Kirche : Stäblein übernimmt Bischofsamt

Christian Stäblein
Christian Stäblein

Neue Angebote sollen den Mitgliederschwund in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz stoppen

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16. November 2019, 05:00 Uhr

Er will ein Zuhörer sein. Ein Hingucker. Und er will bei den Menschen sein. Am heutigen Sonnabend wird der 52-jährige Christian Stäblein in einem Fernsehgottesdienst in der Berliner Marienkirche am Alexanderplatz in das Amt des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz eingeführt. Im April hatte ihn die Landessynode zum Nachfolger von Markus Dröge gewählt, der aus Altersgründen aus dem Amt scheidet.

Geboren wurde der neue Bischof in Niedersachsen. Seine Stiefmutter ist die frühere ostfriesische Landessuperintendentin Oda-Gebbine Hölze-Stäblein. Christian Stäblein wollte sich erst etwas abnabeln, studierte Jura, fand dann den Weg zur Theologie. Er wurde Pfarrer in Nienburg, leitete das Predigerseminar im Kloster Loccum. Seit 2015 ist Stäblein Propst im Berliner Konsistorium, also der theologische Leiter der Berliner Kirchenverwaltung. Weswegen er die Landeskirche schon wie seine Westentasche kennt: Er predigte bei Dorfkirchenjubiläen, besuchte Kreissynoden. Und er denkt über die Zukunft der Kirche nach: Stäblein will das Abendmahl für Suchende öffnen und brachte eine ruhende Kirchenmitgliedschaft für Menschen, die eigentlich ganz austreten wollen, ins Gespräch.

Denn die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz steht vor großen Zukunftsfragen. Seit 2004 hat sie 300 000 Gemeindeglieder verloren, zählt nur noch 940 000 Gläubige. Deswegen kündigte Christian Stäblein kürzlich an, als Bischof vor allem die 18- bis 35-Jährigen in den Blick nehmen zu wollen. „Wir wissen alle: Die Kirche ist im Strukturwandel“, sagt Stäblein. Weiße Flecken werde es auch künftig nicht geben: Überall in Berlin, Brandenburg und Ostsachsen werden die Kirchenmitglieder Taufen, Trauungen und Bestattungen in Anspruch nehmen können. „Aber das Netz des parochialen Systems wird immer weiter“, sagt Stäblein. Wichtiger werden für den neuen Bischof andere Orte, an denen die Kirche in der Gesellschaft präsent ist, etwa evangelische Schulen.

Fortsetzen will Stäblein den Kurs seines Vorgängers Markus Dröge, der vor allem durch seine Abgrenzung zur AfD bekannt wurde. Die antisemitischen Anschläge von Halle hätten ihn schockiert. Nach dem offenen Antisemitismus der letzten Zeit stelle sich ihm persönlich die Frage, was man versäumt habe, sagte Stäblein kürzlich. Die Kirche müsse wohl noch stärker deutlich machen, dass „Antisemitismus für Christen in keiner Weise möglich ist“, betont Stäblein.

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