zur Navigation springen

Fachkräftemangel : Starthilfe für junge Meister

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Viele Handwerker suchen aus Altersgründen Nachfolger. Mehrere Länder wollen mit finanziellen Anreizen ein Firmensterben verhindern.

svz.de von
erstellt am 31.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Werkzeug, ein gebrauchter Transporter und einige Büromöbel: Der kleine Meisterbetrieb von zwei Elektronikern in Spremberg (Spree-Neiße) ist noch ganz jung. Seit Jahresbeginn arbeiten René Pabst und Thomas Krause am Aufbau ihrer Zwei-Mann-Firma, erste Kundenaufträge gibt es schon. Die Erstausstattung konnten sie sich auch deshalb leisten, weil sie vom Land Brandenburg eine Prämie für die Gründung eines Meisterbetriebes im Handwerk erhielten. Andere Bundesländer bieten ebenfalls Förderprogramme an – auch für die Übernahme einer bestehenden Handwerksfirma. Das hat seinen Grund: In Deutschland suchen viele Firmen in den kommenden Jahren aus Altersgründen händeringend Nachfolger.

Die zwei Meister sitzen in Arbeitskleidung in einem kleinen Bürozimmer und organisieren Termine. Vor einiger Zeit hatten sie sich für das Förderprogramm „Meistergründungsprämie“ des Potsdamer Wirtschaftsministeriums angemeldet. Pro Meister gibt es nach Angaben der Investitionsbank des Landes einen Zuschuss von bis zu 8700 Euro. Schaffen die zwei Männer Arbeitsplätze, gibt es sogar noch etwas obendrauf. Seit der Einführung im Herbst 2015 wurden bis Ende 2016 in Brandenburg 110 Anträge gestellt. Das Wirtschaftsministerium wertet dies als Erfolg.

Wie wäre der Firmenstart verlaufen, wenn es die Prämie nicht geben würde? „Wir hätten unser Darlehen hochschrauben müssen“, sagt Elektroniker Pabst. „Und das gebrauchte Auto wäre älter und damit preiswerter gewesen“, ergänzt sein Kollege Krause. Das Geld strecken die beiden vor und reichen später die Rechnungen ein.

Im deutschen Handwerk zeichnet sich schon seit Längerem ein großes Problem ab. Etwa 180 000 Betriebe suchen nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) bis zum Jahr 2020 eine Nachfolge, in der Regel aus Altersgründen. Es drohe der Verlust von Wissen und wichtiger Infrastruktur gerade im ländlichen Raum, wenn die Firmen keinen Nachfolger finden. Die Suche gestalte sich häufig schwierig.

Experten gehen davon aus, dass mit den Zuschüssen und Prämien für Meister etwas gegengesteuert werden kann. Im Bereich der Handwerkskammer Cottbus zum Beispiel gingen im zweiten Halbjahr 2016 22 Meister in die Selbstständigkeit. Es sei erkennbar, dass das Förderprogramm mehr in Anspruch genommen werde, heißt es bei der Kammer. Zugleich kritisierten aber einige Meister, dass der bürokratische Aufwand für den Mittelabruf sehr aufwendig sei.

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, Burghard Grupe, sagt: „Die Meistergründungsprämie ist ein Instrument, das den Nachwuchsmangel bei der Unternehmensübergabe abmildern kann.“ Er betont aber zugleich: „Lösen kann sie ihn nicht.“ In dem Bundesland gab es bislang die Unterstützung von Meistern bei der Existenzgründung nicht, sie ist aber nunmehr in Planung.

Mehrere Länder setzen auf die Förderung von Meistern, wenn sie Firmen gründen. Der ZDH zählt neben Brandenburg Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf. In Mecklenburg-Vorpommern wurden nach Landesangaben ähnliche Instrumente entwickelt. Neben der Meisterprämie, bei der ein Zuschuss von 7500 Euro bei einer Unternehmensnachfolge an Handwerks- und Industriemeister gezahlt wird, erhalten Meisterabsolventen das „Meister-Extra“ von 1000 Euro. Der Betrag werde für dieses Jahr auf 2000 Euro aufgestockt, hieß es.

Eine Existenzgründungsprämie an den Meister zu binden, ist aus Sicht des Verbands ZDH sinnvoll, da Gründungen im Handwerk ohne Meisterqualifikation in der Vergangenheit häufiger scheiterten. Es gebe – vor allem seit 2004 mit der Aufhebung der Meisterpflicht für viele Gewerke und in zulassungsfreien Handwerken – einen Trend zu Neugründungen mit geringer Lebensdauer. Der Verband führt das auch auf eine „unzureichende Qualifikation der Gründer“ zurück – „aufgrund fehlender Meisterprüfung“.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen