Schmuckstück für neue Dauerausstellung in Neuzelle : Steinsdorfer Altar wird restauriert

Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung hält eine Heiligenfigur in der Hand.
Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung hält eine Heiligenfigur in der Hand.

Der mittelalterliche Schrein wird für die neue Dauerausstellung in Neuzelle gesäubert und wieder schön gemacht

svz.de von
03. März 2018, 05:00 Uhr

Der Staub der Jahrhunderte ist den 14 mittelalterlichen Relief-Figuren aus Lindenholz deutlich anzusehen. Die Farben der Gesichter und Gewänder sind verblasst oder lösen sich ab. Es gibt Wurmstiche und Fehlstellen, die ausgebessert oder ergänzt werden müssen. Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung hat die kunsthistorisch wertvollen Heiligenschnitzereien des Steinsdorfer Altars dazu aus ihrem Rahmen genommen.

„Dabei handelt es sich um den Altarschrein aus Kiefernholz, 2,50 Meter breit und etwa 1,50 Meter hoch. Er stammt nicht aus der Entstehungszeit im 14. und 15. Jahrhundert, sondern entstand mindestens drei Jahrhunderte später“, erläutert die 45-Jährige.

Zu der Zeit stand der Altar, von dem niemand weiß, wer ihn geschaffen hat, schon lange nicht mehr am angestammten Platz in der Steinsdorfer Dorfkirche, hat sie herausgefunden. „Die evangelische Kirchengemeinde fand ihn im 19. Jahrhundert unansehnlich und nicht mehr zeitgemäß. Sie verkaufte ihn für neun Silbergroschen an den damaligen katholischen Pfarrer in Neuzelle.“

Kaplan Robert Krause soll den Altarschrein und zwei fehlende Figuren erneuert haben. In der Schiefen Kapelle, so genannt wegen der schrägen Rückwand, die sich gegen einen Hang stemmt, hatte der Altar zwischenzeitlich sein Domizil. Das Gebäude steht nicht auf dem eigentlichen Klosterareal, gehört aber dazu.

Nach Recherchen der Restauratorin war die Kapelle zu Ehren der Zisterziensermönche erbaut worden, die der Brandschatzung des Neuzeller Klosters durch die Hussiten 1429 und 1431 zum Opfer gefallen waren. Also, so sagt sie, gehöre der gotische Steinsdorfer Altar aufgrund seiner Geschichte doch irgendwie zum Kloster Neuzelle und sei noch immer Eigentum der örtlichen katholischen Kirchengemeinde mit ihren 530 Mitgliedern.

Pfarrer Ansgar Florian kann diese Angaben bestätigen. Nicht mehr zeitgemäß sei der Altar für die Steinsdorfer gewesen, weil sie nach der Reformation nicht mehr der katholischen, sondern der evangelischen Kirche angehörten, erläutert er.

Die zwölf kleineren, etwa 40 Zentimeter großen Figuren auf dem Werkstatttisch von Schmidt-Breitung zieren eigentlich die beiden Seitenflügel des Altars. Im Hauptschrein standen drei jeweils 78 Zentimeter große Figuren, ein weiterer Heiliger und ein Bischof, die ursprünglich die Madonna mit dem Kind auf dem Arm flankierten. Diese mittlere Skulptur ist seit Jahren in einer Glasvitrine im Kreuzgang des Klosters ausgestellt. Die Dauerschau dort wird gegenwärtig überarbeitet und soll am 18. Mai anlässlich des 750. Kloster-Gründungsjubiläums wieder eröffnet werden, dann mit dem kompletten Steinsdorfer Altar als Exponat.

Aus der Zeit des Mittelalters findet sich kaum noch etwas im Kloster Neuzelle, da die Anlage im 17. und 18. Jahrhundert barock überformt worden war. „Ohnehin sind Original-Exponate aus der Klostergeschichte rar, die 1268 mit der Ansiedlung von Zisterziensermönchen begründet und 1817 mit der Auflösung des Klosters zunächst beendet worden war“, sagt Walter Ederer, Marketingdirektor der Stiftung Stift Neuzelle.

Der katholische Pfarrer Florian freut sich, dass der Steinsdorfer Altar nach Jahrzehnten in Archiven wieder öffentlich zu sehen sein wird. „Er gerät in der Ausstellung wieder in Erinnerung – vielleicht ein Anstoß, um diese gotische Zeitzeugnis auch einmal komplett zu restaurieren“, hofft er.

Bis Ende April, schätzt Schmidt-Breitung, werden sie und ihr Kollege Christoph Schröter im Auftrag der Stiftung am Steinsdorfer Altar noch zu tun haben. „Für eine Komplett-Restaurierung fehlen Zeit und Geld“, macht sie deutlich. Sie füge die einzelnen Teile wieder zusammen, verleime und festige sie.

Dem Staub der Jahrhunderte rückt die Expertin mit Wattestäbchen und Lösungsmittel oder Spucke zu Leibe. „Das nennt sich eigentlich enzymatisches Reinigen und schafft viel mehr Dreck als Wasser beispielsweise“, erzählt die gebürtige Sächsin, die die historische Klosteranlage Neuzelle so gut kennt wie kaum jemand sonst.

1998 begann Schmidt-Breitung als eine von mehreren Fachleuten mit der Restaurierung der Josephskapelle, einem barocken Anbau der katholischen Stiftskirche. Ihr erster eigener Auftrag war 2005 die farbliche Untersuchung des Kloster-Kreuzganges, bei der sie verborgene Pforten, geheime Inschriften und übermalte Wandgemälde entdeckte. „Dorothee ist die restauratorische Seele unserer Arbeit in der Klosteranlage“, sagt Marketingdirektor Ederer. Mit anderen Fachleuten restaurierte sie den barocken Altar der Neuzeller Pfarrkirche „Zum heiligen Kreuz“. Außerdem erhielt das 20 Quadratmeter große Widmungsbild in der Vorhalle der katholischen Stiftskirche durch sie neuen Glanz.

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