zur Navigation springen

Raubgrabungen : Solche und solche Sondengänger

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburgs Archäologen schlagen wegen Raubgrabungen Alarm / Zusammenarbeit mit Ehrenamtlern trägt Früchte

svz.de von
erstellt am 28.Jan.2017 | 05:00 Uhr

In Brandenburg gibt es 48 000 archäologische Fundstellen. Das Landesamt für Denkmalpflege sieht sie zunehmend durch illegale Schatzgräber bedroht. Mit einer Metallsonde über den Acker zu laufen ist noch keine Straftat. Bückt man sich, gräbt etwas aus und nimmt es mit, sieht das anders aus.

Die Rechtslage ist klar, erläuterte Ann Heimbrodt, Justiziarin des Landesamtes. Ohne Genehmigung zu graben ist schon eine Ordnungswidrigkeit, weil ein Bodendenkmal beeinträchtigt werden könnte. Wer etwas mitnimmt, begeht eine Straftat. Denn in Brandenburg gilt wie in den meisten Bundesländern das Schatzregal – alle herrenlosen, verborgenen Schätze gehören dem Land und müssen den Behörden angezeigt werden. Es ist ein Irrglaube, dass jemand einen Schatz finden und damit reich werden kann, sagt die Justiziarin.

In den vergangenen beiden Jahren wurden in sechs Fällen illegale Schatzsucher entdeckt und angezeigt. Nur in einem Fall wurde ein Bußgeld verhängt. Es ist schwer nachzuweisen, dass die Personen etwas mitgenommen haben, sagt Ann Heimbrodt. Zumal ganze Banden übers Land ziehen, einige suchen mit Detektoren nach Metallen und andere transportieren die Funde sofort ab. Der Handel mit kulturellem Raubgut floriert und gilt als drittgrößter krimineller Markt nach Drogen und Waffen.

Für die Archäologen gehen nicht nur die wertvollen Zeugnisse vergangener Kulturen verloren. Selbst wenn die Gegenstände später wieder auftauchen, ist der historische Kontext verloren gegangen, der Wissenschaftlern die wertvollen Einblicke in die Geschichte gibt. Noch ärgerlicher ist es, wenn Räuber bei regulären Ausgrabungen nachts auftauchen und die Fundstätten plündern.

Joachim Wacker vom Landesamt erinnert sich noch genau an die Ausgrabungen im Dorf Diepensee, das dem Flughafenneubau BER weichen musste. Ein sorgsam freigelegtes mittelalterliches Grubenhaus war morgens völlig verwüstet. Bei der Bergung eines germanischen Gräberfeldes bei Niemegk (Potsdam-Mittelmark) kamen die Räuber ebenfalls über Nacht und stahlen ein halbes Dutzend Urnen – sehr professionell, so Wacker.

Landesarchäologe Franz Schopper warnte davor, all diejenigen zu verteufeln, die sich für die Geheimnisse im brandenburgischen Boden interessieren. Im Land hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken eingesetzt. Wer sich für Archäologie interessiert, kann im Landesamt vorstellig werden. Wird er nach einem Gespräch für vertrauenswürdig für eine ehrenamtliche Kooperation befunden, kann er an einem zweijährigen Kurs teilnehmen und danach eine Suchgenehmigung beantragen.

Es werden konkrete Gebiete festgelegt, in denen sich der Betroffene mit einer Sonde auf die Suche machen darf. Alle Funde müssen eingemessen und mit entsprechenden Berichten dem Landesamt übergeben werden.

Bei Götz, einem Dorf zwischen Potsdam und Brandenburg an der Havel, untersuchte ein Ehrenamtler 2014 die Wüstung Golm. Er fand ein von einem Pflug angeschnittenes Tongefäß mit mehr als 2000 mittelalterlichen Münzen. Zusammen mit der Universität Göttingen wurde der im 13. Jahrhundert verlassene Ort ergraben. In einer Wüstung in Teltow-Fläming wurde ein Jahr später ein vergleichbarer Schatz von einem Ehrenamtler entdeckt und später umfassend geforscht.

Ehrenamtler kamen auch zum Einsatz, als im Havelland und bei Hoppegarten (Märkisch-Oderland) Waldlager untersucht wurden, die die Rote Armee nach dem Zweiten Weltkrieg einrichtete, bevor die Truppen in feste Kasernen zogen. „Wir wussten nichts über diese Lager“, sage Thomas Kersting.

Zur Zeit sind 41 Sondengänger mit einer Genehmigung des Landesamtes unterwegs. In den derzeitigen Kursen lassen sich gerade 200 Interessierte ausbilden. Mehr als die oberste Denkmalschutzbehörde nach dem Personalabbau betreuen kann, klagte Joachim Wacker.

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen