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Allergiepflanze in Brandenburg : Städte kämpfen gegen Ambrosia

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Husten, tränende Augen und Hautrötungen: Die Allergiepflanze Ambrosia blüht wieder. Klimawandel könnte das Problem verschärfen

Auf einem Haus in einem Gewerbegebiet im Spreewald steht eine kleine Messanlage. Das Gerät in der Kleinstadt Vetschau saugt Pollen an und prüft, wie hoch deren Konzentration in der Luft ist. Die Stadt erwartet davon Erkenntnisse, ob die Bekämpfung der Ambrosia-Pflanze erfolgreich ist. Ihre Blütezeit hat vielerorts in Deutschland begonnen. Für Allergiker kann das heißen: Asthma, tränende Augen, Hautrötungen.

Der Klimawandel könnte nach Experten-Einschätzung das Problem in Deutschland verschärfen. „Es ist eine Sisyphos-Arbeit“, beklagt die Vetschauer Fachbereichsleiterin Nadine Wegner, wenn sie über die Bekämpfung der Ambrosia-Pflanze spricht. Sie steht an einem Sonnenblumenfeld am Rande der Niederlausitzer Stadt und zeigt auf den Boden. Überall ist die Pflanze zu sehen. Sie sieht ähnlich aus wie Beifuß oder Möhren-Kraut. Die Stängel haben überall weiße Haare.

Seit Jahren lässt die Stadt viele der Pflanzen auf Äckern, Straßenrändern und sogar in Wohngebieten herausreißen, bevor sie blühen. Ein-Euro-Jobber fahren als Scouts durch die Stadt und melden Vorkommnisse. „Und wir gehen auf die Bevölkerung zu und bitten Grundstückseigentümer, Ambrosia von ihren Privatgrundstücken zu entfernen.“ Mit Handschuhen und während der Blütezeit sogar mit Mundschutz. Dennoch geht die Stadt davon aus, dass sich die Lage in diesem Jahr verschärfen wird. „Auf dem Sonnenblumenfeld zum Beispiel wuchs Ambrosia letztes Jahr noch nicht“, sagt Wegner. Viele Bürger hätten auch schon Funde gemeldet.

Nach Angaben des Julius Kühn-Instituts ist die Niederlausitz deutschlandweit das von Ambrosia am schlimmsten betroffene Gebiet. „Die Niederlausitz ist auch die einzige Region, wo Ambrosia großflächig auch als Ackerunkraut vorkommt“, sagt Experte Uwe Starfinger von dem Bundesforschungsinstitut in Braunschweig. Ambrosia sei in Deutschland überwiegend eine Pflanze der Straßenränder und nicht bewirtschafteten Flächen in Städten.

Die Pflanze wurde vor mehr als 150 Jahren aus Nordamerika nach Deutschland eingeschleppt. Als ein Verbreitungsweg galt seither verunreinigtes Vogelfutter.

Ambrosia-Vorkommen seien in Regionen größer, in denen es vergleichsweise warm ist. „Die Pflanze ist eine einjährige Art. Das heißt, sie kann nur an derselben Stelle wiederkommen, wenn sie reife Samen produziert hat - dafür braucht sie eine gewisse Wärme zwischen der Blüte und dem Absterben der Pflanze“, sagt Starfinger. Daher geht das Institut davon aus, dass der Klimawandel zu einer verstärkten Ausbreitung auch in Norddeutschland führen könnte.

Vetschau würde gern mehr tun, aber das Geld fehlt, wie Wegner sagt. Sie fordert mehr Hilfe vom Land. Zwar gebe es Lottomittel für Sachkosten wie das Pollenmessgerät, Arbeitsschutzkleidung und die Entsorgungskosten. Der große Batzen mache aber die Personalkosten aus, und das könne die Stadt mit einem Haushaltsdefizit von rund vier Millionen Euro im Jahr 2016 nicht stemmen. Im nahen Drebkau, wo auch ein Pollenmessgerät steht, fordert man ebenfalls mehr finanzielle Hilfe vom Land.

In dieser Kleinstadt gibt es ein weiteres Problem: Es fehlt Personal, wie Bürgermeister Dietmar Horke (parteilos) beklagt. Bisher hätten Arbeitskräfte - finanziert über das Jobcenter - an Feldern und Straßenrändern Ambrosia herausgerissen. Doch in diesem Jahr habe es noch keinen Einsatz gegeben. Für Horke steht deshalb fest: Ambrosia wird sich in der Stadt weiter ausbreiten.

In Deutschland gibt laut Julius Kühn-Institut keine bundeseinheitliche Regelung zur Ambrosia-Bekämpfung, die es per gesetzlicher Verordnung etwa Behörden ermöglichen würde, eine Beseitigung in Städten anzuordnen. Dann müssten Eigentümer von Flächen aktiv werden, bislang geschieht das auf freiwilliger Basis, wie Starfinger erläutert.  

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