Süß-saure Früchte bleiben : Spreewälder retten Stachelbeere

Auf inzwischen 50 Hektar reifen Stachelbeeren bei Golßen im Spreewald.
Auf inzwischen 50 Hektar reifen Stachelbeeren bei Golßen im Spreewald.

Um ein Haar wäre der Stachelbeeranbau vor zehn Jahren eingebrochen – Wäre da nicht Konrad Linkenheil vom Spreewaldhof gewesen

von
21. Juni 2019, 05:00 Uhr

Aktuell ist Deutschland der weltweit größte Produzent von Stachelbeeren. Vor zehn Jahren sah dies ganz anders aus: „Als 2009 die Preise für die Stachelbeeren extrem sanken, hat niemand mehr Stachelbeeren angeboten“, erinnert sich Konrad Linkenheil, der Mitinhaber des Spreewaldhofs in Golzen (Dahme-Spreewald). Mit Leidenschaft und Begeisterung widmete sich der Hersteller von Obstkonserven der Rettung der süß-sauren früchte. „Wir haben uns gefragt, wie schaffen wir es diese hundert Jahre alte Beerensorte in Deutschland zu erhalten?“

Die Antwort: eine eigene Stachelbeerplantage bewirtschaften zusammen mit Vertragsbauer Frehn in Schöneiche, einem Stadtteil von Golßen. Damals waren es 24 Hektar, heute gedeihen die Beeren der Sorte Invicta auf 50 Hektar. Der Mut hat sich ausgezahlt. Jährlich werden auf dieser Fläche 300-400 Tonnen Stachelbeeren geerntet, die dann im Spreewaldhof verarbeitet werden. Vom Anbau bis hin zum Einmachen der Beeren passiert alles im Spreewald.

Die Stachelbeere gehört, wie die Johannesbeere, zu der Pflanzengattung „Ribes“. Ihren Namen hat die kugelige Beere von den Stacheln an ihren Stängeln. Am besten gedeihen die Pflanzen an leicht schattigen Plätzen und bei wenig Sonneneinstrahlung. Stachelbeeren werden als Büsche, Hochstämmchen oder Hecken angebaut – der Spreewaldhof setzt aufgrund von Effizienz beim Ernten auf den Anbau als Busch. Damit die Pflanzen nicht zu hoch wachsen, werden sie regelmäßig beschnitten.

Stachelbeeren tragen ihre Blüte von April bis Mai und sind ab Juni reif für die Ernte, die je nach Witterungslage bis Mitte August erfolgen kann. Die Beeren werden in der Regel „grün“ geerntet: Noch nicht vollausgereifte Beeren sind kaum druckempfindlich, können lange gelagert und gut verarbeitet werden. Deutschland ist der weltweit größte Stachelbeeren-Produzent. Rund 82.869 Tonnen wurden im Jahr 2016hierzulande geerntet.* Darüber hinaus werden Stachelbeeren auch vermehrt in Russland, Polen, der Ukraine und England landwirtschaftlich produziert.
So schmeckt’s.
Stachelbeeren schmecken säuerlich bis süß. Eine hohe Qualität erkennt man an einer prallen, straffen Schale: Es tritt kein Saft aus und es sind keine Druckstellen zu erkennen. Die wohl bekannteste Sorte der leicht ovalen Beere ist von einer durchscheinenden, grünlich weißen Farbe. Manche Sorten sind hingegen goldgelb oder rot. Typisch für die Stachelbeere ist ihre sanft behaarte Oberfläche – der Trend geht jedoch hin zu einer glatten Fruchthaut. Das Fruchtfleisch ist besonders weich, saftig und enthält kleine Kerne, die mitgegessen werden können. Stachelbeeren stehen hinter Trauben auf Platz zwei der Zuckerreichsten Beeren (etwa 7,1 gramm je 100 Gramm). Zudem sind sie mit 3 Gramm auf 100 Gramm reich an Ballaststoffen und haben mit 35 Gramm einen hohen Vitamin C Gehalt. Ob im Kuchen, als Kompott, Konfitüre, Chutney oder als warme Beilage zu Eis – die Stachelbeere ist beliebt in Deutschlands Küchen.

Der Spreewaldhof in Golßen ist bekannt für Spreewälder Gurken. Die Wurzeln hat das Familienunternehmen aber in einem ganz anderen Bereich: „Ursprünglich kommen wir aus der Obstkonservenherstellung“, erklärt Linkenheil. Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich sein Großvater am Niederrhein in diesem Bereich spezialisiert. 100 Jahre später ist das Unternehmen immer noch in familiärer Hand. Konrad Linkenheil und seine Schwester Karin Seidel, Geschäftsführer in dritter Generation, erweiterten das Obst-Sortiment durch eine Fusion um die Produktion von Gemüse- und Sauerkonserven.

Die Passion für Obst ist geblieben: Von kaltgeriebenem Apfelmus über Schattenmorellen bis hin zur eingemachten Stachelbeere – 110 verschiedene Obst-Produkte hat das Unternehmen im Sortiment. Bei der Herstellung komme es vor allem auf Qualität, Handarbeit und Sorgfalt an: „Nahezu jedes Obst wird in der Region angebaut und schonend verarbeitet. Mit unseren eingemachten Produkten bieten wir ein sicheres Lebensmittel an“, so Linkenheil.

Der Spreewaldhof (Obst- und Gemüseverarbeitung Spreewaldkonserve Golßen GmbH) stellt seit über 70 Jahren Obst-, Gemüse-, und Sauerkonserven her. 200 Festangestellte und bis zu 220 saisonale Arbeitskräfte sind im Unternehmen beschäftigt. Rund 32 Obst- und Gemüsesorten werden jährlich zu verschiedenen Spezialitäten verarbeitet. Die Produktpalette umfasst 250 Artikel einschließlich Handelsmarken und wird in über 30 Ländern verkauft. In Ostdeutschland ist der Spreewaldhof mit dem Gurkensortiment Nummer 1, deutschlandweit ist es Rang drei..

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen