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Auch Diesel wieder günstiger : Spritpreise in Polen auf Tiefstand

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Die anhaltend niedrigen Weltmarktpreise für Rohöl und dazu noch der aus Sicht deutscher Touristen weiterhin äußerst günstige Wechselkurs zwischen Euro und dem polnischen Zloty machen es möglich: Die Benzinpreise jenseits der Oder erreichten in den vergangenen Tagen immer neue Tiefstände.

Die Kombination beider Faktoren führte gestern dazu, dass man in Slubice – der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder) – sowohl für Super-Benzin als auch für Diesel weniger als 90 Cent pro Liter zahlen musste. So niedrige Preise gab es seit über einem Jahrzehnt nicht. Bei einem aktuellen Wechselkurs von 4,40 Zloty für einen Euro zahlte man gestern Mittag an einer der vielen Tankstellen des Grenzortes umgerechnet 89 Cent für das Benzin und sogar nur 86,8 Cent für Diesel.

„Für einen langjährigen Kraftfahrer wie mich ist das schon ein Traum“, meinte Thomas Schmidt aus Berlin-Wilmersdorf, der regelmäßig zum Shoppen ins Nachbarland fährt. Zu Hause in Berlin hätte er um die gleiche Zeit für den Liter Super zwischen 1,14 und 1,24 Euro und für Diesel zwischen 90 Cent und einem Euro zahlen müssen. In Brandenburg lagen die Preise laut den Internet-Vergleichs-Portalen in einer ähnlichen Spanne.

Neu an der Entwicklung im Nachbarland ist, dass mittlerweile auch Diesel wieder günstiger ist als hierzulande. Vor zwei Monaten war dies noch anders. Woran dies genau liegt, konnte ein Tankwart in Slubice zwar auch nicht sagen. „Auf jeden Fall hatten sich viele Polen darüber aufgeregt, dass der Diesel in Deutschland billiger als bei uns war, obwohl wir hier viel niedrigere Löhne haben“, sagte er. Häufig würden die Preisvorteile von den großen Konzernen auch nicht gleich an die Kunden weitergegeben.

Im Landesinneren noch günstiger

Wer noch etwas weiter nach Polen ins Land fährt, kann dort sogar noch weitaus günstiger tanken. Den preiswertesten Diesel des Nachbarlandes gab es gestern Mittag an einer Station in Posen für umgerechnet 76,1 Cent. Und die Tankstelle eines Stettiner Supermarkts bot das Super-Benzin für 3,69 Zloty (also umgerechnet 83,9 Cent) an.

Ob die Preise sich noch weiter nach unten entwickeln, ist ungewiss. Analysten gehen davon aus, dass inzwischen der Tiefstand erreicht sein dürfte.

Was Sie über die Preisentwicklung wissen müssen:

Wie hat sich der Preis für Rohöl entwickelt?

Der Preis für Rohöl (errechneter Mittelpreis für ein Sortenmix von Nordseeöl, arabischem Rohöl und einer US-Leitsorte) ist auf dem Weltmarkt in den vergangenen Monaten rasant gefallen. Noch im Mai kostete ein Fass (159 Liter) Rohöl bis zu 67 Dollar. Aktuell sind es etwas mehr als 34 Dollar.

Welche Faktoren spielen beim Ölpreis eine Rolle?

Wichtig sind drei Faktoren: Die Kursentwicklung des US-Dollar, die Fördermengen und die Lagermengen bei Rohöl und Ölprodukten.

Der Dollar ist in den vergangenen Wochen gesunken. Für einen Euro erhält man derzeit 1,11 Dollar. Im Januar waren es 1,07 Dollar. Ein günstiger Dollar bedeutet, dass der Ölpreis für Verbraucher in Fremdwährungsländern tendenziell billiger ist, was die Nachfrage erhöht. Deshalb entwickelt sich der Ölpreis oft umgekehrt zur Kursentwicklung des Dollar.

Brachte die Ölförderung im Golf von Mexiko in die Schlagzeilen: Der Unfall auf der „Deepwater Horizon“ 2010.
Brachte die Ölförderung im Golf von Mexiko in die Schlagzeilen: Der Unfall auf der „Deepwater Horizon“ 2010. Foto:Imago/UPI Photo

Die OPEC-Länder förderten zuletzt mit Rekordmenge von 32,3 Mio. Barrel/Tag. Der Weltölbedarf liegt derzeit bei nur 31,6 Mio. Barrel/Tag. Daraus errechnet sich eine Überversorgung von täglich 700.000 Barrel Rohöl.

Am Dienstag haben sich Ölminister aus Saudi-Arabien, Russland, Venezuela und Katar in Doha (Katar) zu Drosselungsverhandlungen getroffen. Das Ergebnis: Russland und Saudi-Arabien wollen ihre Ölfördermengen auf den Stand von Januar begrenzen. Für Russland heißt das 10,9 Mio. Barrel/Tag und für die Saudis 10,2 Mio. Barrel/Tag.

Das bedeutet, dass die Fördermengen weiter extrem hoch gehalten werden. Es wurde lediglich eine weitergehende Fördermengenerhöhung begrenzt. Andere wichtige Ölförderländer müssen dem Deal noch zustimmen. Im Gegensatz zum Irak wird der Iran aller Wahrscheinlichkeit nach sich nicht an seinem gerade erst ermöglichten Wiederhochfahren beschneiden lassen. Teherans Nachrichtenagentur Shana zufolge will Iran nun zu seiner angestammten Fördermenge als der Nummer II der OPEC zurückkehren.

Das US-Rohöllager verringerte sich um 3,3 Mio. Barrel und die Produktelager um 1,2 Mio. Barrel.

Wie lange wird Öl so billig bleiben?

Das weiß niemand. Die Chancen auf weiteren Preisrückfall in den nächsten Wochen sind aufgrund der Marktlage deutlich gestiegen.

Was heißt das für Heizöl?

Im Bundesdurchschnitt kostet Heizöl pro 100 Liter derzeit um die 42,6 Euro. Das sind 23,2 Euro weniger als vor einem Jahr.

Wenn der Tankwagen kommt, tut es gar nicht mehr so weh.
Wenn der Tankwagen kommt, tut es gar nicht mehr so weh. Foto:Imago/Cord
Warum sinkt der Benzinpreis nicht so stark wie der Rohölpreis?

Der Preis für Rohöl ist nur ein Faktor für den Preis, den Verbraucher für Benzin an der Tankstelle zahlen. Rechnerisch sind das derzeit unter 30 Eurocent. Größter Block ist die Energiesteuer, früher Mineralölsteuer genannt. Sie ist konstant und beträgt für Benzin 67 Cent je Liter und für Diesel 47 Cent je Liter. Darauf kommt noch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent.

 
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