zur Navigation springen

Streit : Spargelanbau unter Folien kontra Naturschutz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit Jahren spaltet das Thema Erzeuger und Umweltschützer. Laut Gutachten nicht immer erlaubt

svz.de von
erstellt am 12.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Der Spargelanbau unter Folien kann in Vogelschutzgebieten aus Gründen des Naturschutzes untersagt werden. Das geht aus einem Gutachten des Parlamentarischen Beratungsdienstes des Brandenburger Landtages hervor, das die Linksfraktion in Auftrag gegeben hat. Nach der Expertise ist ein Anbau des Gemüses unter Plastikfolien nur dann zulässig, wenn in dem Gebiet „vernünftiger Zweifel am Ausbleiben erheblicher Beeinträchtigungen“ des Naturschutzes ausgeschlossen werden könne, heißt es unter Hinweis auf das Bundesnaturschutzgesetz.
Dies müsse aber im Einzelfall entschieden werden.

Umweltschützer und Grüne im Landtag wollen erreichen, dass weniger Folien beim Spargelanbau eingesetzt werden, da dies negative Auswirkungen für den Vogelbestand und das Landschaftsbild habe. Erzeuger und Umweltministerium setzen sich dagegen für den Erhalt dieser Methode ein, die den Wasserhaushalt des Bodens besser reguliere und dessen Erosion mindere.

Bei einem großflächigen Unter-Folie-Anbau in den Vogelschutzgebieten ist laut Gutachten in der Regel eine Verträglichkeitsprüfung im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes erforderlich. Doch auch im Falle eines Negativbefundes sei eine Spargelerzeugung unter Folien möglich, heißt es weiter. So etwa, wenn es aus „zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses“ notwendig sei und „zumutbare Alternativen“ nicht existierten. Öffentliche Interessen könnten auch wirtschaftlicher Natur sein, wie der Erhalt von Arbeitsplätzen.

Wie die Autoren der Studie weiter schreiben, ist bislang nicht nachgewiesen, dass Natura-2000-Gebiete durch Spargelanbau unter Folien erheblich beeinträchtigt worden sind. „Beobachtungen in der Nähe großer Anbauflächen von Spargel unter Folie zeigten jedoch einen gegenüber anderen Flächen geringeren Bestand an geschützten Vogelarten und Einzelexemplaren pro Art.“ Dies könne auch durch den Folienanbau mitverursacht worden sein. Zu den Natura-2000-Gebieten gehören in Brandenburg nach Angaben des Umweltministeriums 27 Vogelschutzzonen und 605 Flora-Fauna-Habitat-Gebiete. Zusammengenommen erstrecken sich die Schutzareale auf mehr als 980 000 Hektar, etwa ein Viertel der Landesfläche.

Spargel wurde im vergangenen Jahr in Brandenburg auf rund 4400 Hektar angebaut. Etwa 90 Prozent der Felder waren monatelang vor Witterungseinflüssen mit Folie geschützt. Die Grünen wollen, dass künftig nur noch zehn Prozent der Fläche bedeckt sein dürfen.

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen