Eintauchen in Vergangenheit : Stefan Hornbach ist neuer Beeskower Burgschreiber

Stefan Hornbach ist für fünf Monate der neue Burgschreiber von Beeskow.
Stefan Hornbach ist für fünf Monate der neue Burgschreiber von Beeskow.

Eine Kleinstadt und eine Burg umgeben von der Spree / Perfekt für einen Roman über die Vergangenheit

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10. Oktober 2019, 05:00 Uhr

Mit einer Tasse Kaffee und einem handgeschriebenen Brief startet der neue Burgschreiber von Beeskow, Stefan Hornbach, in den Tag. Fünf Monate lang wird der Schriftsteller, der sonst in Berlin lebt, in dem historischen Ambiente der Burg im Kreis Oder-Spree wohnen und arbeiten. „Ich werde meinen ersten Roman beenden“, sagte Hornbach, der am Freitag offiziell sein Amt antritt. Dabei liest er aus dem Romanmanuskript und seinen bisherigen Theaterstücken vor. „Ich habe bereits einen Spaziergang durch Beeskow gemacht und die Kunstausstellung besucht“, sagte Hornbach über seinen neuen Wohnort.„Hier werde ich endlich Zeit zum Schreiben haben.“

Die Jury, die ihn als 27. Burgschreiber auswählte, überzeugte er mit emotionalen, dynamischen und kraftvollen Texten, hieß es vom Kultur- und Ausstellungszentrum Burg Beeskow. „Ich habe mich sehr gefreut, hierher zu kommen“, sagte er. Die nächsten fünf Monate wird der Autor in der 8500-Einwohner-Stadt leben und arbeiten. 1000 Euro erhalte er monatlich.

Hornbach studierte Theaterwissenschaften, Psychologie, Neuere deutsche Literatur und Schauspiel. Heute ist er Teil der Theater- und Filmgruppe „Kollektiv Eins“. Mit seinem Theaterstück „Über meine Leiche“ gewann er 2015 den Osnabrücker Dramatikerpreis. Hornbach wirkte an Produktionen unter anderem im Deutschen Theater Berlin, Burgtheater Wien und Theater Osnabrück mit. Bisher schrieb der 1986 in Speyer geborene Autor hauptsächlich Theaterstücke. Sein Roman wird gleichzeitig auch Abschlussprojekt für seinen Masterstudiengang „Literarisches Schreiben“ in Leipzig sein.

Ab 17.00 Uhr ist er täglich allein auf der Burg. „Um der Einsamkeit entgegenzuwirken, werde ich einige neue Rituale ausprobieren“, entschied er für sich. „Ich muss mich strukturieren.“ Beim Morgenkaffee wolle er täglich einen Brief an eine andere Person schreiben – „ganz altmodisch mit der Hand“. Daraus könne sich vielleicht ein weiteres Projekt entwickeln. Für den Roman werde er aber den Laptop nutzen. In dem Werk gehe es um Themen wie Heimat, Jugend und den Umgang mit der eigenen Vergangenheit.

Laut Hornbach gibt es einen Grund, warum es ihn gerade nach Beeskow zieht. Ein alter Studienfreund komme von dort. Der habe ihm Geschichten aus der Jugend erzählt. Danach habe er sich den Ort „rauer und dreckiger“ vorgestellt. „Der Burghof wirkt freundlich. Die Sonne strahlt, die Burg ist hell, die Wohnung modern und alle sind freundlich“, sagte er begeistert. „Ich wohne auf einer Spreeinsel umgeben von Wasser.“ Es gibt auch auf anderen Burgen in Deutschland Schreiber - zum Beispiel als „Burgenblogger“ auf der Burg Sooneck in Rheinland-Pfalz, derzeit ist es Mareike Knevels.

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