tieres vor dem Amtsgericht Potsdam verantworten. Anke Drohla sagte als Zeugin aus.

„Die Hündin hat sehr gelitten“, erzählt sie. Sie sei schon 15 Jahre alt und schwer krank gewesen, habe unter anderem mit einer schmerzhaften Arthrose leben müssen und kaum mehr laufen können. Ein Nachbar des Besitzers hat Stellas Leid beobachtet. Er informierte schließlich den Tierschutzverein. Normalerweise hätte das Tier sofort eingeschläfert werden müssen, meint Drohla. Doch zunächst passierte nichts. „Das Ganze zog sich über zwei Jahre hin. Dem Tier ging es immer schlechter“, berichtet sie. In all der Zeit sei an den Halter kaum ranzukommen gewesen. Anrufe und Briefe blieben unbeantwortet. Nur ein Mal habe er ihr die Wohnungstür geöffnet. Bei der Gelegenheit habe sie auch Stella gesehen und ihrem Besitzer angeboten, dass ihr Verein die Kosten für einen Tierarzt, für einen Hundewagen und Medikamente übernimmt. „Er hat den Hund geliebt, aber alles abgelehnt.“ Über den Grund kann Drohla nur spekulieren. „Das ist ein schwieriger Mensch.“ Sie spricht davon, dass der 47-Jährige einer gewissen Szene angehört, von Drogen- und Alkoholmissbrauch.

Der Tierschutzverein hatte den Fall dem Veterinäramt gemeldet. „Aber die Mitarbeiter sind auch nicht an den Mann rangekommen.“ Irgendwann haben aber Polizei und Ordnungsamt durchgegriffen. Im Februar 2013 holten sie das Tier aus der Wohnung. Stella wurde eingeschläfert. Ihr früherer Besitzer muss sich nun wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verantworten. Vor Gericht erschien er nicht. Richter Francois Eckardt verkündete den Strafbefehl dennoch. 60 Tagessätze à 15 Euro soll der Hartz-IV-Empfänger bezahlen.

Das Schicksal von Stella ist kein Einzelfall. Vor drei Jahren hat der Potsdamer Tierschutzverein eine Notfall-Datenbank ins Leben gerufen. „Wir haben schon über 800 Einträge“, berichtet Anke Drohla. „Wir beobachten immer häufiger, dass Tiere Opfer von sozial schwachen Besitzern werden“ – vor allem bei Hunden und Katzen. „Sie werden vernachlässigt, weil sich die Halter den Tierarzt und Medikamente nicht leisten können.“ Der Verein könne nur in gewissen Grenzen tätig werden. „Man ist oft hilflos, weil man sich an die Vorschriften halten muss. Bis die Behörden einschreiten, vergehen mitunter Jahre.“

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erstellt am 20.Jan.2014 | 22:15 Uhr

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