Sonnenenergie von der Mülldeponie

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06. August 2010, 01:57 Uhr

Luckenwalde | Auf der Suche nach Standorten für Solarenergie sind Ideen gefragt - gerade in Brandenburg, das sich zu einem führenden Standort der Solarbranche gemausert hat. Doch Haus- und Stalldächer sind auch hierzulande mit vielen kleinen Platten bereits gut gepflastert. Deshalb kommen ehemalige Abfallhalden ins Spiel. Und so ist in Luckenwalde im Landkreis Teltow-Fläming erstmals in Brandenburg eine Solaranlage auf einer ehemaligen Mülldeponie installiert worden.

Der Regierungschef sieht das Projekt als Vorreiter: Mit diesem Projekt sei ein "ausgesprochen zukunftsweisendes Konzept" verwirklicht worden, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gestern in Potsdam. Es sei ein neuartiges Nutzungskonzept für renaturierte Deponien. Die neue Anlage kann nach Angaben des Ministerpräsidenten künftig rund 1900 Haushalte mit Energie versorgen. Das Projekt wurde in Kooperation mit regionalen Herstellern von Solarmodulen und Betreibern von Solarkraftwerken realisiert. Nach Angaben der Regionalen Entsorgungsservice & Transport GmbH (REST), die Bauherr der Solaranlage war, wurde eine Fläche von 2,9 Hektar bebaut und rund 9000 Solarmodule installiert. Den Angaben zufolge können jährlich rund 5,6 Millionen Kilowattstunden Energie produziert werden. In diesem Zusammenhang lobte Platzeck die enge Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und den beteiligten Unternehmen. Dies sei ein weiterer Grund, das Vorhaben als "Pioniertat" zu würdigen.

"Die Nachnutzung von stillgelegten Deponieflächen wird in Zukunft deutschlandweit an Bedeutung gewinnen", sagte Lutz Petzold von REST. Weil der Abfall auch in Brandenburg aufgrund einer seit 2005 geltenden Regelung gründlicher sortiert werden muss, fällt insgesamt weniger Müll an als zuvor - Deponien wurden stillgelegt. Diese könnten nun für ähnliche Zwecke wie in Luckenwalde genutzt werden.

Platzeck bezeichnete darüber hinaus die Solarbranche als "Säule des Wirtschaftswachstums" in Brandenburg. Das Projekt zeige, dass die Solarbranche in Brandenburg eine lebendige Industrie sei. Nach Angaben des Ministerpräsidenten verfügt das Land mit neun Photovoltaik-Modul-Herstellern über die meisten derartigen Firmen in den neuen Ländern. Die Zahl der Solaranlagen im Land stieg von 784 im Jahr 2004 auf 8581 im Juni dieses Jahres.

Als Beispiel für den Zuwachs von Solaranlagen nannte Platzeck neben der Anlage in Luckenwalde das Werk in Senftenberg im Kreis Oberspreewald-Lausitz, wo künftig auf einem ehemaligen Tagebaugelände Solarzellen eine Spitzenleistung von 14,4 Megawatt erzeugen sollen. In Werneuchen im Landkreis Barnim soll in Kürze Deutschlands größter Solarpark entstehen. Die Anlage in Luckenwalde wird am 3. September offiziell eröffnet.

Der Ministerpräsident verwies darauf, dass Brandenburg im Bereich der erneuerbaren Energien bundesweit die Spitzenposition innehabe. Die Auszeichnung mit dem "Leitstern 2008" als bestes Bundesland in diesem Bereich sei "Ansporn, auf dem Weg der ökologischen Industriepolitik unbeirrt weiter voranzukommen", sagte Platzeck.

Ende dieses Jahres wird die Auszeichnung von der Agentur für erneuerbare Energien zum zweiten Mal verliehen.

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